EU-Forschung: Ein nachhaltiges Energiesystem für Europa
Bis zum Jahr 2050 will ein neues europaweites Netzwerk aus Hochschulen, Unternehmen und Wissenschaftlern ein nachhaltiges Energiesystem für Europa schaffen. Auf der Agenda stehen 65 Energie-Patente, 50 Unternehmensgründungen und 90 neue Produkte.
Bis zum Jahr 2050 will ein neues europaweites Netzwerk aus Hochschulen, Unternehmen und Wissenschaftlern ein nachhaltiges Energiesystem für Europa schaffen. Auf der Agenda stehen 65 Energie-Patente, 50 Unternehmensgründungen und 90 neue Produkte.
Die Wissens- und Innovationsgemeinschaft "InnoEnergy" wird von der EU mit 308 Millionen Euro gefördert, teilten Vertreter des Netzwerks zum Start am Mittwoch in Karlsruhe mit. Das vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierte Projekt war bereits Ende 2009 von der EU als eines von drei Projekten unter 18 Bewerbern ausgewählt worden.
Die Entscheidung der Europäischen Union für dieses Projekt bedeute einen großen Schub für die Energieforschung in Baden-Württemberg, sagte Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU). Unternehmen und Hochschulen aus den Benelux-Ländern, Spanien, Frankreich, Schweden, Polen und Deutschland sind an dem Netzwerk beteiligt. In der Teilnehmerliste finden sich auch die Energiekonzerne EnBW und Vattenfall, sowie der Software-Riese SAP.
Die Einzelprojekte nehmen dich den Herausforderungen an, die der Strategic Energy Technology Plan ( SET-Plan) für die Transformation des europäischen Energiesystems formuliert (EURACTIV.de vom 7.Oktober 2010).
Umweltfreundliche Erneuerbare
Dabei sollen auch die erneuerbaren Energien auf den Prüfstand kommen, sagte der Vizepräsident des KIT, Peter Fritz. Deutschland sei zwar Vorreiter bei diesem Thema, es werde hier jedoch meistens versäumt, die Umweltfreundlichkeit des gesamten Prozesses kritisch zu untersuchen. Ein Beispiel: Wasserstoff als Treibstoff für Autos sei zwar klimaneutral, verursache aber bei der Herstellung Emissionen. In dem Projekt solle die gesamte Kette der Energieerzeugung – von der Herstellung bis zur Nutzung – systematisch von vorne bis hinten betrachtet werden, sagte Fritz.
Das Zusammenspiel zwischen Forschung, Innovation und der Heranbildung von Nachwuchsunternehmern sei extrem wichtig. Ein erster Schritt sei der international ausgerichtete Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt auf nachhaltige Energien, der im kommenden Wintersemester startet. Doktorandenprogramme zu intelligenten Stromnetzen und chemischen Brennstoffen seien geplant.
"Die enge Verzahnung von Industrie, Forschung und Lehre und die Vernetzung des Innovationswissens ist Kennzeichen von KIC InnoEnergy", so Professor Hans-Jörg Bauer vom Karlsruher Institut für Technologie, der den Aufbau koordiniert. Für die kommenden vier Jahre plant das Konsortium 65 Energie-Patente sowie 50 Ausgründungen. 90 neue Produkte sollen auf den Markt kommen.
Die Erneuerbaren gewinnen in Europa immer größere Marktanteile. 2009 machten sie 62 Prozent der neu installierten Stromerzeugungskapazitäten in der EU aus (EURACTIV.de vom 5. Juli 2010).
In den vergangenen Monaten belegten mehrere Studien, dass ein vollständiger Umstieg auf Ökostrom möglich ist – unter anderem die Untersuchungen des Umweltbundesamtes (EURACTIV.de vom 7. Juli 2010) und des deutschen Umweltrates (EURACTIV.de vom 5. Mai 2010)
Hintergrund
Die KICs sind Initiativen des European Institute of Innovation and Technology (EIT) in Budapest. Das EIT ist eine Initiative auf EU-Ebene, die zum Aushängeschild der europäischen Innovationspolitik werden soll. Das EIT hat KICs in drei Themenfeldern ausgeschrieben: Energie, Klimaforschung sowie Informations- und Kommunikationstechnologien. In den KICs arbeiten Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen gemeinsam an Innovationen in den genannten Themenfeldern.
dpa/awr
Links
KIC InnoEnergy: Internetseite
KIC InnoEnergy: Projekt-Vorstellung
Karlsruher Institut für Technologie: Europas Energie-Zukunft gestalten. Pressemitteilung (30. Juni 2010)
Umweltbundesamt (UBA): "Energieziel 2050: 100% Strom aus erneuerbaren Quellen". Szenario "Regionenverbund". (7. Juli 2010)
Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU): Klimaverträglich, sicher, bezahlbar: 100% erneuerbare Stromversorgung bis 2050 (5. Mai 2010),
EU
Knowledge and Innovation Communities (KICs): Übersicht
European Institute of Innovation and Technology (EIT): Internetseite
EU-Kommission: Anteil erneuerbarer Energien an neu installierten Stromerzeugungskapazitäten in der EU 2009 auf 62 Prozent gestiegen (5. Juli 2010)
EU-Kommission: "Momentaufnahmen zu den erneuerbaren Energien". Jahresbericht 2010 (5. Juli 2010)
EU-Kommission: Webseite zum SET-Plan
EU-Kommission: Presseerklärung zum SET-Plan (7. Oktober 2009)
EU-Kommission: Fragen und Antworten zum SET-Plan (7.Oktober 2009)