EU könnte 1 Billion Euro durch volle Besteuerung des Flugverkehrs erzielen

Die EU könnte ihre Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung im Luftverkehr um das bis zu Zehnfache steigern, wenn sie zentrale Ausnahmen streicht und ihre Emissionsvorschriften vollständig auf den Sektor anwendet. 

EURACTIV.com
Berlin Brandenburg Airport BER
Berlin Brandenburg Airport BER [Christophe Gateau/picture alliance via Getty Images]

Die EU könnte ihre Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung im Luftverkehr um das bis zu Zehnfache steigern, wenn sie zentrale Ausnahmen streicht und ihre Emissionsvorschriften vollständig auf den Sektor anwendet. 

Eine Studie der Umweltorganisation Carbon Market Watch sieht in der für 2026 geplanten Überarbeitung des EU-Systems zur CO₂-Bepreisung eine „hervorragende Gelegenheit“, um sowohl die Emissionen des Luftverkehrs zu senken als auch erhebliche Mittel für Klimaschutzmaßnahmen zu generieren.

Trotz der erheblichen Klimawirkung des Sektors bleiben Interkontinentalflüge von und nach Europa bislang weitgehend vom EU-Emissionshandelssystem (ETS) ausgenommen – dem zentralen Instrument der Union zur Bepreisung von CO₂-Verschmutzung in emissionsintensiven Branchen.

Derzeit sind nur innereuropäische Flüge vollständig erfasst, und selbst hier sind bis 2026 die Hälfte der Emissionen ausgenommen. Airlines müssen zudem ihre Nicht-CO₂-Emissionen – darunter Wasserdampf, Stickoxide und Schwefeldioxid – überwachen, doch diese Klimaeffekte werden bislang nicht bepreist.

Milliarden an entgangenen Einnahmen

Laut Carbon Market Watch könnte die Ausweitung der CO₂-Bepreisung auf alle kommerziellen Interkontinentalflüge von und nach Europa die prognostizierten Einnahmen zwischen 2025 und 2040 von 112 Milliarden Euro auf 417 Milliarden Euro erhöhen.

Würden die Regeln hingegen nur auf EU-Routen und Flüge in Länder angewendet, die nicht am internationalen CO₂-Kompensationssystem CORSIA teilnehmen – ein umstrittenes und weniger strenges System, das sich noch in Entwicklung befindet – lägen die Einnahmen bei 196 Milliarden Euro.

Würde das EU-Emissionshandelssystem zudem auf die Privatluftfahrt ausgeweitet und auch die Nicht-CO₂-Klimawirkungen bepreist, könnten die Gesamteinnahmen laut Studie sogar auf 1,1 Billionen Euro steigen.

Ausnahmen abschaffen und E-Kerosin priorisieren

Carbon Market Watch fordert die EU-Politik auf, die CO₂-Bepreisung auf alle abgehenden Flüge aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) – also der EU sowie Island, Liechtenstein und Norwegen – auszuweiten und Ausnahmen für Privatjets zu streichen.

Außerdem solle die Nutzung der jährlich 20 Millionen kostenlosen Emissionszertifikate, die dem Sektor gewährt werden, strikt auf die Deckung der Mehrkosten sauberer Treibstoffe beschränkt werden. Finanziert werden sollten damit ausschließlich E-Kerosin – ein synthetischer, CO₂-neutraler Treibstoff auf Basis von grünem Wasserstoff und abgeschiedenem CO₂ – und nicht Biokraftstoffe, deren Nachhaltigkeit fragwürdig sei, so die Organisation.

Derzeit ist E-Kerosin rar und teuer und macht nur einen Bruchteil der EU-Ziele für saubere Flugkraftstoffmischungen aus.

(de, cs, jl)