EU-Studie: Kinder im Internet unzureichend geschützt

Kinder werden weder von ihren Eltern noch von angebotener Software ausreichend vor Gefahren im Internet geschützt. Eine von der EU finanzierte Studie hat ergeben, dass nur ein Viertel der Eltern Kontrollsoftware verwendet. Einer weiteren Studie zufolge sind nur wenige Programme in der Lage, Web 2.0-Inhalte zu filtern.

Einer von der EU-Kommission vorgestellten Studie zufolge ist nur wenig Software in der Lage, Web 2.0-Inhalte zu filtern. Foto: dpa
Etwa Dreiviertel der Hassreden dürfen zurzeit im Internet ungestraft veröffentlicht bleiben

Kinder werden weder von ihren Eltern noch von angebotener Software ausreichend vor Gefahren im Internet geschützt. Eine von der EU finanzierte Studie hat ergeben, dass nur ein Viertel der Eltern Kontrollsoftware verwendet. Einer weiteren Studie zufolge sind nur wenige Programme in der Lage, Web 2.0-Inhalte zu filtern.

Die EU-Kommission hat heute eine Studie vorgestellt, wonach 84 Prozent der getesteten Programme es Eltern ermöglichen, bestimmte Webseiten zu blockieren. Die Wirksamkeit bei der Filterung so genannter Web-2.0-Inhalte (soziale Netze, Blogs) ist dagegen deutlich geringer.

Außerdem seien nur wenige Produkte in der Lage, Webinhalte zu filtern, die mit Mobiltelefonen oder Spielkonsolen abgerufen werden, obwohl in Europa jedes vierte Kind mit solchen Geräten online ist.

In der Studie "SIP-Bench II" werden 26 Programme zur elterlichen Kontrolle für PCs, drei Programme für Spielkonsolen und zwei Programme für Mobiltelefone analysiert. Es wurde festgestellt, dass die vorhandene Software beim Filtern von nur für Erwachsene bestimmten Inhalten recht gut abschneidet.

Dennoch bestehe eine mindestens 20-prozentige Chance, dass Websites, die für Kinder ungeeignetes Material enthalten oder gerade junge Leute zu für sie schädlichen Verhaltensweisen verleiten (Angebote, die Anorexie, Selbstmord oder Selbstverstümmelung fördern), zugänglich bleiben. Gleichzeitig würden andere Sites mit besonders kindgerechten Inhalten blockiert.

Die meisten Programme zur elterlichen Kontrolle gibt es in englischer Sprache, wogegen die Auswahl an Software in anderen Sprachen eng begrenzt ist.

Nur ein Viertel der Eltern verwendet Programme zur elterlichen Kontrolle

Die heute veröffentlichte "EUKidsOnline"-Studie macht zudem deutlich, dass nur etwa ein Viertel der Eltern Webangebote blockiert oder filtert (28 Prozent) oder aber verfolgt, welche Websites ihre Kinder besuchen (24 Prozent). Es bestehen jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten, die von 54 Prozent im Vereinigten Königreich bis zu 9 Prozent in Rumänien reichen.

Neben dem Einsatz von Software erklärten 70 Prozent der befragten Eltern, dass sie mit ihren Kindern über deren Aktivitäten im Internet sprechen. 58 Prozent der Eltern gaben an, dass sie sich in der Nähe befinden, wenn ihre Kinder das Internet nutzen. Über die Hälfte der Eltern wird von sich aus aktiv und berät ihre Kinder bezüglich des Online-Verhaltens gegenüber anderen (56 Prozent) oder spricht Dinge an, die ihre Kinder beunruhigen könnten (52 Prozent).

Im Rahmen des EU-Programms "Sicheres Internet" wird die Kommission bis Ende 2012 alle sechs Monate eine Überprüfung der Software zur elterlichen Kontrolle finanzieren und die erreichten Fortschritte beobachten.

Hintergrund

Das Projekt "Benchmarking of parental control tools for the online protection of children" (Leistungsvergleich von Werkzeugen zur elterlichen Kontrolle für den Online-Schutz der Kinder) wird seit 2006 vom EU-Programm "Sicheres Internet" finanziert. Getestet wurden die betreffenden Programme zwischen September und Oktober 2010 anhand von Vorgaben für zwei Altersgruppen: Kinder bis 10 Jahre und Kinder ab 11 Jahren in den Sprachen Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Polnisch und Spanisch. Geprüft wurden dabei 4 Kriterien:

– Funktionsumfang: Ist das Programm mit den Betriebssystemen kompatibel (z. B Windows, Linux, Mac OS)? Kann es Webinhalte nach Schlüsselwörtern, Themen oder URLs filtern? Kann es den Zugang zu Internet, E-Mail, Chats und Sofortnachrichten blockieren oder überwachen?

– Sicherheit: Kann das Programm von technisch versierten Jugendlichen leicht abgeschaltet oder umgangen werden?

– Wirksamkeit: Kann das Programm Websites mit für Kinder ungeeignetem Material vollständig blockieren oder sind solche Seiten weiterhin zugänglich? Werden auch kindgerechte Inhalte blockiert? Ist das Programm in Sprachen verfügbar, die die Nutzer beherrschen? Kann es Blogs, Foren und Sites der sozialen Netze angemessen filtern?

– Benutzerfreundlichkeit: Können sowohl Anfänger als auch erfahrene Nutzer das Programm in ihrem Computer installieren? Ist die Installation zu kompliziert? Können Eltern und Kinder leicht erkennen, dass eine Website blockiert wurde?

Bei der Erhebung "EUKidsOnline" wurden zwischen April und August 2010 über 25 000 Kinder und jeweils ein Elternteil in 25 Ländern befragt. Die Erhebung ist Teil des Projekts "EUKidsOnline II", das aus dem Programm "Sicheres Internet” finanziert und durch die London School of Economics and Political Science koordiniert wird. Erste Ergebnisse wurden im Oktober 2010 vorgestellt.

dto

Links

Dokumente

EU-Kommission: Bericht des Programms "Sicheres Internet" über "Benchmarking of parental control tools for the online protection of children"

EU-Kommission: Umfrage beleuchtet Stärken und Schwächen von Programmen zur elterlichen Kontrolle (13. Januar 2011)