EU-Minister beraten Impfstoff-Verteilung

In Luxemburg kommen die EU-Gesundheitsminister zu einem Sondertreffen zusammen, um das Vorgehen gegen die Schweinegrippe abzustimmen. Manche Staaten haben noch gar nicht reagiert, während in Deutschland die Massenimpfung bevorsteht.

Werden sich die Infektionsstationen in Europa bald füllen? Die EU bereitet sich eine Schweinegrippe-Welle vor. Foto: dpa.
Werden sich die Infektionsstationen in Europa bald füllen? Die EU bereitet sich eine Schweinegrippe-Welle vor. Foto: dpa.

In Luxemburg kommen die EU-Gesundheitsminister zu einem Sondertreffen zusammen, um das Vorgehen gegen die Schweinegrippe abzustimmen. Manche Staaten haben noch gar nicht reagiert, während in Deutschland die Massenimpfung bevorsteht.

Die Gesundheitsminister der Europäischen Union kommen heute nachmittag in Luxemburg zu Beratungen über die Schweinegrippe zusammen. Es geht unter anderem darum, wie den gut zehn Mitgliedstaaten geholfen werden kann, die noch nicht über ausreichend Impfstoffe verfügen. Bulgarien und Rumänien haben noch keinen Impfstoff geordert.

"Realistisch" ist EU-Diplomaten zufolge, dass Länder mit zuviel Impfstoff Teile ihrer Vorräte verkaufen. In Deutschland sind dafür allerdings die Bundesländer zuständig. Mit flächendeckenden Impfungen soll Ende Oktober begonnen werden; danach wird sich auch erst abzeichnen, ob es Engpässe gibt. Bislang sind in der EU zwei Präparate zugelassen. An dem Treffen nimmt die scheidende Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) teil.

EMEA erlaubt Impfstoffe

In Deutschland bestätigte die Uniklinik Essen vergangene Woche den ersten Todesfall aufgrund der Schweinegrippe. Demnach führte das Virus bei einer 37-jährigen stark übergewichtigen Raucherin zum Multiorganversagen, nachdem sie die Grippe zuvor verschleppt hatte.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts haben sich in Deutschland seit Ende April mehr als 21.000 Menschen mit dem H1N1-Erreger angesteckt. In der Regel ist der Krankheitsverlauf mild.

Schweden ruft zur Impfung auf

Die Vorsitzende des EU-Gesundheitsrats, Maria Larsson, hat die Bevölkerung zur Schweinegrippe-Impfung aufgerufen. Die Pandemie habe Europa weniger stark getroffen als befürchtet. "Aber wir hoffen, dass sich die Menschen trotzdem impfen lassen wollen", sagte die schwedische Gesundheitsministerin vor einem Treffen. "Experten haben uns gesagt, dass die Pandemie noch einige Jahre anhalten wird. (…) Wenn Sie sich schützen, wird dieser Schutz also nicht nur für heute und die nächsten Monate, sondern auch die nächsten Jahre sein.

Die EU-Kommission in Brüssel gab Ende September grünes Licht für die Verwendung der Impfstoffe "Focetria" von Novartis sowie "Pandemrix" des Pharmakonzerns Glaxo-Smith-Kline. Die Zulassung beider Stoffe hatte die Europäische Arzneimittelbehörde (EMEA) befürwortet – nach Tests bei 6000 Menschen. Die EMEA geht davon aus, dass ein  Drittel der europäischen Bevölkerung vom Schweinegrippe-Virus betroffen werden könnte.

Leinen: Politik muss Vorsorge treffen

"Ich bin sehr zufrieden, dass die Kommission ihre Entscheidung in der kürzest möglichen Zeit gefällt hat", sagte der Vizepräsident der EU-Behörde, Günter Verheugen. Dadurch sei sichergestellt, dass genügend Impfstoff noch vor Ausbruch der Grippesaison im Herbst und Winter geliefert werden könne.

Kritik an der breiten Impfung wies Jo Leinen, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des EU-Parlaments im Interview (9. Oktober 2009) mit EURACTIV.de zurück. "Verläuft die Pandemie weiter glimpflich, hatten wir Glück. Die Aufgabe der Politik ist aber, Vorsorge zu treffen und das Beste zum Schutz der Bevölkerung zu tun", so Leinen. Auch den Verdacht von Transparency International, Impfstoff-Hersteller könnten Einfluss auf die Entscheidungen nehmen (Siehe EURACTIV.de vom 14. September 2009) , wies Leinen zurück: "Im Ausschuss des Parlaments steht die Gesundheit im Vordergrund, nicht irgendwelche Unternehmensinteressen. Ich bin mir sicher, dass dies bei der Europäischen Arzneimittelbehörde auch der Fall ist."

Über das Vorgehen bei den Impfungen entscheiden die einzelnen Staaten allerdings eigenständig. In Deutschland organisieren die Bundesländer die Impfung.

Google analysiert Grippe-Trends

Der Internetkonzern "Google" hat eine Analyse von weltweiten Grippe-Trends gestartet. Um die Verbreitung von "normaler" Grippe darzustellen, werden die Suchmaschinen-Daten analysiert. Man habe festgestellt, dass die Häufigkeit bestimmter Suchbegriffe Anhaltspunkt für die Häufigkeit von Grippefällen sein kann, heißt es bei Google. Nach gegenwärtigen Stand ist Bayern am stärksten von Grippe-Infektionen in Deutschland betroffen. Allerdings weist Google für ganz Deutschland einen "niedrige" Grippehäufigkeit aus. Mit Blick auf die Vorjahresdaten ist mit einem starken Anstieg zwischen Dezember und Februar zu rechnen.

awr/dpa