EU-Projektbonds: Fitch wirft Zweifel auf Rating
EU-Pläne zur Schaffung eines Marktes für Projektbonds, der die Zwei-Billionen-Euro-Investitionen decken soll, die bis zum Ende des Jahrzehnts für die Verbesserung der Infrastruktur der Union nötig sind, schätzt die Rating-Agentur Fitch positiv ein. Doch ist es unwahrscheinlich, dass sie ein Top-Rating erlangen.
EU-Pläne zur Schaffung eines Marktes für Projektbonds, der die Zwei-Billionen-Euro-Investitionen decken soll, die bis zum Ende des Jahrzehnts für die Verbesserung der Infrastruktur der Union nötig sind, schätzt die Rating-Agentur Fitch positiv ein. Doch ist es unwahrscheinlich, dass sie ein Top-Rating erlangen.
Die Stellungnahme von Fitch erfolgte vor dem Hintergrund einer öffentlichen Konsultation über EU-Projektbonds, die sich ihrem Ende nähert. Sie soll am 2. Mai auslaufen.
Projektbonds sind als Schlüsselpriorität der EU für die kommenden Jahre identifiziert worden. Sie sollen den negativen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Kreditmärkte entgegenwirken.
Der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, hat die Idee in seiner ersten Rede zur Lage der Union zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im September 2010 öffentlich gemacht. Später wiederholte er seine Unterstützung für diese Initiative.
Der Plan um die Projektbonds zielt auf mehr Engagement privater Investoren bei großen europäischen Infrastrukturprojekten wie Bahnen, Pipelines oder Breitbandanschlüssen ab. Vorläufige Schätzungen weisen auf bis zu zwei Billionen Euro hin, die bis 2020 benötigt werden.
Die Europäische Union soll einen Teil dieser Projekte finanzieren oder bürgen, sodass das Ausfallrisiko reduziert wird. Die Europäische Investitionsbank (EIB) soll in dem Prozess eine entscheidende Rolle spielen.
Um private Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherungskonzerne anzulocken, war das von Brüssel festgelegte Kreditziel für EU-Projektbonds ein „A“. Idealerweise sollte das Rating ein „A“ erreichen oder höher ausfallen, damit die Schulden durch Projektbonds finanziert werden können, heißt es in einem Kommissionsdokument zur öffentlichen Konsultation.
Obwohl Fitch auf die EU-Initiative positiv reagierte, brachte es Zweifel über das Rating der Projektbonds zum Ausdruck. Ob solche Leistungen ein Kredit-Rating in der A-Kategorie rechtfertigen würden oder nicht, sei zu diesem Zeitpunkt schwierig einzuschätzen, sagte Olivier Delfour, bei Fitch weltweit zuständig für Infrastruktur- und Projektfinanzierungs-Rating.
In der Tat stuft die Rating-Agentur europäische Infrastrukturprojekte üblicherweise nicht in der höchsten Kategorie ein. Fitch schätzt die meisten EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika)-Infrastrukturmaßnahmen in der BBB-Kategorie ein, heißt es in einem Sonderbericht, den die Rating-Agentur gestern (27. April) als Antwort auf die öffentliche Konsultation der Kommission veröffentlichte.
Die Kommission werde ihre Pläne fortführen, kommentierte ein EU-Vertreter nach der Ankündigung von Fitch. Ein umfassender Vorschlag über Projektbonds wird für Juni erwartet, wenn die Kommission auch ihr langfristiges Budget veröffentlichen wird. Dieses wird einen ersten Hinweis auf die finanziellen Ressourcen bieten, die der Union in den kommenden Jahren zur Verfügung stehen werden.
Der Joker des Planes
Fitch ist nicht die einzige kritische Stimme in der Debatte über Projektbonds.
Zu diesem Zeitpunkt, wenn die Entscheidungen des Parlaments von allgemeinpolitischer Natur vor speziellen Detailvorschlägen seien, gebe es sicher einige Kreise, die eine breitere Anwendung der Projektbonds wünschten, mit einem größeren dafür bestimmten Anteil des EU-Haushalts. Das sei leichter gesagt als getan, kommentierte Sharon Bowles, Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Europäischen Parlament.
Bowles kritisierte die allgemeine Auswirkung der Reform der Finanzregelungen durch die EU und ihren angeblichen Fokus auf die Schaffung von Kapitalpuffern. Mögliche Investoren würden sich fragen, welches Kreditrisiko den Anleihen zugeordnet wird und wie sie sich auf die aufsichtsrechtlichen Regelungen auswirken werden, sagte sie.
Über den Kommissionsplan kommentierte sie weiter, dass der Bezug auf Ratings und insbesondere auf ein „A“ ein weiteres negatives Element zu sein schien. Gerade als Bemühungen gemacht würden, um sich auf Ratings weniger zu verlassen, kämen diese vielleicht woanders wieder.
Es muss noch gesehen werden, welche Auswirkung die Projektbonds auf die öffentlichen Budgets haben werden. Die Kommission bezieht sich oft auf die Initiative als schuldenfrei, da man die Investitionen wiederbekomme, wenn die Projekte in Betrieb genommen werden und sie Einnahmen erwirtschaften.
Doch wenn die Pläne scheitern, würden die EIB-Gelder verloren und die Auswirkung auf die öffentlichen Haushalte bestimmt wahrgenommen werden, da die EIB durch die Mitgliedsstaaten finanziert wird.