EU nähert sich Pelzverbot nach vernichtendem Bericht

Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) sieht im aktuellen Haltungssystem für Nerze, Füchse, Marderhunde und Chinchillas kaum Verbesserungsmöglichkeiten – und ebnet damit den Weg für EU-weite Einschränkungen der Pelztierhaltung.

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[Leber/ullstein bild via Getty Images]

Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) sieht im aktuellen Haltungssystem für Nerze, Füchse, Marderhunde und Chinchillas kaum Verbesserungsmöglichkeiten – und ebnet damit den Weg für EU-weite Einschränkungen der Pelztierhaltung.

In einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht stellt die EFSA fest, dass das derzeitige Käfighaltungssystem es nahezu unmöglich macht, die körperlichen und verhaltensbedingten Bedürfnisse der Tiere zu erfüllen. „Weder Prävention noch substanzielle Minderung der identifizierten [Tierschutzprobleme] sind im aktuellen System möglich“, heißt es in dem Bericht.

Zu den gehaltenen Arten zählen der Amerikanische Nerz, Rot- und Polarfüchse, Marderhunde sowie Chinchillas.

Bereits 2022 hatten 1,5 Millionen Bürger im Rahmen der Initiative „Fur Free Europe“ die EU-Kommission aufgefordert, die Pelztierhaltung zu verbieten. In der Folge beauftragte die Kommission die EFSA mit einer Bewertung der Haltungsbedingungen – Grundlage für den nun vorliegenden Bericht.

Die Praxis der Pelztierhaltung befindet sich europaweit bereits im Rückzug und ist in mehr als der Hälfte der EU-Mitgliedstaaten verboten. Dennoch wird in einigen Ländern, darunter Finnland und Polen, weiterhin produziert.

Die EU-Kommission will bis spätestens März 2026 auf den Bericht reagieren, hat jedoch bereits einen wichtigen Schritt in Richtung eines Verbots unternommen.

Erst vergangene Woche stufte die Kommission den Amerikanischen Nerz – ursprünglich für die Pelzproduktion nach Europa eingeführt – als invasive Art ein. Damit sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, Zucht und Handel mit der Art zu untersagen.

Mark Oaten, Geschäftsführer der International Fur Federation, erklärte gegenüber Euractiv, dass seine Organisation einigen Aussagen des EFSA-Berichts widerspreche. Es seien „weitere Untersuchungen zu bestimmten Tierschutzaspekten nötig“.

„Tierschutz hat für die gesamte Pelzbranche höchste Priorität, und ich bin überzeugt, dass wir bereits die höchsten Standards anwenden“, so Oaten weiter.

Mögliche Schlupflöcher

Tierschutzorganisationen zeigen sich hingegen wenig überrascht über die Ergebnisse der EFSA.

Reineke Hameleers, Geschäftsführerin der Eurogroup for Animals, sagte, dass die Käfighaltung „wilder Tiere für ein Luxusprodukt“ per se ein Verstoß gegen das Tierwohl darstelle. Angesichts der neuen Bewertung durch die EFSA forderte sie die EU-Kommission auf, der Forderung der Bürger zu folgen und die Pelztierhaltung EU-weit zu verbieten.

NGOs argumentieren, dass ein umfassendes Verbot notwendig sei, um zu verhindern, dass Mitgliedstaaten mögliche Schlupflöcher in der EU-Regelung zu invasiven Arten ausnutzen.

„Als der Marderhund 2019 auf die Liste der [invasiven Arten] gesetzt wurde, nutzten Finnland und Polen eine Ausnahmegenehmigung und erhielten eine Zulassung für 30 Jahre“, erklärte die NGO Humane World for Animals.

Neben Tierschutzgründen führen Aktivist:innen auch gesundheitliche Risiken als Argument für ein Aus der Pelzindustrie in der EU an.

2020 machte Dänemark – einst weltweit größter Produzent von Nerzpelzen – Schlagzeilen, als es wegen mutierter COVID-Erreger auf Pelzfarmen die gesamte Nerzpopulation des Landes von bis zu 17 Millionen Tieren keulen ließ.

(ssm, jp, aw)