EU-Pflicht für sparsame Wasserhähne?

Will die EU-Kommission Hausbesitzer und Vermieter dazu verpflichten, Duschköpfe, Toilettenkästen und Wasserhähne zu ersetzen, um den Wasserdurchfluss zu verringern? EU-Umweltkommissar Janez Potocnik weist deutsche Medienberichte zurück.

Plant EU-Umweltkommissar Janez Potocnik, den Wasserverbrauch in der EU zu reduzieren? Foto: EC
Plant EU-Umweltkommissar Janez Potocnik, den Wasserverbrauch in der EU zu reduzieren? Foto: EC

Will die EU-Kommission Hausbesitzer und Vermieter dazu verpflichten, Duschköpfe, Toilettenkästen und Wasserhähne zu ersetzen, um den Wasserdurchfluss zu verringern? EU-Umweltkommissar Janez Potocnik weist deutsche Medienberichte zurück.

EU-Umweltkommissar Janez Potocnik plant der Tageszeitung "Die Welt" zufolge, mit einer neuen Richtlinie zur Gebäudeeffizienz die Wasserknappheit in Südeuropa zu bekämpfen. Dort leidet vor allem die Landwirtschaft seit Jahren unter anhaltenden Dürreperioden wegen geringer Regenfälle.

Auf Grundeigentümer und Mieter könnten nun in den nächsten Jahren milliardenschwere Belastungen zukommen. Nach Informationen der "Welt" überlegt die EU-Kommission, Hausbesitzer und Vermieter zu verpflichten, Duschköpfe, Toilettenkästen und Wasserhähne durch solche zu ersetzen, die einen deutlich geringeren Wasserdurchfluss haben.

Potocnik wies den Bericht der Welt am Mittwoch zurück und erklärte, dass die Kommission "derzeit keine Pläne hat, sparsame Wasserhähne in irgendeinem Mitgliedsland vorzuschreiben." Die Kommission plane außerdem nicht, private Haushalte zu verpflichten, den Wasserverbrauch zu reduzieren.

Derzeit würden mehrere Optionen zur Gebäudeffizienz in Bezug auf Wasser geprüft. Es habe aber in diesem Bereich keine neuen Entscheidungen gegeben, noch stünden welche aus, so Potocnik. Hauptziel der EU-Wasserpolitik sei es sicherzustellen, dass Wasser von guter Qualität in der gesamten EU in ausreichenden Mengen vorhanden ist. Zum Thema Wasserknappheit werden dem Umweltkommissar zufolge derzeit eine Reihe von Studien durchgeführt.

Zehn Milliarden Euro in Deutschland

Die Kosten der vermeintlichen Kommissionspläne würden sich Schätzungen zufolge auf etwa 400 Euro pro Wohneinheit belaufen. Bei mehr als 25 Millionen Eigenheimen und Wohnungen in Deutschland summieren sich die Kosten in Deutschland so auf insgesamt mehr als zehn Milliarden Euro.

Nach dem derzeitigen Planungsstand wolle die EU-Kommission die Richtlinie spätestens nächstes Jahr veröffentlichen, heißt es im Zeitungsbericht. Werden die Pläne der EU-Kommission vom EU-Parlament verabschiedet, müsste der Wasserverbrauch in Deutschland in den kommenden Jahren auf 85,4 Liter pro Kopf und Tag reduziert werden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Pro-Kopf-Verbrauch 2007 bei 122 Liter pro Tag.

Experten zweifeln am EU-Konzept

Experten bezweifeln jedoch, dass sich der tatsächliche Wasserverbrauch durch solche Maßnahmen reduzieren ließe. Gerold Happ, Umweltreferent beim Eigentümerverband Haus & Grund, sieht die Gefahr, dass zur Reinigung zwei- oder dreimal auf den Spülknopf der Toilette gedrückt wird, sollte der Durchfluss zu sehr verringert werden.

"Zum anderen würden sich bei einer weiteren Verringerung des Frischwasserverbrauchs die Probleme in den Entsorgungsleitungen noch mehr verschärfen", erklärte Happ der "Welt". Die Bundesregierung habe nun nicht mehr viel Zeit, die Planung zu beeinflussen. "Im Interesse von Grundeigentümern und Mietern sollte Berlin rasch handeln", so der Umweltreferent.

Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser und Abwasser beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BdEW), erklärte zudem, dass in Deutschland inzwischen zu wenig Frischwasser verbraucht wird: "Von den jährlich verfügbaren 188 Milliarden Kubikmetern Wasser werden in Deutschland nur 2,7 Prozent durch die öffentliche Wasserversorgung verbraucht." Um Geruchsbelästigungen und Leitungsschäden durch Ablagerungen zu verhindern, seien die Versorgungsunternehmen vielerorts bereits gezwungen, die Abwasser- und Kanalisationsleitungen mit Frischwasser zu spülen.

dto

Links

Presse

Welt: EU plant teure Pflicht für sparsamere Wasserhähne (26. April 2011)

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Rohstoffstrategie: Ärger über neue Verschiebung (26. Januar 2011)

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