EU richtet Hotline für 'klare Schreibweise' ein [DE]
Die Europäische Kommission versucht übermäßige Behördensprache durch Einrichtung einer Hotline zu vermeiden, die den Beamten Vorschläge für eine klarere Schreibweise gibt. Dies trat gestern (17. November) auf einer Konferenz zum Vorschein.
Die Europäische Kommission versucht übermäßige Behördensprache durch Einrichtung einer Hotline zu vermeiden, die den Beamten Vorschläge für eine klarere Schreibweise gibt. Dies trat gestern (17. November) auf einer Konferenz zum Vorschein.
Die Kommission bereitet zurzeit für ihre Mitarbeiter eine Anleitung zum klaren Schreiben vor, die in allen 23 Amtssprachen der EU übersetzt werden soll. Dies teilte Paul Strickland, Redaktionsleiter bei der Übersetzungsabteilung der Europäischen Kommission, beim ‚Clear Writing and Better Regulation’ Forum in Brüssel mit.
Die Anleitung wird von einer Hotline ergänzt, die sprachliche Hilfestellungen geben soll.
Kommunikation über EU eine ‚gewaltige Aufgabe’
Die genaue und verständliche Kommunikation der EU-Politik gegenüber europäischen Bürgern sei angesichts der Vielzahl von beteiligten Kulturen und Sprachen eine „gewaltige Aufgabe”, so der Kommissar für Mehrsprachigkeit Leonard Orban auf der Konferenz.
Er fügte hinzu, dass solche Schwierigkeiten von der „Vielfalt und Komplexität” der meisten EU-Politikfragen verstärkt würden.
„Der Absender der Botschaft muss oft technisch und rechtlich komplexe Informationen vermitteln”, sagte Orban und erklärte, dass „die Gesetzgebung in der EU auf Worten basiert, die aus unterschiedlichen Rechtstraditionen und Sprachen stammen, sodass es kaum verwunderlich ist, dass die daraus hervorgehende Gesetzgebung sich nicht auf eine bestimmte Sprache bezieht.”
Die Klarheit von EU-Richtlinien sei oft durch die Tatsache erschwert, dass sie von Beamten in ihrer zweiten oder dritten Sprache entworfen und überarbeitet würden und nationale Ministerien diese dann ändern würden.
„Gesetzesakte sollten per Definition klar, präzise und vor Ort leicht verständlich sein. Sonst wird die EU eine Ansammlung von Worten statt von Ergebnissen sein”, warnte er.
„Es geht dabei nicht um Grammatik oder Syntax”, fügte die Generalsekretärin der Europäischen Kommission Catherine Day hinzu, „sondern es geht darum, wie wir die aufregenden Dinge, die wir tun, allen Bürgern der EU vermitteln.”
Schwieriges rechtliches Umfeld
Eleanor Sharpston, Generalanwältin beim Europäischen Gerichtshof, warnte, dass „das Umfeld der EU-Rechtsprechung in Bezug auf die Produktion einer klaren Sprache nicht viel versprechend aussieht.”
„Es gibt eine zunehmende Auffassung innerhalb und außerhalb des Gerichts, dass nur die Geschwindigkeit zählt. In schwierigen Fällen kann Geschwindigkeit zu Lasten der Qualität gehen. Um sicherzustellen, dass Urteile klar, verständlich und prägnant erklärt werden, benötigt man Zeit“, sagte sie.
Sharpston warf EU-Beamten vor, beim Entwurf von Dokumenten „falsche Annahmen darüber zu treffen, was [für den Leser] offensichtlich ist.“ Außerdem sei nicht jedem klar, dass seine Schriftstücke übersetzt würden.
Die Generalanwältin empfahl Mitgliedstaaten beim Entwerfen von Gesetzen genau zu sagen, was sie meinen, „weil sie sich fürchterlich darüber aufregen, wenn der Europäische Gerichtshof dies für sie tut.”
Jedoch warnte Strickland von der Kommission, dass „die Notwendigkeit von politischen Kompromissen und die Verpflichtung von Kommissionsbeamten in einer Sprache zu schreiben, die nicht ihre Muttersprache ist, nicht zu den höchsten Standards beiträgt.”
Anne-Marie Hasselrot, stellvertretende Direktorin beim schwedischen Justizministerium, stimmte dem zu. „Es ist in jedermanns Interesse, dass die Sprache so gut wie irgend möglich ist, aber es steht bei den Arbeitsgruppen des Rates nicht immer im Vordergrund“, sagte sie.