EU strebt nach Öl und Gas aus dem Irak

Die EU hat heute eine Absichtserklärung für eine "strategische Energiepartnerschaft" mit dem Irak unterzeichnet. Die EU hofft auf Lieferzusagen für ihre Erdöl- und Erdgasleitungen des südlichen Korridors.

Neue Ölfelder im Irak: Al-Halfaya Raffinerie in Amara. Foto: dpa
Neue Ölfelder im Irak: Al-Halfaya Raffinerie in Amara. Foto: dpa

Die EU hat heute eine Absichtserklärung für eine „strategische Energiepartnerschaft“ mit dem Irak unterzeichnet. Die EU hofft auf Lieferzusagen für ihre Erdöl- und Erdgasleitungen des südlichen Korridors.

Die EU will sich den Irak als Erdgaslieferant für ihr Nabucco-Projekt und andere Pipelines des südlichen Korridors sichern. Auch blickt die EU mit großem Interesse auf die drittgrößten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt, die sich im Irak befinden.

Die EU hat daher heute heute in Bagdad mit dem Irak eine Absichtserklärung für eine "strategische Energiepartnerschaft" unterzeichnet. Damit sollen "die politischen Rahmenbedingungen zur Stärkung der Beziehungen zwischen Irak und der EU im Energiebereich" geschaffen werden, teilte die Kommission heute in einer Presseerklärung mit.

Laut der Absichtserklärung wird die EU im Gegenzug im Irak Projekte für erneuerbare Energien, für eine verbesserte Energieeffizienz und für sichere Pipelines finanzieren.

Irak und Iran als Lieferanten für Nabucco

Die EU strebt seit längerem danach, neue Erdgas- und Erdöllieferanten zu gewinnen, um die geplanten neuen Pipelines des südlichen Korridors versorgen zu können. Ein Presigeprojekt ist dabei die Erdgasleitung Nabucco.

Der designierte EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) hatte bei seiner Anhörung vor dem EU-Parlament betont, dass die Milliarden-Investitionen in Nabucco nur dann sinnvoll seien, wenn die Einspeisung des Gases in die Leitungen durch "wasserdichte" Verträge mit den Lieferstaaten langfristig garantiert sei. (siehe EURACTIV.de vom 14. Januar 2010)

Die Lieferzusagen des Irak wären dafür ebenso wichtig wie Zusagen aus dem kaspischen Raum. Positive Signale gibt es bereits aus Turkmenistan (siehe EURACTIV.e vom 8. Januar 2010) Ohne Lieferzusagen aus dem Iran, mache Nabucco aber keinen Sinn, meint Vaclav Bartuska, Sonderbotschafter für Energiesicherheit der tschechischen Regierung. Er bekräftigte das vor wenigen Tagen auf einer Podiumsveranstaltung in Berlin. (siehe EURACTIV.de vom 13. Januar 2010)

Ziel: Diversifizierung der Energieimporte

Die heute unterzeichnete Absichserklärung ist ein weiterer Baustein der Diversifizierungsstrategie der EU. Die EU strebt dabei an, die Energieimporte in die Union aus möglichst verschiedenen Quellen zu speisen und über verschiedene Leitungen in die Union zu führen. Anstatt sich wie bisher einseitig auf die Lieferungen aus Russland zu verlassen, versucht die EU seit einigen Jahren, strategische Beziehungen im Energiebereich im Nahen Osten und in Nordafrika zu knüpfen.

Michael Kaczmarek

Dokumente / Download / Links

Kommission: EU und Irak unterzeichnen Absichtserklärung für eine strategische Energiepartnerschaft (18. Januar 2010)