EU-Wahlen: Europas Sozialdemokraten in Online-Suchen weit abgeschlagen
Google-Suchdaten deuten auf ein geringeres Interesse an den EU-Wahlen im Juni im Vergleich zu 2019 hin. Dabei wird die konservative Europäische Volkspartei (EVP) viel häufiger gesucht als ihre sozialdemokratische Hauptrivalin.
Daten von Google deuten online auf ein geringeres Interesse an den EU-Wahlen im Juni im Vergleich zu 2019 hin. Die konservative Europäische Volkspartei (EVP) schneidet bei den Suchanfragen wesentlich besser ab, als ihre sozialdemokratische Konkurrenzpartei.
Mehr als 90 Prozent der Europäerinnen und Europäer wenden sich bei der Suche nach Informationen an Google. Dies hat es dem US-Unternehmen ermöglicht, einen umfassenden Überblick über das öffentliche Interesse an den Europawahlen vom 6. bis 9. Juni zu erstellen, über alle Sprachen und verschiedene Begriffe hinweg.
Die Suchdaten ergaben einige schlechte Nachrichten für die Sozialdemokratische Partei Europas (SPE) und ihren Spitzenkandidaten Nicolas Schmit.
Obwohl die Sozialdemokraten derzeit die zweitstärkste Kraft im Europäischen Parlament sind, scheinen sich nur wenige Menschen für zusätzliche Informationen über die Mitglieder der europäischen Sozialdemokraten zu interessieren. Nur zehn Prozent der Suchanfragen in den letzten zwölf Monaten bezogen sich auf die Parteien der SPE. Dagegen konzentrierten sich mehr als 50 Prozent der Suchanfragen auf ihre Konkurrenz, die Mitglieder der konservativen EVP.
In den letzten Wochen hat das zunehmende Interesse an anderen europäischen Parteien dazu geführt, dass die EVP nur noch 42 Prozent der Suchergebnisse erhielt. Die Sozialdemokraten blieb mit zehn Prozent jedoch konstant abgeschlagen.
Stattdessen hat die paneuropäische und föderalistische Partei Volt erhebliche Aufmerksamkeit bekommen, so waren in der ersten Maiwoche rund 50 Prozent der Suchanfragen auf sie gerichtet. Dennoch wird die Partei voraussichtlich nur eine Handvoll Sitze im EU-Parlament erhalten.
Selbst in Deutschland, dem Kernland der Sozialdemokratie, machen die Suchanfragen, die mit der SPE in Verbindung gebracht werden können, nur 13 Prozent der gesamten Suchanfragen zur EU-Wahl aus. Und das, obwohl mit Olaf Scholz ein Sozialdemokrat Bundeskanzler ist.
Dieses mangelnde Interesse zeigt sich auch in anderen Bereichen des Internets.
Der im Februar eingerichtete Wahlkampf-Account von Schmit auf der Plattform X hat gerade einmal 2.400 Follower angesammelt. Ursula von der Leyen, die für die EVP antritt, hat in den letzten zwei Monaten 50 Prozent mehr Follower erreicht, obwohl sie nicht einmal als Abgeordnete kandidiert.
Global konkurrenzfähig?
Laut Google ist die Europawahl inzwischen die am zweithäufigsten gesuchte Wahl auf dem Planeten. Sie wird nur noch vom bevölkerungsreichsten Land der Welt, Indien, übertroffen, wo die Bürgerinnen und Bürger seit dem 19. April zu den Urnen gehen.
Im Vergleich zu 2019, als die EU-Wahlen eine Rekordbeteiligung verzeichneten, ist das Suchinteresse dieses Mal jedoch vergleichsweise geringer.
Rund 30 Prozent weniger Menschen suchten zwischen Januar und Mai 2024 nach den EU-Wahlen, so die Google-Daten.
Die Suchanfragen zur Briefwahl sind im Vergleich zu vor fünf Jahren zwar um 20 Prozent gestiegen, aber das Gesamtvolumen der „allgemeinen Wahlsuchen“ ist im Vergleich zum letzten Mal um 40 Prozent gesunken, so Google.
Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sich das geringere Suchinteresse in einer niedrigeren Wahlbeteiligung niederschlagen wird.
Eine französische Geschichte
Frankreich, wo der Wahlkampf in vollem Gange ist, führt die Suchcharts an, wenn es um einzelne Abgeordnete geht.
Von den fünf meistgesuchten Abgeordneten der letzten sieben Tage stammen vier aus Frankreich. Der fünfte Abgeordnete ist der skandalumwitterte AfD-Europaabgeordnete und -Spitzenkandidat Maximilian Krah.
Am häufigsten gesucht wurde Manon Aubry, die Abgeordnete der europäischen Linken, deren Partei ihre Ablehnung des Krieges im Gazastreifen zu einem zentralen Wahlkampfthema gemacht hat und die ihre Haltung gegenüber dem NATO-Militärbündnis abgemildert hat. Nach den Prognosen von Europe Elect stagniert die Partei jedoch in den Umfragen.
Ihr folgt der sozialdemokratische S&D-Abgeordnete Raphaël Glucksmann. Dieser ist der wichtigste Herausforderer von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach dem rechten Rassemblement National. Zuletzt wurde er bei einer Kundgebung zum 1. Mai in Saint-Etienne ausgebuht.
Aubry und Glucksmann kandidieren auf zwei verschiedenen Listen, da ihre Koalition in Frankreich am Rande des Zusammenbruchs steht.
An dritter Stelle steht die palästinensische Aktivistin Rima Hassan und an vierter Stelle der rechte Unruhestifter Jordan Bardella, der die Nachfolge von Marine Le Pen als Vorsitzender des Rassemblement National antreten soll.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic/Aurélie Pugnet/Kjeld Neubert]