EU: Fast zwei Jahre, um die möglichen Krebsrisiken von Glyphosat zu prüfen

Brüssel untersucht eine aktuelle Studie, die zeigt, dass das Herbizid bei Ratten zu einem Anstieg der Tumorrate führen kann, selbst bei Dosen, die nach EU-Vorschriften als sicher gelten.

Environmental activist of Avaaz during an action against Glyphosate
Umweltaktivisten bei einer Aktion gegen Glyphosat vor der Europäischen Kommission. [ EPA-EFE/OLIVIER HOSLET]

Zwei EU-Agenturen sollen herausfinden, ob das beliebteste Unkrautvernichtungsmittel der Welt gefährlicher ist als bisher angenommen. Die Studie soll bis zu 21 Monaten dauern, beauftragt wurde sie von der EU-Kommission.

Glyphosat ist Bestandteil vieler Unkrautvernichtungsmittel im landwirtschaftlichen Gebrauch.  Zwar steht der Wirkstoff seit Jahren zunehmend in der Kritik, allerdings wurde er auf Basis der letzten EU-Bewertung für weitere zehn Jahre zugelassen. Jüngste Erkenntnisse werfen neue Fragen zu Gesundheitsrisiken auf.

Nach EU-Recht gilt das Unkrautvernichtungsmittel als sicher. Allerdings zeigt eine aktuelle Studie des Ramazzini Instituts erhöhte Tumorraten bei Ratten, die mit dem Unkrautvernichtungsmitteln in Kontakt kamen.

In einem Schreiben vom 24. Juni hat die EU-Kommission die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aufgefordert, eine Bewertung der Studie vorzunehmen.

Nach Erhalt der Studien-Rohdaten hat die ECHA mindestens 15 Monate und die EFSA weitere sechs Monate Zeit, ein aktualisiertes Gutachten zu erstellen. Dabei soll es darum gehen, herauszufinden, ob die neuen Erkenntnisse die Schlussfolgerungen der Agenturen zu den Gesundheitsrisiken von Glyphosat beeinflussen.

„In Anbetracht der Art und der Schlussfolgerungen des Artikels“, so die Kommission in ihrem Schreiben, „ist es wichtig, dass die EFSA und die ECHA versuchen, alle Informationen und Daten zu erhalten, um eine Bewertung zu ermöglichen“ und zu sehen, „ob die berichteten Ergebnisse die Schlussfolgerungen beeinflussen würden, zu denen sie bei ihrer früheren gemeinsamen Bewertung des Stoffes gelangt sind“.

In der letzten Glyphosat-Bewertung von 2023, fanden die Agenturen „keine wissenschaftliche oder rechtliche Rechtfertigung für ein Verbot“. Das hatte die EU veranlasst, die Zulassung bis zum 15. Dezember 2033 zu verlängern.

Obwohl die mit Glyphosat verbundenen Risiken in der Öffentlichkeit nach wie vor Besorgnis auslösen, wurde der 21-monatige Zeitrahmen von beiden Regulierungsbehörden gemeinsam festgelegt.

Die Behörden hatten das Ramazzini-Institut bereits vor zwei Jahren im Anschluss an vorläufige Schlussfolgerungen aufgefordert, ihnen die Rohdaten zu übermitteln, erhielten aber keine Antwort. Institutsdirektor Daniele Mandrioli erklärte gegenüber Euractiv, dass sein Team nun bereit sei, den Regulierungsbehörden die Daten auf Anfrage zur Verfügung zu stellen.

Einige wollen noch weiter gehen: Ende Juni richtete eine Gruppe von 33 Europaabgeordneten unter der Leitung von Christophe Clergeau (S&D) eine schriftliche Anfrage an die Kommission und forderte sie auf, eine Überprüfung der Glyphosat-Zulassung einzuleiten.

Die Europäische Kommission hat auf eine Bitte um Stellungnahme nicht reagiert.

(adm, jp, vib)