EU-Parlament: Kommission soll Steuerabkommen prüfen

Nicht nur der Bundesrat droht das Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz zu kippen. Auch die EU-Kommission könnte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble noch stoppen. Das EU-Parlament verlangt eine Prüfung, ob der Deal gegen EU-Recht verstößt.

Verstößt der neue Steuer-Deal zwischen der Schweiz und Deutschland gegen EU-Recht? Im Bild: 	Schweizer Berge im Herbst. Foto: Martin Genter  / pixelio.de.
Verstößt der neue Steuer-Deal zwischen der Schweiz und Deutschland gegen EU-Recht? Im Bild: Schweizer Berge im Herbst. Foto: Martin Genter / pixelio.de.

Nicht nur der Bundesrat droht das Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz zu kippen. Auch die EU-Kommission könnte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble noch stoppen. Das EU-Parlament verlangt eine Prüfung, ob der Deal gegen EU-Recht verstößt.

Der Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen im Europaparlament (ECON) hat am Mittwoch die EU-Kommission fraktionsübergreifend Initiates file downloadaufgefordert, die Rechtmäßigkeit des geplanten Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und der Schweiz kritisch zu untersuchen und gegebenenfalls Schritte einzuleiten, um einen EU-Rechtsbruch frühzeitig abzuwenden.

"Abgeltungssteuer dürfte gegen Europäisches Recht verstoßen"

Am 21. September haben Deutschland und die Schweiz das neue Abkommen unterzeichnet, der Bundesrat hat allerdings Widerstand angekündigt (EURACTIV.de vom 23. September 2011). Der bilaterale Vertrag sieht eine anonymisierte Abgeltungssteuer auf Einkommen deutscher Steuerzahler aus Zins- und Kapitaleinkünften von 26,375 Prozent vor, die Schweizer Banken künftig an den deutschen Fiskus abführen sollen. Die EU-Zinsrichtlinie schreibt allerdings eine Abgeltungssteuer von 35 Prozent für die Zinseinkünfte deutscher und europäischer Steuerzahler auf Schweizer Konten vor. Das Netzwerk Steuergerechtigkeit (Tax Justice Network / TJN) warf in einer ersten Analyse (22. September 2011) des deutsch-schweizerischen Vertragstextes bereits die Frage auf, ob das Abkommen mit EU-Recht vereinbar ist. "Die Abgeltungssteuer dürfte gegen Europäisches Recht verstoßen", kommentierte das TJN.

Grüne: "Widerstand aus Brüssel"


Sven Giegold
, finanz- und wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen im EU-Parlament, kommentierte am Mittwoch: "Der mit der Schweiz unterzeichnete Vertrag blockiert wichtige Fortschritte in der europäischen Zusammenarbeit in Steuerangelegenheiten und für den automatischen Informationsaustausch." Während die EU-Kommission daran arbeite, einen Schritt nach vorne zu machen und die Schweiz in den automatischen Informationsaustausch einzubinden, falle Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ihren Bemühungen in den Rücken. "Neben der Drohung des Bundesrats das Abkommen nicht zu ratifizieren, wenn es keine substantiellen Nachbesserungen gibt, muss die Bundesregierung sich jetzt auch auf Widerstand aus Brüssel gefasst machen", so Giegold.

awr

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Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

"Steuerabkommen mit Schweiz bestätigt schlimmste Befürchtungen" (23. September 2011)

EU-Parlament: Initiates file downloadAnfrage des Ausschusses für Wirtschaft und Finanzen im Europaparlament (ECON) an die EU-Kommission zur Rechtmäßigkeit des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und der Schweiz (5. Oktober 2011)

BMF: Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweizerischen Eidgenossenschaft über Zusammenarbeit in den Bereichen Steuern und Finanzmarkt (21. September 2011)

TJN: "Für eine Handvoll Euro und Daten – Deutschland kapituliert vor dem Schweizer Bankgeheimnis". Erste Analyse des "Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland über Zusammenarbeit in den Bereichen Steuern und Finanzmarkt" (22. September 2011)

TJN: Internetseite