EU übererfüllt Klimaziel für 2020 und verzeichnet 34 Prozent Emissionsrückgang
Die Europäische Union hat ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 34 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 gesenkt und damit ihr 20-Prozent-Ziel übererfüllt. Dies geht aus offiziellen Daten hervor, die am Mittwoch (31. Mai) an die UNFCCC übermittelt wurden.
Die Europäische Union hat ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 34 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 gesenkt und damit ihr 20-Prozent-Ziel übererfüllt. Dies geht aus offiziellen Daten hervor, die am Mittwoch (31. Mai) an die UNFCCC übermittelt wurden.
Die Europäische Umweltagentur (EUA) hat am Mittwoch offizielle Daten der EU an die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) übermittelt. Der 961-seitige Inventarbericht bestätigt vorläufige Daten, die darauf hindeuten, dass die Europäische Union ihr Klimaziel für das Jahr 2020 wohl ordentlich übertroffen hat.
Die EU hatte ihre Emissionen im Jahr 2019 bereits um 26 Prozent gesenkt und ihr Ziel von 20 Prozent erreicht, bevor sich die Corona-Pandemie auf die Emissionswerte auswirkte, so die EUA.
Die Emissionen fielen allein im Jahr 2020 um 11 Prozent, als die EU-Länder ihre Volkswirtschaften herunterfuhren, um den Ausbruch des Coronavirus einzudämmen, erklärte die EUA und räumte ein, dass die Corona-Sperren „einen erheblichen Einfluss auf die Reduzierung der Emissionen im Jahr 2020 hatten.“
Dennoch „bestätigen die Daten einen 30-jährigen Abwärtstrend, der dazu geführt hat, dass die EU ihr Ziel für 2020 erreicht hat, die Emissionen um 20 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 zu senken“, so die Agentur in einer Erklärung.
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In den vergangenen dreißig Jahren wurden die Emissionssenkungen in der EU vor allem durch den zunehmenden Einsatz erneuerbarer Energien und die Ersetzung von Kohle durch Gas bei der Stromerzeugung vorangetrieben.
Der Bericht zeigte, dass der Einsatz von Kohle einen noch nie dagewesenen Rückgang erlebte und im Jahr 2020 dreimal niedriger war als 1990.
Die EUA erklärte, dass der Rückgang des Heizverbrauch ebenfalls auf die im Durchschnitt wärmeren Winter in Europa zurückzuführen ist.
Doch obwohl die Fertigungsindustrien insgesamt einen Emissionsrückgang verzeichneten, gab es im Verkehrssektor und dem Kühlungs- und Kliamtisierungssektor einen steigenden Trend. Deren Emissionen stiegen um 53 beziehungsweise 80 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent anstiegen, so der Bericht.
Während es fast allen EU-Ländern gelang, ihre Emissionen zu reduzieren, ging der Rückgang hauptsächlich auf das Konto des Vereinigten Königreichs und Deutschlands, auf die 47 Prozent der gesamten Nettoreduktionen der letzten 30 Jahre entfielen, bemerkte die EUA.
Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU im Jahr 2020 und dem erneuten Anstieg der Emissionen nach der Corona-Pandemie könnten die Zahlen in zukünftigen Berichten nicht mehr so optimistisch ausfallen.
Laut den im letzten Jahr veröffentlichten EU-Daten sind die Emissionen im Frühjahr letzten Jahres um 18 Prozent gestiegen, während sich die Wirtschaft vom pandemiebedingten Stillstand erholte. Zudem wurde der Kohleausstieg Europas im Jahr 2021 durch steigende Gaspreise abgebremst, die die Umstellung von Kohle auf Gas verhinderten.
„Der Rückgang um 11 Prozent zwischen 2019 und 2020 ist aus Klimasicht eine gute Nachricht, aber wahrscheinlich hauptsächlich durch COVID und den damit verbundenen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Aktivität verursacht“, sagte Wijnand Stoefs von Carbon Market Watch, einer gemeinnützigen Gruppe.
„Wir gehen davon aus, dass sich die Zahlen für 2021 und 2022 wieder erholen werden – zum Beispiel sind die Emissionen im EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) bereits 2021 um 7,3 Prozent gestiegen“, so Stoefs, der sich auf den Kohlenstoffmarkt der EU, das Emissionshandelssystem, bezog.
„Wie die EUA deutlich gemacht hat, besteht ein ernsthaftes Risiko eines erneuten Emissionsanstiegs“, fügte Camille Maury vom Europabüro des WWF hinzu. Und die laufende Reform des EU-Kohlenstoffmarktes „ist nicht auf dem richtigen Weg, um unsere Klimaneutralitätsziele zu erreichen“, sagte sie in einem E-Mail-Kommentar an EURACTIV.
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Insgesamt zeigten sich die Umweltgruppen von der Erfolgsbilanz der EU nicht beeindruckt und erklärten, die Messlatte für 2020 sei viel zu niedrig angesetzt worden.
„Die Ziele für 2020 waren einfach nicht ehrgeizig genug und wurden daher ohne wirkliche Anstrengungen erreicht“, sagte Stoefs. „Die Lehre hier daraus lautet: Wir brauchen ehrgeizigere Ziele, auch für 2030.“
„Ein zu niedriges Klimaziel aufgrund einer vorübergehenden wirtschaftlichen Abschwächung zu erreichen, ist kein Grund zum Feiern. Ziele anzustreben oder zu erreichen, die niedriger ausfallen als der Beitrag der EU zur Begrenzung der Erderwärmung auf weniger als 1,5 Grad, ist eine Abkehr [derer] Verantwortung“, sagte Silvia Pastorelli, EU-Klimabeauftragte von Greenpeace.
Im Rahmen des im letzten Jahr verabschiedeten EU-Klimagesetzes strebt die Union eine 55-prozentige Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2030 an. Langfristiges Ziel der EU ist es, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
[Bearbeitet von Alice Taylor]