EU will Bio-Landbau in Agrarstatistik aufnehmen
Die ökologische Landwirtschaft soll in die Überarbeitung der EU-Agrarstatistiken einbezogen werden. Digitale Technologien können einen kreativen Weg bieten, erklärte der Berichterstatter des Dossiers, Petros Kokkalis, gegenüber EURACTIV.
Die EU will die ökologische Landwirtschaft in die Überarbeitung der EU-Agrarstatistiken aufnehmen, erklärte der Berichterstatter des Dossiers, Petros Kokkalis, in einem Interview mit EURACTIV. Digitale Technologien könnten dabei einen kreativen Weg bieten, um die zusätzliche Belastung der Landwirt:innen zu verringern.
Im Rahmen der Bemühungen, die Datenerhebung der EU im Agrarsektor zu konsolidieren und zu optimieren, überarbeitet die Europäische Kommission die Verordnung über landwirtschaftliche Betriebsmittel und Erzeugung (SAIO).
Die Verordnung bezieht sich auf Statistiken über landwirtschaftliche Produktion, Agrarpreise, Nährstoffe und Pflanzenschutzmittel. Der erste diesbezügliche Trilog zwischen den Abgeordneten des Europäischen Parlaments und den nationalen Regierungen startete am Donnerstag (3. Februar).
Der linke Europaabgeordnete und Berichterstatter für das Dossier, Petros Kokkalis, betonte die Bedeutung der Verordnung. Gegenüber EURACTIV erklärte er, dass eine erfolgreiche Datenerhebung die grünen Ambitionen der EU, einschließlich des Europäischen Green Deal und des EU-Aktionsplans für den ökologischen Landbau, unterstütze.
„Wir brauchen eine bessere statistische Unterstützung für eine evidenzbasierte Politik der Zukunft“, betonte er. Daten seien ein wesentlicher Bestandteil eines Wandels, der „sehr schnell, sehr effizient und sehr radikal“ sein muss.
Die Überarbeitung wird von Interessengruppen, die die EU seit langem für ihre landwirtschaftliche Datenerfassung und -überprüfung kritisieren, weitgehend begrüßt.
28 Kampagnenorganisationen hatten kürzlich ein Schreiben unterzeichnet, in dem sie darauf hinweisen, dass das statistische Amt der EU – EUROSTAT – derzeit nur unvollständige Daten über den Einsatz von Pestiziden erhält.
„Das bedeutet, dass es keine genauen Daten darüber gibt, welche Pestizide in den letzten Jahren bei der Herstellung von Lebensmitteln in der EU verwendet wurden, und auch nicht, wo, wann und in welchen Mengen sie eingesetzt wurden“, warnten die Verbände.
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Positiver erster Eindruck
Im Gespräch mit EURACTIV nach dem ersten Trilog-Treffen sagte Kokkalis, die ersten Eindrücke seien weitgehend positiv.
„Alle Parteien, die Kommission und der Rat schienen sehr bestrebt, dieses Dossier abzuschließen“, erklärte er gegenüber EURACTIV.
Auf Seiten des Parlaments ginge es hauptsächlich darum, sicherzustellen, dass die Verordnung für den Green Deal geeignet ist und die Transparenz erhöht wird. Laut Kokkalis sind sich die Parlamentarier:innen dabei weitgehend einig.
Dazu gehöre auch die Erhebung von Statistiken über Pestizide, Tierarzneimittel und antimikrobielle Mittel, sagte er.
Kokkalis nutzte jedoch auch die Gelegenheit, um auf die Besonderheiten dieses Dossiers hinzuweisen.
Abgesehen davon, dass es sich um ein sehr technisches Dossier handelt, wird es von EUROSTAT und nicht von der Generaldirektion Landwirtschaft oder der Generaldirektion Umwelt der Kommission geleitet, betonte er.
Ökologische Landwirtschaft
Einer der heikelsten Punkte, der von den Beteiligten im Vorfeld des Trilogs angesprochen wurde, ist die ökologische Landwirtschaft.
Der ökologische Landbau ist eine der wichtigsten Prioritäten der Europäischen Kommission, die bis zum Jahr 2030 25 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der EU ökologisch bewirtschaften will.
Während der ökologische Landbau im Mandat des Parlaments enthalten ist, sah der ursprüngliche Standpunkt des EU-Rates jedoch Bestimmungen vor, die die Erhebung von Daten über den ökologischen Landbau einschränken würden.
Für den EU-Bioverband IFOAM wäre diese Einschränkung eine „verpasste Chance“.
„Wir können uns nicht auf Agrarstatistiken verlassen, die den ökologischen Landbau nicht berücksichtigen“, sagte Jan Plagge, Präsident von IFOAM Organics Europe, in einer Erklärung. Direktor Eduardo Cuoco wies darauf hin, dass dies eine gute Möglichkeit wäre, die Datenlücke zu schließen, auf die Fachleute seit Jahren hinweisen.
Gefragt nach den Plänen, die Datenerhebung im Biosektor in die Überarbeitung der Verordnung einzubeziehen, sagte Kokkalis, die Verhandlungsführer:innen wollten „Klarheit und Sichtbarkeit der Daten über die Bioproduktion und auch der Preise, die die Marktbedingungen widerspiegeln.“
Er fügte hinzu, dass es „im Rat und in der Kommission eine breite Übereinstimmung gibt, dies zu unserem Ziel zu machen“.
Auch wenn es von den Verhandlungsführer:innen eine gewisse Kreativität erfordern wird, die technischen Details zur optimalen Umsetzung zu klären, sieht Kokkalis darin kein Problem für die Zukunft.
Verwaltungsaufwand
Doch während Umweltschützer:innen mehr landwirtschaftliche Daten fordern, sind die Landwirt:innen in der EU besorgt über den zusätzlichen Verwaltungsaufwand, den dies mit sich bringen könnte.
Obwohl er betonte, dass es „ganz oben auf der Agenda“ stehe, die Landwirt:innen nicht zu überlasten, spielte Kokkalis diese Bedenken herunter.
„Wir brauchen mehr Daten, aber das bedeutet nicht, dass wir den Verwaltungsaufwand erhöhen müssen“, sagte er.
Kokkalis wies darauf hin, dass die meisten Landwirt:innen mit Smartphones ausgestattet und über Social-Media-Anwendungen wie zum Beispiel Facebook vernetzt seien. Technologien könnten aber auch einen kreativen Weg bieten, um den Verwaltungsaufwand für Landwirt:innen zu minimieren.
„Ich denke, dass wir in der heutigen Zeit, im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, und mit der Möglichkeit, digitale Geräte und Datenerfassungspunkte zu haben, die praktisch jeder Landwirt in der Tasche hat, […] hier kreativ sein müssen“, sagte er.
Er fügte jedoch hinzu, dass die Verhandlungsführer „in der SAIO ihr Bestes tun, um das Ganze kurz und knapp zu halten“.
[Bearbeitet von Benjamin Fox]