EU treibt Quantencomputernetzwerk voran

Das Gemeinsame Unternehmen für europäisches Hochleistungsrechnen gab am Dienstag (4. Oktober) seine Wahl für die künftigen sechs Standorte der "ersten europäischen Quantencomputer." Sie sollen in der Tschechischen Republik, Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und Polen angesiedelt werden. 

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"Mit gebündelten Ressourcen und gebündeltem Know-how können wir eine Führungsrolle in einem Bereich übernehmen, der für die Zukunft unserer digitalen Gesellschaft von entscheidender Bedeutung ist", sagte Margrethe Vestager am Dienstag (4. Oktober), Vizepräsidentin der Kommission und zuständig für die Umsetzung der Priorität der EU "Ein Europa für das digitale Zeitalter." [Bartlomiej K. Wroblewski/Shutterstock]

Das Gemeinsame Unternehmen für europäisches Hochleistungsrechnen gab am Dienstag (4. Oktober) seine Wahl für die künftigen sechs Standorte der „ersten europäischen Quantencomputer“ bekannt. Diese sollen in der Tschechischen Republik, Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und Polen angesiedelt werden.

Akademische Forscher:innen und die Industrie in ganz Europa werden Zugang zu diesen Computern bekommen, die komplexe Probleme in den Bereichen Gesundheit, Klimawandel oder Logistik mit einem Bruchteil der Ressourcen lösen sollen, die herkömmliche Computer benötigen.

Die Technologie wird in bestehende Supercomputer integriert und Bestandteil eines breiten Netzwerks in der EU sein. Die neuen Quantencomputer sollen ab Ende 2023 verfügbar sein.

„Mit gebündelten Ressourcen und gebündeltem Know-how können wir eine Führungsrolle in einem Bereich übernehmen, der für die Zukunft unserer digitalen Gesellschaft von entscheidender Bedeutung ist“, sagte Margrethe Vestager am Dienstag (4. Oktober), Vizepräsidentin der Kommission und zuständig für die Umsetzung von „Ein Europa für das digitale Zeitalter.

Der Kommission zufolge „sind diese neuen Quantencomputer ein Schritt, der uns hilft, unsere Ziele für das digitale Jahrzehnt zu erreichen, nämlich bis 2025 den ersten Computer mit Quantenbeschleunigung zu haben und bis 2030 an der vordersten Front der Quantenfähigkeiten zu stehen.“

Die geplanten Investitionen belaufen sich auf über 100 Millionen Euro, wobei die Hälfte von der Europäischen Union und die andere Hälfte von den 17 Ländern, die am Gemeinsamen Unternehmen für europäisches Hochleistungsrechnen (GU EuroHPC) beteiligt sind, investiert werden soll.

Einige halten diese Pläne jedoch für äußerst ehrgeizig. „Ich bin mir nicht sicher, wie realistisch es ist, im Jahr 2023 über signifikante Quantenkapazitäten im europäischen Supercomputing-Netzwerk zu verfügen“, sagte Andrea Garcia Rodriguez, leitende Analystin beim European Policy Centre, gegenüber EURACTIV.

Außerdem, so Rodriguez, könnten die zugesagten 100 Millionen Euro nur dann ein großer Anstoß für die Entwicklung zusätzlicher Kapazitäten sein, wenn bestehende nationale Quanteninitiativen diese Investitionen unterstützten. Dies sei in den meisten ausgewählten Ländern der Fall, „allerdings mit großen Unterschieden.“

So hat Deutschland beispielsweise 2 Milliarden Euro für die Quantenforschung bereitgestellt, während Spanien 60 Millionen Euro angekündigt hat.

Das GU EuroHPC wurde 2018 gegründet, um die Anstrengungen und Ressourcen der europäischen Länder zu koordinieren und Europa zu einem weltweit führenden Akteur im Supercomputing zu machen. Der Rat hatte 2021 die Verordnung zur Gründung des GU EuroHPC verabschiedet, wodurch zusätzliche Investitionen in Höhe von 7 Milliarden Euro bereitgestellt wurden.

Die Bekanntgabe dieser neuen Quantencomputer ist Teil einer größeren Anstrengung, die Quantentechnologie in die europäische Supercomputing-Infrastruktur zu integrieren. Die Kommission plant außerdem die Einrichtung von Exzellenzzentren für Wissenschaft und Industrie in akademischen und industriellen Anwendungsbereichen.

Die sechs Standorte wurden im Anschluss an eine Aufforderung zur Interessenbekundung für die Aufnahme und den Betrieb von europäischen Quantencomputern ausgewählt, die in den HPC-Supercomputer integriert sind, der im März 2022 gestartet wurde.

[Bearbeitet von Luca Bertuzzi und Alice Taylor]