Euro-Krise: Liquidität gegen den großen Crash

Die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Fed und weitere wichtige Zentralbanken fluten den Geldmarkt mit Liquidität - und kaufen mehr Zeit zur Lösung der Euro-Krise. Vor allem für europäische Banken war es zuletzt schwer geworden, günstig an Dollar zu kommen. EU-Währungskommissar Olli Rehn zufolge läuft der Countdown.

Gemeinsam mit anderen Zentralbanken versucht die Europäische Zentralbank, (EZB) das weltweite Finanzsystem zu stabilisieren. Foto: dpa.
Gemeinsam mit anderen Zentralbanken versucht die Europäische Zentralbank, (EZB) das weltweite Finanzsystem zu stabilisieren. Foto: dpa.

Die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Fed und weitere wichtige Zentralbanken fluten den Geldmarkt mit Liquidität – und kaufen mehr Zeit zur Lösung der Euro-Krise. Vor allem für europäische Banken war es zuletzt schwer geworden, günstig an Dollar zu kommen. EU-Währungskommissar Olli Rehn zufolge läuft der Countdown.

Das gemeinsame Vorgehen der weltgrößten Zentralbanken gegen die Dollar-Not vieler europäischer Banken hat den Finanzmärkten am Mittwoch mächtig Auftrieb gegeben. "Der Markt mag Liquidität", sagte ein Aktienhändler in Frankfurt. Allerdings müsse man abwarten, ob sich die Lage am Interbankenmarkt entspanne. "Denn dies ist nur ein Herumlaborieren am Symptom, fundamental ändert sich nichts."

Der Dax schoss erstmals seit Mitte November über die Marke von 6000 Zählern und notierte am Nachmittag 4,3 Prozent fester bei 6048 Punkten. Die größten Gewinner waren die Papiere von ThyssenKrupp, Deutscher Bank und Allianz mit Aufschlägen von jeweils mehr als sechs Prozent. Auch die anderen europäischen Indizes gingen kräftig nach oben.

Liquidität für das globale Interbankensystem

Die Zentralbanken der Eurozone, der USA, Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz reduzieren ab dem 5. Dezember die Kosten bestehender Dollar-Swaps um 50 Basispunkte. Ziel der Aktion sei es, die Spannungen an den Märkten zu reduzieren und damit auch die Realwirtschaft zu unterstützen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Mit dem Schritt soll das globale Interbankensystem mit zusätzlicher Liquidität versorgt werden. Vor allem für europäische Banken war es zuletzt schwer geworden, günstig an Dollar zu kommen.

Schon vor der Aktion der großen Notenbanken hatte China mit einer geldpolitischen Lockerung die Märkte beruhigt und vor allem an den Rohstoffbörsen die Kurse in die Höhe getrieben. Die Zentralbank der Volksrepublik senkte die Mindestreserve-Quote für die größten Institute erstmals seit drei Jahren um 50 Basispunkte auf 21 Prozent.

"Das zeigt, dass alle Beteiligten den Ernst der Lage erkannt haben", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. "Zusammen mit der Senkung der Mindestreserve-Anforderungen in China ist das sehr hilfreich. Heute ist die Geldpolitik am Zug und zeigt damit, dass sie der Weltkonjunktur unter die Arme greift."

"Das Zeitfenster schließt sich immer schneller"

Mit dem gemeinsamen Vorgehen seien viele Probleme aber noch nicht gelöst, warnte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. "Es wird wenigstens sichergestellt, dass die Banken genügend Dollar-Liquidität bekommen – und zwar zu besseren Konditionen als bisher über die Dollar-Tender der EZB. Für Erleichterung sorgt sicher auch, dass die Notenbanken zusammenarbeiten." Nach Meinung eines Händlers müssen die Politiker in der Eurozone jetzt allerdings schnellstens die Schuldenkrise eindämmen. "Das Zeitfenster schließt sich immer schneller. Bislang wurde kaum etwas von dem umgesetzt, was angekündigt worden war."

Viele Börsianer teilten diese Einschätzung, nachdem das Treffen der Euro-Finanzminister am Dienstagabend für Enttäuschung gesorgt hatte. Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research kritisierte, dass eine Chance zur Beruhigung der Märkte vertan wurde. Die Minister hatten sich zwar auf die Grundzüge der Hebelung des Rettungsschirms EFSF verständigt. Unklar bleibt allerdings, wie stark die Finanzkraft am Ende sein wird. "Ursprünglich war ein Volumen von einer Billion Euro geplant, jetzt sollen es noch 750 Milliarden sein", sagte ein Aktienhändler. "Aber ich würde darauf wetten, dass am Ende nicht einmal die 750 Milliarden Euro zusammenkommen."

Systemische Krise

 
In der Euro-Zone wächst die Angst vor dem nächsten Paukenschlag an den Finanzmärkten in der Schuldenkrise. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy forderte in Brüssel eindringlich eine "systemische" Antwort der Euro-Staaten auf die inzwischen systemische Krise. "Wir haben eine handfeste Vertrauenskrise", sagte er. EU-Währungskommissar Olli Rehn zufolge läuft der Countdown: In den nächsten zehn Tagen müsse eine Lösung der Krise gefunden werden.

Mit Italien droht die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone immer stärker in den Sog zu geraten: Italien habe mit dem IWF erste Gespräche über ein 400-Milliarden-Euro-Kreditpaket gesprochen, von dem der IWF ein Viertel übernehmen und der Rest von den Zentralbanken der Euro-Länder kommen solle, sagten mehrere mit dem Vorgang Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters in der Nacht zu Mittwoch.

EURACTIV/rtr

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Presse

Krone.at: Top-Unternehmen bereiten sich auf Euro-Crash vor (30. November 2011)

Dokumente

EZB: Coordinated central bank action ?to address pressures in global money markets (30. November 2011)

EFSF: Maximising EFSF’s capacity approved (29. November 2011)

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