EU-Umweltagentur: Luftverschmutzung für 350.000 Todesfälle jährlich verantwortlich
Die Belastung durch Feinstaub und andere Formen der Luftverschmutzung wird laut der Europäischen Umweltagentur mit etwa 350.000 Todesfällen pro Jahr in der EU in Verbindung gebracht. Trotz dieses alarmierenden Befunds bleibt die Umsetzung wirksamer Maßnahmen eine Herausforderung.
Die Belastung durch Feinstaub und andere Formen der Luftverschmutzung wird laut der Europäischen Umweltagentur mit etwa 350.000 Todesfällen pro Jahr in der EU in Verbindung gebracht. Trotz dieses alarmierenden Befunds bleibt die Umsetzung wirksamer Maßnahmen eine Herausforderung.
Die Richtlinie über die Luftqualität (Ambient Air Quality Directive, AAQD) trat am Montag (10. Dezember) in Kraft und legt rechtsverbindliche Konzentrationsgrenzwerte für wichtige Schadstoffe wie Feinstaub (PM10, PM2,5), Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid fest.
Die neuesten Daten aus dem jährlich veröffentlichten Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) über die Krankheitslast aus dem Jahr 2022 deuten jedoch darauf hin, dass die Europäer immer noch höheren Luftschadstoffkonzentrationen ausgesetzt sind, als in den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt. Viele Kritiker der Luftqualitätsrichtlinie sind daher skeptisch, ob sie streng genug ist.
„Es ist eine gute Nachricht für alle Bürger, dass wir seit heute [Montag] strengere EU-Luftqualitätsvorschriften haben. Dennoch sind immer noch zu viele Menschen in ganz Europa, insbesondere in Städten, von schlechter Luftqualität betroffen, was zu Krankheiten und vorzeitigen Todesfällen führt, die größtenteils vermeidbar wären“, sagte Leena Ylä-Mononen, Exekutivdirektorin der Europäischen Umweltagentur.
Sophie Perroud-Akerman von der Health and Environment Alliance (HEAL) gab Euractiv gegenüber ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die EU-Mitgliedstaaten „eine rasche und gesundheitsfördernde Umsetzung der Richtlinie sicherstellen werden“, die über die Mindestanforderungen der Luftqualitätsrichtlinie hinausgeht.
Stark betroffene EU-Staaten
Was die PM2,5-Werte betrifft, also feste Schadstoffpartikel mit einer Größe von 2,5 Mikrometern oder weniger, die Atemwegserkrankungen verursachen können, ist die Situation in Italien, Griechenland, Polen, Ungarn und den Balkanstaaten wie Bosnien-Herzegowina am schlimmsten.
Der Bericht stellt fest, dass Bewohner von Städten und städtischen Gebieten die Auswirkungen der Luftverschmutzung stärker spüren. Die gesundheitlichen Folgen reichen von chronischen Erkrankungen bis hin zu tödlichen Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Norwegen, Finnland, Schweden und Estland schnitten bei den Todesfällen im Zusammenhang mit PM2,5 relativ besser ab, obwohl ihre Kohlendioxidemissionen weltweit nach wie vor hoch sind.
Der Bericht deutet auf eine Verbesserung in den letzten zehn Jahren hin. Seit 2005 ist die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit PM2,5 um 45 Prozent gesunken. Damit rückt die EU ihrem Reduktionsziel von 55 Prozent für den Null-Schadstoff-Aktionsplan der EU für 2030 näher.
Laut der Europäischen Umweltagentur gab es 70.000 Todesfälle, die auf die Exposition gegenüber Ozon (O3) zurückzuführen sind.
Für NO2, das einen rotbraunen Smog erzeugt, der typischerweise in Großstädten auftritt, führte die Europäischen Umweltagentur 48.000 Todesfälle an. Diabetes hatte die größten Auswirkungen auf die Gesundheit, gefolgt von Schlaganfall und Asthma.
Große gesundheitliche Auswirkungen, unvollständiges Bild
Luftverschmutzung bleibt das größte umweltbedingte Gesundheitsrisiko für Europäer und verursacht ischämische Herzkrankheiten, Schlaganfälle, Lungenkrebs, Asthma und chronisch obstruktive Lungenerkrankungen – die sechs spezifischen Erkrankungen, die im Bericht der Europäischen Umweltagentur berücksichtigt werden.
Der Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) zeichnet jedoch ein etwas unvollständiges Bild. Kleinere Partikel wie Nanopartikel, die viel kleiner als PM2,5 sind, bleiben in den EUA-Berichten weiterhin unberücksichtigt.
Darüber hinaus misst der Bericht die Gesamtmortalität zusammen mit der Sterblichkeit im Zusammenhang mit den sechs spezifischen Erkrankungen. „Andere mögliche Krankheiten, bei denen der Zusammenhang mit der Luftverschmutzung derzeit nicht bekannt ist, werden nicht berücksichtigt“, heißt es jedoch weiter.
Zu den häufigsten Ursachen für vorzeitige Todesfälle im Zusammenhang mit Luftverschmutzung zählen Herz- und Atemwegserkrankungen. Andere tödliche Erkrankungen wie Brustkrebs werden mit der Belastung durch PM2,5 in Verbindung gebracht, wie die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (European Society for Medical Oncology, ESMO) berichtet.
[Bearbeitet von Owen Morgan/Kjeld Neubert]