EU-Gesundheitsdatenplan abhängig von digitalen Kompetenzen

Der Erfolg des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS), der im Jahr 2025 eingeführt werden soll, ist abhängig von digitalen Kompetenzen der Nutzer. Momentan verfügt fast die Hälfte der Europäer über mangelnde Fähigkeiten in diesem Bereich.

EURACTIV.com
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"Einfach nur Zugang zur Technologie zu haben, ohne zu wissen, wie man sie nutzt, wird es den Patienten nicht ermöglichen, ihre elektronischen Gesundheitsakten zu nutzen und Entscheidungen darüber zu treffen, mit wem sie geteilt werden", schreibt die European Public Health Alliance (EPHA). [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/tablet-screen-brain-doctors-neurology-research-2264933037" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK/PeopleImages.com - Yuri A]</a>]

Der Erfolg des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS), der im Jahr 2025 eingeführt werden soll, hängt an den digitalen Kompetenzen der Nutzer. Momentan verfügt fast die Hälfte der Europäer über mangelnde Fähigkeiten in diesem Bereich.

Der EHDS zielt darauf ab, die Bürger in die Lage zu versetzen, ihre Gesundheitsdaten zu nutzen und gleichzeitig die Gesundheitsversorgung und die Gesundheitsforschung zu verbessern. Er wurde im Mai 2022 von der Europäischen Kommission vorgeschlagen und soll in diesem Herbst in die Endphase der interinstitutionellen Verhandlungen gehen.

Damit dies funktioniert, muss jedoch die digitale Kompetenz auf dem gesamten Kontinent grundlegend verbessert werden. Die Europäische Kommission selbst schätzt, dass es 42 Prozent der Europäer an digitalen Grundkenntnissen mangelt. Obwohl eine Reihe von EU-Initiativen zur Verbesserung dieser Fähigkeiten gestartet wurden, warnen Organisationen wie die European Public Health Alliance (EPHA), dass mehr getan werden muss – insbesondere in Bezug auf den EHDS.

„Einfach nur Zugang zur Technologie zu haben, ohne zu wissen, wie man sie nutzt, wird es den Patienten nicht ermöglichen, ihre elektronischen Gesundheitsakten zu nutzen und Entscheidungen darüber zu treffen, mit wem sie geteilt werden“, schreibt EPHA.

Ein Mangel an digitalen Fähigkeiten könnte bedeuten, dass viele Europäer ins Hintertreffen geraten und nicht in den Genuss einer besseren Gesundheitsversorgung kommen.

Einem neuen Bericht zufolge, den das Europäische Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag (5. September) veröffentlicht hat, sind „dringend Investitionen, Innovationen und Integration erforderlich, um die Vorteile der digitalen Gesundheit zu nutzen.“

Dem Bericht zufolge verfügen nur 27 der 53 Länder in der Europäischen Region der WHO über Konzepte und Strategien zur Verbesserung der digitalen Gesundheitskompetenz. Die zunehmende Digitalisierung der Gesundheitssysteme könnte die bereits bestehenden gravierenden gesundheitlichen Ungleichheiten sowohl zwischen als auch innerhalb der Länder noch verstärken.

„Die digitale Ausgrenzung ist eine wichtige Triebkraft für Ungleichheit und kann zu schlechten gesundheitlichen Ergebnissen führen“, heißt es in dem Bericht, in dem auch die „altersbedingten Herausforderungen“ als eine große Herausforderung für die Europäische Region der WHO genannt werden.

„Es ist eine traurige Ironie, dass Menschen mit begrenzten oder fehlenden digitalen Fähigkeiten oft diejenigen sind, die am meisten von digitalen Gesundheitswerkzeugen und -maßnahmen profitieren – wie ältere Menschen oder ländliche Gemeinschaften. Die Beseitigung dieses Ungleichgewichts ist für die digitale Transformation des Gesundheitssektors notwendig“, sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge.

Besonders große Hoffnungen werden in die Auswirkungen der Digitalisierung auf ländliche Gebiete gesetzt. Viele dieser Gebiete werden als medizinische Wüsten bezeichnet, in denen der Zugang der Menschen zur Gesundheitsversorgung deutlich schlechter ist als in den stärker besiedelten Regionen.

Die drei wichtigsten Empfehlungen des Berichts zur Stärkung der digitalen Gesundheitssysteme sind der Zugang zu zuverlässigen und erschwinglichen Breitbandanschlüssen, die Sicherheit von Gesundheitsdaten und interoperable digitale Gesundheitsinstrumente.

Die digitale Gesundheit für alle nutzbar machen

Eine Möglichkeit, digitale Gesundheitssysteme inklusiver zu gestalten und die digitale Kompetenz zu berücksichtigen, ist die Einbeziehung von Menschen mit geringerer digitaler Kompetenz in die Entwicklung.

„Vielleicht sollten wir sie ein wenig mehr einbeziehen, Systeme mit ihnen aufbauen und sie fragen, was sie brauchen und wollen“, sagte der portugiesische Gesundheitsminister Manuel Pizarro auf einer WHO-Veranstaltung am 5. und 6. September mit seinen Amtskollegen aus den Niederlanden, Griechenland und Armenien.

Für den niederländischen Gesundheitsminister Ernst Kuiper ist es ein wichtiger Bestandteil eines „intelligenten“ Ansatzes für die digitale Gesundheit, die Patienten zu einer der „führenden Kräfte“ bei der Entwicklung digitaler Gesundheitslösungen zu machen.

„Es kann uns tatsächlich helfen, die starke Beschleunigung der Ausgaben im Gesundheitswesen zu verringern“, sagte Kuiper. Er fügte hinzu, dass digitale Lösungen, wenn sie richtig eingesetzt werden, den Verwaltungsaufwand für das Gesundheitspersonal erheblich reduzieren können.

Für das Personal im Gesundheitswesen, das europaweit unter großem Druck steht, ist weniger Verwaltungsarbeit sicherlich willkommen. Digitale Werkzeuge könnten schließlich auch in Gebieten von Vorteil sein, in denen es an medizinischem Personal mangelt.

Darüber hinaus werden dadurch rechtzeitige Gesundheitschecks gefördert, was wiederum den Druck auf die Gesundheitssysteme verringert, wie ein Beispiel aus Griechenland zeigt, das von Eirini Agapidaki, der stellvertretenden Gesundheitsministerin Griechenlands, vorgetragen wurde.

Vorläufige Daten für ein neues Brustkrebs-Screening-Programm in Griechenland haben gezeigt, dass Frauen, die ein digitales Rezept für eine Mammographie erhielten, viel eher zur Untersuchung gingen als diejenigen, die alles auf herkömmliche Weise auf Papier erhielten.

„Es ist einfacher, an den Vorsorgeprogrammen teilzunehmen und sich rechtzeitig untersuchen zu lassen [mit digitalen Hilfsmitteln]“, sagte Agapidaki.

[Bearbeitet von Giedrė Peseckytė/Nathalie Weatherald/Kjeld Neubert]