EU-Minister wollen Debatte über Elektroautos anstoßen
Die EU-Minister werden diese Woche eine Debatte über eine EU-Strategie für Elektroautos anstoßen. Gleichzeitig warnen Umweltschützer, dass der zum Aufladen der Autos genutzte Strom genauso umweltschädlich sein könnte wie die Benzinmotoren, die dadurch ersetzt werden sollen.
Die EU-Minister werden diese Woche eine Debatte über eine EU-Strategie für Elektroautos anstoßen. Gleichzeitig warnen Umweltschützer, dass der zum Aufladen der Autos genutzte Strom genauso umweltschädlich sein könnte wie die Benzinmotoren, die dadurch ersetzt werden sollen.
Spanien, das derzeit den rotierenden EU-Vorsitz innehat, wird morgen (9. Februar) bei einem informellen EU-Ministertreffen ein Dokument zu den Herausforderungen der Elektrofahrzeug-Branche vorlegen.
Ziel ist die Annahme eines gemeinsamen EU-Aktionsplans im Mai, um der europäischen Autoindustrie im Rennen gegen die USA, China und Japan einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
Das Papier, das EURACTIV vorliegt, sieht koordinierte Forschungs- und Innovationsaktivitäten sowie gebündelte Investitionen zur Weiterentwicklung der Akkutechnologie als Schlüssel zur Markteinführung von Elektrofahrzeugen. Zusätzlich werden Behörden dem Papier zufolge den Bau der Auflade-Infrastruktur beschleunigen und Verbrauchern finanzielle Anreize zum Kauf von Elektroautos liefern müssen, um den Absatz zu steigern.
Die spanische Präsidentschaft betont die Bedeutung einer Normung von Fahrzeug- und Ladekomponenten, um die Herstellungskosten zu senken und die Kompatibilität innerhalb des europäischen Markts zu gewährleisten. Sie fordert die Behörden dazu auf, sich mit Industrievertretern zusammenzuschließen, um sich über den am besten geeigneten Normungsprozess – sowohl innerhalb Europas als auch international – zu einigen.
Das Papier geht im Wesentlichen auf industriepolitische Aspekte und die europäische Führungsrolle anstatt auf Umweltaspekte ein, die als wesentlicher Verkaufspunkt für Elektrofahrzeuge gelten. Nichtsdestotrotz fordert es eine gründliche Analyse der Leistung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen bezüglich ihrer CO2-Emissionen.
Zudem müsse die Bereitstellung von Strom wahrscheinlich an die Ladegewohnheiten der Fahrer angepasst werden, was zu neuen Nachfragespitzen führen könnte.
"Die Zusammensetzung und Nutzung des Gesamtenergiemix' ist von großer Bedeutung. Gedanken über die Förderung einer engeren Verbindung zwischen erneuerbaren Energien und der Herstellung akkubetriebener Fahrzeuge könnten angesichts der Vorzüge von Netzverwaltung und Ladungsmuster nützlich sein", so das Dokument.
Ein Sprecher der spanischen Regierung sagte, die spanische Präsidentschaft hoffe, der Europäischen Kommission eine Vision für Elektrofahrzeuge präsentieren zu können. Die Minister würden dann über eine gemeinsame Strategie für Elektrofahrzeuge in Europa, einschließlich der Normungsfrage beraten.
Während Madrid die Kommission zur Beschäftigung mit dieser Frage anregen will, möchte die EU-Exekutive Quellen zufolge bezüglich der Technik neutral bleiben und allgemein umweltfreundlichere Autos fördern. Derzeit versuche Spanien vor allem, die Haltungen der Mitgliedstaaten abzuschätzen, anstatt die gemeinsame Strategie mit Inhalt zu füllen, fügten sie hinzu.
Bedenken von Umweltschützern
Währenddessen warnte ein heute (8. Februar) von vier Umweltorganisationen veröffentlichter Bericht, dass eine ansteigende Zahl von Elektrofahrzeugen ohne intelligente Stromnetze nur zu einer größeren Nachfrage nach traditionellen Brennstoffen führen wird.
Ohne zusätzliche Anreize für die Herstellung erneuerbarer Energie werde die von Elektrofahrzeugen produzierte zusätzliche Stromnachfrage von herkömmlichen Kohle-, Ergas- oder Kernkraftwerken gedeckt werden.
"Wenn sie mit erneuerbarer Energie geladen werden, haben Elektrofahrzeuge einen Einfluss von nahezu Null auf den Treibhausgasausstoß. Die Ladung mit Strom, der aus Kohle hergestellt wird, führt jedoch zu gleich hohen oder noch höheren Emissionen als für vergleichbare herkömmliche Fahrzeuge", berichtet die Studie.
Eine Lösung könnte dem Bericht zufolge darin liegen, Elektrofahrzeuge in so genannte "intelligente" Stromnetze zu integrieren, die eine Einspeisung großer Mengen erneuerbarer Energie ermöglichen.
Ins Auto integrierte Zählersysteme könnten zudem so programmiert werden, dass ein Aufladen nur möglich ist, wenn ein Überschuss an erneuerbarer Energie verfügbar ist.
"So wie jedes heutzutage verkaufte Auto über einen Kilometerzähler verfügt, der anzeigt, wie weit das Auto gefahren ist, so braucht jedes Elektrofahrzeug einen intelligenten Zähler, der zeigt, wie viel Strom genutzt wurde und – im besten Fall – ob dieser Strom aus einer erneuerbaren Quelle stammte", sagte Nusa Urbancic von Transport & Environment, eine der NGOs, welche die Studie in Auftrag gegeben hatten.
Sobald sich Akkus weiterentwickelt hätten, könnten sie überschüssigen erneuerbaren Strom speichern und ihn während Phasen besonders hohen Bedarfs ans Netz zurückverkaufen.
Zudem warnte der Bericht, dass die derzeitige EU-Gesetzgebung über die CO2-Emissionen von Fahrzeugen die perverse Auswirkung hat, die Verkäufe von Spritfressern zu erhöhen, da Autohersteller ihre Emissionen durch Elektroautos absetzen könnten.
Die Gesetzgebung sieht die Vergabe so genannter "Super-Credits" an die Autohersteller für jedes hergestellte Elektrofahrzeug vor. Dadurch wird ihnen ermöglicht, zwischen 2012 und 2015 mehr Autos mit hohen Emissionen zu verkaufen, indem sie die Produktion sauberer Autos verstärken.
Wenn der Anteil der Elektrofahrzeuge auf 10% aller Fahrzeugverkaufe ansteigen würde, könnte dies nach Angaben des Berichts den Erdölverbrauch sowie den CO2-Ausstoß der europäischen Fahrzeugflotte um 20% erhöhen.
Daher forderten die Umweltschützer die EU dazu auf, die "Super-Credits" sowohl aus der derzeitigen wie auch aus der künftigen CO2-Gesetzgebung zu streichen.