EU-Finanzierung für Atomkraftwerke steht weiterhin nicht zur Debatte

Die zukünftige Planung Europäischen Investitionsbank (EIB) enthält weiterhin keine konkreten Äußerungen zu einer möglichen Finanzierung der Atomkraft. Die Branche hofft allerdings weiterhin auf neue Gelder von der Bank, um ihren geplanten Ausbau zu unterstützen.

EURACTIV France
Informal meeting of EU economic and financial affairs ministers in Santiago de Compostela
Die Europäische Investitionsbank ist nach wie vor zurückhaltend, was die Finanzierung der Atomkraft angeht. Die Bank plant, bis 2025 Investitionen in Höhe von einer Billion Euro in Umwelt- und Energieprojekte zu leiten. [EPA-EFE/Lavandeira jr]

Die zukünftige Planung Europäischen Investitionsbank (EIB) enthält weiterhin keine konkreten Äußerungen zu einer möglichen Finanzierung der Atomkraft. Die Branche hofft allerdings weiterhin auf neue Gelder von der Bank, um ihren geplanten Ausbau zu unterstützen.

Der Generaldirektor von NuclearEurope, Yves Desbazeilles, einem in Brüssel ansässigen Verband zur Verteidigung der Atomenergie, erklärte in einer Stellungnahme gegenüber CarbonPulse letzte Woche, dass „die Europäische Investitionsbank ist offen für Finanzierungen im Bereich der Atomkraft.“

In dem EIB-Arbeitsdokument, in dem die geplanten Vorhaben für den Zeitraum 2023 bis 2027 dargelegt sind, wird erwähnt, dass die EIB „Forschung und Entwicklung für kleine modulare Reaktoren (SMR)“ unterstützen werde. Desbazeilles argumentierte, dass das neue Dokument eine offene Tür für „mehrere andere“ Optionen hinsichtlich einer Unterstützung durch die Investitionsbank, wie beispielsweise den Bau von Reaktoren, darstelle. Ein solcher Verweis im endgültigen Text scheint jedoch unwahrscheinlich.

Mehrere Branchenbeobachter erklärten jedoch gegenüber Euractiv, dass die Verweise in dem Dokument nicht bedeutender seien als die in dem derzeitigen Fahrplan (2021-2025), in dem bereits Unterstützung für Forschung und Entwicklung in den Bereichen Kernspaltung und Kernfusion erwähnt wird, aber nichts zur Stromerzeugung.

Technologieneutraler Ansatz

Die Finanzierung der Atomkraft ist in Brüssel ein aktuelles Thema, vor allem seit sich die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, auf dem Atomgipfel im März 2024 in Brüssel positiv über diese Technologie geäußert hatte. In den letzten Monaten haben sich die Industrie und mehrere nationale Regierungen mit Nachdruck für die Unterstützung der EIB für die Atomkraft eingesetzt.

Die Europäische Investitionsbank ist nach wie vor zurückhaltend, was die Finanzierung der Atomkraft angeht.

Die Bank plant, bis 2025 Investitionen in Höhe von einer Billion Euro in Umwelt- und Energieprojekte zu leiten.

Innerhalb dieses Rahmens verfolgt die Bank einen technologieneutralen Ansatz und verschließt sich daher nicht der Unterstützung der Atomkraft, wie ein im Dezember 2023 gewährtes Darlehen in Höhe von 145 Millionen Euro für Sicherheitsmaßnahmen in Rumänien zeigt.

Unabhängig von der Politik sind Investitionen in die Atomkraft heute jedoch finanziell weniger attraktiv als in der Vergangenheit.

In den letzten 24 Jahren wurden nur eine Milliarde Euro an EIB-Mitteln für die Atomkraft bereitgestellt, und das auch nur für parallele Aktivitäten (wie etwa Forschung und Entwicklung oder Sicherheit). Die letzten Investitionen der EIB in die Stromerzeugung erfolgten 1987 für die beiden ersten französischen Kernreaktoren im Werk Flamanville.

Der Bau von Atomkraftwerken ist der Bereich, in dem der größte Finanzierungsbedarf besteht. Bis zum Jahr 2050 wird sich die installierte Atomkraftkapazität in Europa verdreifachen, einschließlich großer und kleiner Reaktoren.

Rentabilität

Der Bau von Reaktoren steht vor einem schwerwiegenden Problem, was die Aussichten auf eine Unterstützung durch die Investitionsbank betrifft: die Rentabilität.

Auch wenn die EIB öffentliche Gelder einsetzt, soll sie mit ihren Finanzierungen eine Rendite erwirtschaften, und das angesehene AAA-Rating der Bank ermöglicht es ihr, auf den internationalen Märkten zu niedrigen Zinssätzen Kredite aufzunehmen.

Um dieses Rating aufrechtzuerhalten, kann die Bank keine Darlehen vergeben, bei denen ein erhebliches Risiko besteht, keine Rendite zu erwirtschaften. Wenn die Bank risikoreichere Kredite vergibt, schützt sie sich, indem sie Garantien einfordert und verlangt, dass die Kreditnehmer finanziell solide sind.

Während die Solvenzbedingung leichter zu erfüllen ist, wenn das antragstellende Atomunternehmen, wie beispielsweise EDF in Frankreich, in staatlichem Besitz ist, ist diese Bedingung für Neugründungen und andere Privatunternehmen schwieriger zu erfüllen.

Größere Reaktoren, die in jüngerer Zeit gebaut wurden, haben mit systematischen Kostenüberschreitungen und Verzögerungen zu kämpfen. Dies hat das Vertrauen von Geldgebern ernsthaft auf die Probe gestellt, die befürchten, dass sie ihre Investitionen nicht zurückerhalten oder dass es zu spät sein wird.

Diese Befürchtung besteht, obwohl Experten argumentieren, dass die Kosten für künftige Großreaktoren um 20 bis 30 Prozent sinken würden, da Europa wieder von der Serienproduktion von Reaktoren profitieren werde.

Das Geschäftsmodell für große Reaktoren sei bekannt, aber für kleine modulare Reaktoren, „die neue Anwendungen haben, müssen die Modelle erst noch erfunden werden“, erklärte Valérie Faudon, Generaldelegierte der Französischen Atomenergiegesellschaft (SFEN), gegenüber Euractiv.

Letztlich bleibe das Risiko der Finanzierung der Atomkraft hoch, wie Thomas Ostros, Vizepräsident der EIB, Mitte März auf dem Atomenergiegipfel sagte.

Der Konsens

Die Darlehen der EIB müssen auch von den nationalen Regierungen genehmigt werden. Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich haben aufgrund ihres erheblichen Kapitals, das sie bei der Bank gezeichnet haben, eine wichtige Stimme.

Daher kann sich Frankreich nicht allein auf die Unterstützung der zehn Mitgliedsstaaten der Atomallianz verlassen, auch wenn es die Unterstützung der Präsidentin der Institution, Nadia Calvino aus Spanien, genießt. Italien hat sich positiv zur Unterstützung von kleinen modularen Reaktoren geäußert, aber noch keine konkrete Unterstützung für neue EIB-Finanzierungen geleistet.

Die EIB lehnte es ab, den bekanntgewordenen Fahrplan 2023-2027 zu kommentieren.

[Bearbeitet von Donagh Cagney/Alice Taylor]