EU-Experten erwägen neue Regulierungen für krebserregendes Acrylamid in Lebensmitteln

Nationale und EU-Experten diskutieren neue rechtsverbindliche Grenzwerte für das krebserregende Acrylamid in Lebensmitteln, teilte man Euractiv mit. Damit wird ein Dossier wieder aufgemacht, das bereits in der Vergangenheit intensive Diskussionen ausgelöst hat.

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Im Jahr 2017 löste die Verabschiedung der ersten EU-Beschränkungen für die krebserregende Substanz eine hitzige Debatte aus. Acrylamid kann sich in stärkehaltigen Lebensmitteln bei hohen Temperaturen bilden. [SHUTTERSTOCK/rfranca]

Nationale und EU-Experten diskutieren neue rechtsverbindliche Grenzwerte für das krebserregende Acrylamid in Lebensmitteln, teilte man Euractiv mit. Damit wird ein Dossier wieder aufgemacht, das bereits in der Vergangenheit intensive Diskussionen ausgelöst hat.

Im Jahr 2017 löste die Verabschiedung der ersten EU-Beschränkungen für die krebserregende Substanz eine hitzige Debatte aus. Acrylamid kann sich in stärkehaltigen Lebensmitteln bei hohen Temperaturen bilden.

Damals konnten sich die Mitgliedstaaten nicht auf zulässige Höchstwerte für den Stoff in verarbeiteten Lebensmitteln einigen.

Stattdessen legten sie Indikatoren fest, anhand derer die Lebensmittelunternehmen die Wirksamkeit ihrer Bemühungen zur Verringerung des Acrylamidgehalts in Pommes frites, Chips, Brot, Keksen und sogar Kaffee überwachen müssen.

In der Verordnung verpflichteten sich die Kommission und die Mitgliedstaaten, die Festlegung von Höchstwerten für die Substanz in bestimmten Lebensmitteln zu erwägen.

EU-Quellen erklärten gegenüber Euractiv, dass die Kommission und nationale Experten auf dieser Grundlage derzeit die Einführung rechtlich verbindlicher Grenzwerte für einige Lebensmittel erörtern. Dabei sollen die bestehenden Indikatoren gesenkt und neue hinzugefügt werden, die mehr Produkte abdecken. Dazu gehören zum Beispiel Gemüsechips, die keine Kartoffel- oder Getreidechips sind.

Die Diskussionen fänden derzeit auf technischer Ebene statt. Sie stützten sich auf Daten, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) von 2020 bis 2023 zu Acrylamid gesammelt hat. Ein Ergebnis werde in der zweiten Jahreshälfte erwartet, so die Quellen.

„Es besteht ein erheblicher Mangel an Verbraucherbewusstsein in Bezug auf Acrylamid“, erklärte Safe Food Advocacy Europe (SAFE) in einem Positionspapier. Mit diesem Papier wurde am 18. Juni eine Kampagne gestartet, „um das Thema Acrylamid wieder auf die politische Agenda zu setzen.“

Die NGO fordert die europäischen Entscheidungsträger auf, Höchstwerte für Acrylamid in Kartoffelchips, Frühstücksprodukten und Pommes frites festzulegen. Zudem sollen strenge Grenzwerte für Babynahrung eingeführt und die Liste der von der Verordnung betroffenen Lebensmittelprodukte erweitert werden.

Strengere Vorschriften seien erforderlich, betonte Safe Food Advocacy Europe, „damit die Lebensmittelhersteller zusätzliche Maßnahmen zur Verringerung des Acrylamidgehalts in Lebensmitteln ergreifen, da es unwahrscheinlich ist, dass die Industrie als Ganzes diese Maßnahmen freiwillig ergreift, wenn sie nicht dazu verpflichtet wird.“

Die Europäische Lebensmittelbehörde hat 2015 und 2022 zwei Gutachten zu Acrylamid in Lebensmitteln veröffentlicht. Darin bestätigt sie die Ergebnisse früherer Studien über die Rolle der Substanz bei der Erhöhung des Krebsrisikos. Die Behörde hat weiterhin jährlich Daten zu Acrylamid gesammelt.

Auch in der Wissenschaft wird die Substanz weiterhin untersucht. In einer aktuellen Studie der Universität Bari wurde vorgeschlagen, mit der Überwachung der Acrylamidbildung in pflanzlichen Lebensmitteln zu beginnen.

[Bearbeitet von Rajnish Singh/Kjeld Neubert]