EU will eigene bemannte Raumfahrt

Die EU ist bei der bemannten Raumfahrt abhängig von internationalen Partnern wie den USA und Russland, beklagt EU-Industriekommissar Günter Verheugen (SPD). Nun soll die europäische Raumfahrtbehörde ESA eine eigene Strategie entwickeln, um Menschen ins All zu schicken. Deutschland ist von der Eroberung des Weltraums zwar ebenfalls fasziniert, träumt allerdings von einer "nationalen Mondmission".

Jüngst fasste Deutschland eine Mondlandung ins Auge, jetzt wollen die Europäer gemeinsam ins All aufbrechen. Foto: dpa.
Jüngst fasste Deutschland eine Mondlandung ins Auge, jetzt wollen die Europäer gemeinsam ins All aufbrechen. Foto: dpa.

Die EU ist bei der bemannten Raumfahrt abhängig von internationalen Partnern wie den USA und Russland, beklagt EU-Industriekommissar Günter Verheugen (SPD). Nun soll die europäische Raumfahrtbehörde ESA eine eigene Strategie entwickeln, um Menschen ins All zu schicken. Deutschland ist von der Eroberung des Weltraums zwar ebenfalls fasziniert, träumt allerdings von einer „nationalen Mondmission“.

Europa erwägt eigene bemannte Weltraummissionen. Das wurde bei der ersten gemeinsamen Konferenz zur "Erforschung des Alls" von EU und Europäischer Weltraumbehörde ESA deutlich. "Bis jetzt ist die EU/ESA komplett abhängig von internationalen Partnern, um ihre Astronauten ins All zu schicken", sagte EU-Industriekommissar Günter Verheugen am Freitag bei Prag. Dort hatten Vertreter aus 29 Ländern über ihre Zukunftspläne zur Raumfahrt beraten.

Es sei wünschenswert, dass "Europa eigene Kapazitäten zum Transport von Menschen entwickelt", sagte ESA-Astronaut Frank De Winne, der von der internationalen Raumstation ISS per Video der Konferenz zugeschaltet wurde. Er hoffe auf eine Verwirklichung in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Der Belgier De Winne leitet derzeit als erster Europäer die ISS.

Verheugen fordert ESA-Strategie für bemannte Raumfahrt

Verheugen verwies auf die Bedeutung der Raumfahrt für Klimaschutz, Sicherheit und Wissenschaft. Sie sei "Symbol für Leistungsvermögen und Prestige". Künftig würden bemannte und unbemannte Missionen bis hinter den Mond Richtung Mars reichen. Europa solle dabei seine eigene Rolle prüfen, sagte Verheugen: "EU und ESA sind herausgefordert, ihre Strategie in Hinsicht auf die menschliche Erforschung des Weltalls im 21. Jahrhundert zu definieren."

Dordain: Satelliten einen Tag ausschalten

ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain sagte: "Kein einziger EU-Bürger kann heute ohne das All leben – nur wissen das viele nicht". Er nannte Navigationssysteme und Wettervorhersagen als typische Beispiele für den allgemeinen Nutzen der Weltraumforschung und schlug im Scherz vor, die entsprechenden Satelliten einen Tag lang auszuschalten, um das Interesse der Menschen zu gewinnen.

In einer gemeinsamen Abschlusserklärung hieß es, EU und ESA sollten nun einen Aktionsplan entwickeln, der sowohl Szenarien der bemannten als auch der von Robotern geführten Raumfahrt beinhalte. Offene blieben in Prag allerdings alle Finanzierungsfragen. 2010 wollen EU und ESA bei einer Folgekonferenz in Belgien über das weitere Vorgehen beraten.

Hintzes Mondmission

Der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze (CDU) plädierte Mitte August für eine neue "nationale Mondmission" (Siehe EURACTIV.de vom 12. August 2009). "Wenn man als Raumfahrt-Nation Bedeutsames schaffen will, braucht man bedeutsame Projekte", legte Hintze dar. Deshalb setze er sich für eine unbemannte deutsche Mondlandung bis 2015 ein.

"Alle wichtigen Weltraum-Nationen zielen auf den Mond, und deshalb ist mir der Mond als Thema auch wichtig", erklärte Hintze. Das Projekt könne auch den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland faszinieren und motivieren. "Wir brauchen für unsere besten Hirne – für unsere Genies – anspruchsvolle Projekte, damit sie in Deutschland bleiben", so Hintze.

Auch die bemannte Raumfahrt unterstützt der bisherige Staatssekretär. Wenn man aus "irgendeinem" Grund einmal ins All hinaus müsse – etwa zur Abwehr eines Asteroiden – und zuvor die bemannte Raumfahrt aufgegeben habe, dann werde das schwierig. "Ob und wann wir mit Menschen auf dem Mond sind, weiß ich aber nicht", so Hintze.

Europa ist nur an Bord, wenn das Geld knapp wird

Hintze sprach zunächst von einer "nationalen" Mondmission. "Wenn es aber ganz knauserig wird mit den Finanzen, könnte man auch überlegen, das mit den Franzosen zusammen zu machen oder im ESA-Kontext oder mit der NASA", erklärte der deutsche Koordinator. Sollte eine Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Weltraumorganisation ESA nötig werden, wäre das ein "schönes europäisches Projekt".

Auf Nachfrage von EURACTIV.de, warum die Mondmission nicht von Anfang an auf europäischer Ebene betrieben werde, verwies Hintze auf das deutsche Interesse, technisch anspruchsvolle Teile für die Mission selbst zu entwickeln. Ob die Erforschung des Alls die Europäer noch zusammenschweißt, bleibt noch offen.

Bestätigt fühlen darf sich der Bestsellerautor Frank Schätzing. In seinem neuen Science-Fiction-Roman "Limit" geht es um den Wettlauf der Staaten um die Eroberung des Mondes.  

dpa/awr