EU-Kommission: China soll seine Märkte öffnen

China muss sein Versprechen zur Öffnung der Märkte einlösen, meint EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis.

EURACTIV.com
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China soll seine Märkte weiter für europäische Lebensmittel öffnen, meint Kommissar Vytenis Andriukaitis. [pcruciatti/ Shutterstock]

China muss sein Versprechen zur Öffnung der Märkte einlösen, forderte der für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis im Gespräch mit EURACTIV.com. Europäische Unternehmen würden sich nach wie vor über Schwierigkeiten beschweren, mit denen sie im Reich der Mitte zu kämpfen haben.

Europäische Agrarerzeugnisse spielten eine führende Rolle auf der ersten China International Import Expo (CIIE), die kürzlich in Shanghai stattfand. Präsident Xi Jinping hatte die Messe als eine Initiative zur „Vertiefung der internationalen Handelskooperation für gemeinsamen Wohlstand und Fortschritt“ bezeichnet.

Andriukaitis, der als Leiter der EU-Kommissionsdelegation fungierte, zeigte sich zuversichtlich in Bezug auf die positiven Auswirkungen, die die Messe auf den Verkauf von europäischen Lebensmitteln und Getränken an 1,3 Milliarden potenzielle chinesische Kunden haben könnte.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Turbulenzen im Welthandel könne man „gute Chancen für EU-Unternehmen erkennen, viel aktiver in China Fuß zu fassen,“ so der Kommissar. Wichtig sei dabei „das Versprechen des chinesischen Präsidenten, den Markt offen zu halten“.

EU-Lebensmittel – insbesondere Milchprodukte, Schweinefleisch und Wein – werden bei den chinesischen Verbrauchern immer beliebter. EU-Beamte erklärten, die europäischen Erzeugnisse gelten in China sowohl als sichere Qualitätswaren als auch als „Modeprodukte“. 

Aber: Vertreter von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden beschwerten sich bei Andriukaitis während seiner Promotion-Tour auch über Chinas “ rigide Regulierungsrahmen“. Der Kommissar gab zu: „Sie [die Unternehmen] stehen in der Praxis vor vielen Schwierigkeiten.“

Er betonte, vor diesem Hintergrund müsse es für die chinesische Führung nun Priorität sein, „zu liefern“ und den Versprechungen Xis nach offenen Märkten Taten folgen zu lassen.

Geschützte geografische Angaben

China ist der größte Importeur in die EU und der zweitgrößte Exportmarkt für europäische Firmen. Bei Lebensmitteln ist der chinesische Markt mit fast 12 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2017 (8,7 Prozent des Gesamtvolumens) inzwischen der zweitwichtigste Exportmarkt für europäische Lebensmittel, nach den USA.

Dennoch biete das asiatische Land europäischen Unternehmen immer noch „viel Potenzial“, so EU-Beamte: Es werde erwartet, dass die Verkäufe weiter steigen, insbesondere wenn die EU und China endlich das geplante Abkommen zum Schutz von rund 100 geschützten geografischen Angaben (ggA) auf beiden Seiten abschließen.

Brüssel und Peking hatten die entsprechenden Listen im vergangenen Jahr erstellt. Die chinesische Regierung hatte in letzter Minute noch gebeten, weitere Non-Food-Produkte in die Liste aufzunehmen, einschließlich Keramik und anderer Handwerkserzeugnisse.

Diese Produkte können jedoch nach EU-Recht nicht als ggAs geschützt werden.

Trotz dieser Differenzen zeigten sich die EU-Beamten zuversichtlich, dass bis Ende des Jahres eine endgültige Einigung erzielt werden könne.

Nach Inkrafttreten dieses Abkommens würden in den kommenden vier Jahren schrittweise weitere 200 Produkten hinzugefügt.

Zu den EU-Erzeugnissen, die aktuell auf der Liste stehen, gehören polnischer Wodka, irischer Whiskey, spanischer Schinken und Manchego-Käse, schottischer Lachs, griechischer Feta, tschechisches Bier und diverse Weine.

Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland, Portugal und Deutschland sind die Länder mit der höchsten Anzahl von geografisch geschützten Produkten.

EU-Kommission wirbt für europäische Lebensmittel

Der EU-Stand auf der chinesischen Importmesse war voll und ganz dem Agrar- und Lebensmittelsektor gewidmet – als Teil der Charmeoffensive des Blocks zur Förderung der Produkte der Gemeinsamen Agrarpolitik.

Seit 2016 haben die EU-Institutionen und -Mitgliedstaaten 200 Millionen Euro bereitgestellt, um europäische Lebensmittel und Getränke im Binnenmarkt und außerhalb der Grenzen der Union zu bewerben und zu unterstützen.

In den kommenden Monaten will die Kommission einen Bewertungsbericht über die ersten drei Jahre dieses Instruments veröffentlichen.