EU-Kommission macht Vorschlag gegen Lebensmittelverschwendung
Die Europäische Kommission hat verbindliche Ziele für die Verringerung der Lebensmittelverschwendung bis 2030 vorgeschlagen. Dazu gehört eine 30-prozentige Reduzierung für Haushalte, Restaurants und den Einzelhandel.
Die Europäische Kommission hat verbindliche Ziele für die Verringerung der Lebensmittelverschwendung bis 2030 vorgeschlagen. Dazu gehört eine 30-prozentige Reduzierung für Haushalte, Restaurants und den Einzelhandel.
Kritiker bemängeln jedoch, dass dieses Ziel nicht mit den internationalen Zielen zur Halbierung der Lebensmittelverschwendung übereinstimme.
Am Mittwoch (5. Juli) stellte die Europäische Kommission ein lange erwartetes Paket von vier Gesetzesinitiativen zur „nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen“ vor.
Das Paket – das sich um einen Monat verzögert hatte – enthält unter anderem Vorschläge zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen als Teil einer Überarbeitung der seit 2008 geltenden EU-Abfallrichtlinie.
Nach dem Willen der EU-Kommission sollen die Mitgliedstaaten gesetzlich verpflichtet werden, Lebensmittelabfälle in Geschäften, Restaurants und privaten Haushalten bis Ende 2030 um 30 Prozent pro Kopf zu reduzieren, ausgehend von den Zahlen für 2020.
Darüber hinaus enthält der Vorschlag ein verbindliches Ziel von zehn Prozent, um die Lebensmittelabfälle bei der Verarbeitung und Herstellung von Speisen zu reduzieren.
Wie sie diese Ziele erreichen wollen, könnten die Mitgliedstaaten dann selbst entscheiden, erklärte der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Frans Timmermans, bei der Vorstellung des Entwurfs.
„Wir üben großen Druck auf das Ackerland aus, indem wir Pestizide, Wasser und Düngemittel verwenden, um diese Lebensmittel zu produzieren“, betonte Timmermans. „Wäre die Lebensmittelverschwendung ein Mitgliedstaat, wäre er der fünftgrößte Treibhausgasverursacher in der EU.“
Nach Angaben der Kommission werden in der EU jedes Jahr 59 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, was einem geschätzten Verlust von 132 Milliarden Euro entspricht.
Der größte Teil der Lebensmittelabfälle fällt in privaten Haushalten an. An zweiter Stelle stehen die Verarbeitungs- und Herstellungssektoren – also Tätigkeiten zwischen Ernte und Endverkauf.
„Die Verschwendung von Lebensmitteln in diesem Umfang, während mehr als 30 Millionen Europäer sich nicht jeden zweiten Tag eine ordentliche Mahlzeit leisten können und der Hunger weltweit wieder zunimmt, ist einfach inakzeptabel“, fügte Timmermans hinzu.
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Obwohl es sich bei diesem Vorschlag um den ersten seiner Art handelt, befürchten die Beteiligten, dass die in dieser Überarbeitung festgelegten Ziele nicht ausreichen werden, um ein nachhaltiges Maß an Lebensmittelverschwendung zu erreichen.
Das Ziel 12.3 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung, zu dessen Einhaltung sich die EU verpflichtet hat, sieht vor, „bis 2030 die weltweite Pro-Kopf-Verschwendung von Lebensmitteln im Einzelhandel und beim Verbraucher zu halbieren. Außerdem sollen die Lebensmittelverluste entlang der Produktions- und Lieferketten, einschließlich der Nachernteverluste, verringert werden.“
Der Vorschlag der Kommission sieht jedoch ein niedrigeres Ziel vor – eine Reduktion um ein Drittel statt um die Hälfte.
„Wir sind der Meinung, dass wir ein Ziel setzen sollten, das für die meisten Mitgliedsstaaten wirklich erreichbar ist“, hieß es aus Kommissionkreisen.
„Im Jahr 2027 wird es eine Überprüfung geben, und wir hoffen, dass wir bis dahin in der Lage sein werden, die Ziele weiter anzuheben, um die 50 Prozent bis 2030 zu erreichen“, hieß es weiter.
Aus Sicht der Umweltorganisation European Environmental Bureau (EEB) fehlt es dem Vorschlag jedoch an „Biss, um die Überproduktion und Verschwendung im Lebensmittelsektor wirksam zu reduzieren.“
Darüber hinaus haben mehrere Organisationen gefordert, das 50-Prozent-Ziel „vom Hof bis auf den Tisch“ anzuwenden – in die verbindlichen Reduktionsziele also auch die landwirtschaftlichen Betriebe einzuschließen.
Orla Butler, Kampagnenleiterin des EEB, betonte, die EU müsse umfassende Ziele zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung von 50 Prozent in der gesamten Versorgungskette festlegen und erreichen.
„Alles, was darunter liegt, birgt das Risiko, dass die EU ihre Klimaziele, ihre internationalen Verpflichtungen und die Forderungen der Bürger nicht erfüllt“, fügte sie hinzu.
Die grüne Europaabgeordnete Sarah Wiener erklärte, die Maßnahmen müssten „an den einzelnen Stufen der Lebensmittelvernichtung“ ansetzen: „in der Urproduktion, Transport, Verpackung, Lagerung, Handel und im eigenen Kühlschrank.“
Sie betonte auch, Verbraucher müssten besser über die Haltbarkeit von Lebensmitteln aufgeklärt werden.
„Die meisten Menschen wissen immer noch nicht, dass ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum nicht bedeutet, dass ein Produkt schlecht ist“, sagte sie.
Auf der anderen Seite sagte der Generaldirektor der Lebensmittelindustriegruppe FoodDrinkEurope, Dirk Jacobs, dass es wichtig sei, die Bemühungen der Mitgliedstaaten und der Akteure entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette nicht zu untergraben. Diese hätten bereits seit 2015 Schritte zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung unternommen.
Darüber hinaus forderte Jacobs die Kommission auf, „robuste und zuverlässige Daten über Lebensmittelabfälle aus den Mitgliedstaaten zu erheben, die repräsentativ und vergleichbar sind.“
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[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Nathalie Weatherald]