EU-Gesundheitskommissarin: Ernst machen gegen Affenpocken
Nachdem die Weltgesundheitsorganisation Affenpocken zu einem "international besorgniserregenden Gesundheitsnotstand" erklärt hat, hat EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides ein Schreiben an die Mitgliedstaaten gerichtet, in dem sie diese auffordert, den Kampf gegen das Virus zu verstärken.
Nachdem die Weltgesundheitsorganisation Affenpocken zu einem „international besorgniserregenden Gesundheitsnotstand“ erklärt hat, hat EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides ein Schreiben an die Mitgliedstaaten gerichtet, in dem sie diese auffordert, den Kampf gegen das Virus zu verstärken.
In dem Schreiben von Mittwoch (17. Juli) fordert Kyriakides eine „verstärkte, konzertierte und koordinierte Vorgehensweise der EU, um auf die sich weltweit verschärfende Entwicklung der Situation zu reagieren, wobei die Europäische Union das Epizentrum der festgestellten Fälle ist.“
„Es ist keine Zeit für Selbstgefälligkeit, und wir müssen weiter zusammenarbeiten, um den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen“, schrieb sie in dem Brief, der EURACTIV vorliegt.
Sie fügte hinzu, dass „unsere Prioritäten zu diesem Zeitpunkt eindeutig darin bestehen müssen, die Überwachung, Identifizierung und Meldung von Fällen, die Isolierung, die Rückverfolgung von Kontakten und die Impfung sowie die Infektionsprävention und klare Risikokommunikationskampagnen in allen Mitgliedstaaten (…) zu verstärken.“
Am vergangenen Samstag hatte die WHO die höchste Alarmstufe für Affenpocken ausgerufen und diese als Gesundheitsnotstand deklariert.
In der EU beziehungsweise im Europäischen Wirtschaftsraum hat das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zwischen dem 9. Mai und dem 26. Juli 10.346 Fälle registriert.
Insgesamt sind mehr als 16.800 Menschen in 74 Ländern an Affenpocken erkrankt, wie aus einer am 22. Juli veröffentlichten Statistik des US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hervorgeht.
Solide Daten und Rückverfolgung von Kontaktpersonen
Ausgehend von den Erfahrungen seit Beginn des Corona-Ausbruchs forderte Kyriakides in ihrem Schreiben die Mitgliedstaaten auf, „solide und zeitnahe Überwachungs- und Datenmeldungen auf EU-Ebene“ zu liefern, um Strategien zur Eindämmung der Ansteckungen zu entwickeln.
Gleichzeitig betonte die Kommissarin, wie wichtig die Ermittlung von Kontaktpersonen, die Isolierung von Infizierten und die gründliche Information von Betroffenen seien.
Um die Ausbreitung einzudämmen, habe die Europäische Kommission den Kauf von mehr als 60.000 Dosen des Impfstoffs Jynneos sichergestellt, heißt es in dem Schreiben.
Jynneos ist die US-Version des Impfstoffs Imvanex des dänischen Unternehmens Bavarian Nordic, der kürzlich von der EU-Arzneimittelbehörde EMA zugelassen wurde und für den ein gemeinsames Beschaffungsverfahren vorbereitet wird. Ein zweites gemeinsames Vergabeverfahren wird für das Antivirusmittel Tecovirimat vorbereitet.
„In beiden Fällen sind Engagement und schnelle Antworten von entscheidender Bedeutung. Um die erforderlichen Dosen zu sichern, sollten Ihre Vertreter:innen im Lenkungsausschuss des gemeinsamen Beschaffungsabkommens so schnell wie möglich über den Bedarf Ihres Landes informieren“, schrieb Kyriakides an die Mitgliedstaaten.
Die Länder wurden auch aufgefordert, die Risikoaufklärung in der Öffentlichkeit zu verstärken, da dies „der wohl wichtigste Aspekt unserer Reaktion“ sei, und zu vermeiden, „Panik oder Stigmatisierung zu verbreiten.“
„Die aktuellen Fälle von Affenpocken konzentrieren sich auf die demografische Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben. Diese Gruppe sollte wegen des Ausbruchs nicht ins Visier genommen, schikaniert oder ausgegrenzt werden“, betonte Kyriakides.
Arzneimittel-Agentur spricht sich für Zulassung von Imvanex-Affenpocken-Impfstoff aus
Während die Anzahl der Affenpockenfälle weiter ansteigt und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) darüber entscheidet, ob der…
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EU-Arzneimittelbehörde nutzt ihr erweitertes Mandat
Am Mittwoch (27. Juli) machte die EMA ihre Reaktion auf den Affenpocken-Ausbruch deutlich – de, ersten Notfall für die öffentliche Gesundheit, seit ein erweitertes Mandat für die EU-Arzneimittelbehörde im März in Kraft getreten war.
Die Agentur kündigte an, dass die Exekutiv-Lenkungsgruppe für Arzneimittelknappheit und Arzneimittelsicherheit (MSSG) der EMA in Zusammenarbeit mit den Mitgliedsstaaten, Patient:innen und Interessenvertreter:innen im Gesundheitswesen eine Liste mit kritischen Arzneimitteln für Affenpocken erstellen werde, um Engpässe zu verhindern.
Bislang sind nur das Medikament Tecovirimat und der Imvanex-Impfstoff für die Behandlung und Vorbeugung von Affenpocken zugelassen.
Zweitens wird die Notfallgruppe der EMA, die ursprünglich zur Bewältigung der Corona-Pandemie eingerichtet wurde, formell auf die Affenpocken ausgeweitet.
„Dazu gehören die wissenschaftliche Beratung und die Überprüfung der verfügbaren wissenschaftlichen Daten zu Arzneimitteln, die das Potenzial zur Bewältigung des Gesundheitsnotfalls haben, sowie die Koordinierung unabhängiger Überwachungsstudien zur Verwendung, Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneimitteln, die gegen Affenpocken eingesetzt werden sollen“, erklärte die EMA in einer Pressemitteilung.
Die Agentur fügte hinzu, dass sie den Ländern auf Anfrage auch Empfehlungen zur Verwendung eines nicht zugelassenen Arzneimittels geben werde.
[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Zoran Radosavljevic]