EU erwägt Verlängerung von "Erasmus für Jungunternehmer"

Der italienische Schönheitschirurg Luca Poli, der vom Programm "Erasmus für Jungunternehmer" profitiert hat, nannte die drei Monate, in denen er einer spanischen Unternehmerin bei der Arbeit begleitete, den Schlüssel zum Erfolg seiner neuen Klinik in Mailand. Das EU-Programm ist für ein zweites Jahr verlängert worden und könnte zu einem festen Bestandteil von EU-Förderprogrammen werden.

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Der italienische Schönheitschirurg Luca Poli, der vom Programm "Erasmus für Jungunternehmer" profitiert hat, nannte die drei Monate, in denen er einer spanischen Unternehmerin bei der Arbeit begleitete, den Schlüssel zum Erfolg seiner neuen Klinik in Mailand. Das EU-Programm ist für ein zweites Jahr verlängert worden und könnte zu einem festen Bestandteil von EU-Förderprogrammen werden.

Poli ist einer von 1.800 Unternehmern, die sich für das Austauschprogramm angemeldet haben. Das Programm erlaubt Europäern, etablierte Unternehmer bei der Arbeit zu begleiten, bevor sie ihre eigenen Unternehmen gründen.

Das Pilotprojekt im Volumen von 5 Millionen Euro wurde für ein zweites Jahr verlängert. Zudem hat ein Beamter der Europäischen Kommission Pläne bekannt gegeben, die Initiative fest etablieren zu wollen. Bisher sind 60 Austausche abgeschlossen worden. Die Zahl könnte bis Juni 2010 auf 500 ansteigen.

Das Mobilitätsprogramm ist besonders in Italien und Spanien erfolgreich: Fast die Hälfte aller Bewerbungen stammen aus diesen beiden Ländern. Das bei weitem am häufigsten nachgefragte Zielland ist Großbritannien, vor allem aus sprachlichen Gründen. Dies teilte der Dachverband der europäischen Handelskammern Eurochambres mit, der das Programm koordiniert.

Die aktivsten Wirtschaftszweige sind Medien und Werbung, Informationstechnologien und Bildung. Die Unternehmer verbringen durchschnittlich zwei bis drei Monate mit einem gastgebenden Unternehmer.

Poli, der während seines Medizinstudiums bereits vom Erasmus-Programm für Studenten Gebrauch gemacht hat, nutzte das Programm, um Francine Huaman bei ihrer Arbeit zu begleiten, die in Spanien ein Wellness-Zentrum leitet.

Seine Pläne für die Eröffnung einer Klinik in Mailand waren bereits fortgeschritten, aber er brauchte Einsichten von jemandem mit Erfahrung in der Leitung eines eigenen Unternehmens.

"Meiner Erfahrung nach sind Ärzte bei der Behandlung von Patienten gut, nicht aber so sehr auf der wirtschaftlichen Seite. Ich wollte einen erfahrenen Unternehmer, der mir die Fehler in meinem Geschäftsplan aufzeigen konnte und der seine Erfahrungen über das Leiten eines Unternehmens mit mir teilen würde", sagte Poli.

Vor dem Austausch verfügte der italienische Chirurg lediglich über begrenztes Wissen in den Bereichen Marketing und Kommunikation. Doch seine Zeit in Spanien half ihm bei der Planung einer Medienstrategie, die letztendlich zu Fernsehauftritten führte und die Sichtbarkeit seines neuen Unternehmens erhöhte.

Poli zufolge lag die größte Schwierigkeit bei der Gründung seines Unternehmens in der Sicherung ausreichender finanzieller Unterstützung für sein Projekt.

"Ich musste medizinische Geräte kaufen und eine Klinik renovieren, also brauchte ich etwa 200.000 Euro. Letztendlich habe ich mich um europäische Förderung beworben, die von meiner Regionalbehörde verteilt wurde. Das Unternehmen hat sich zu einem wirklichen Erfolg entwickelt: Die Nachfrage ist groß und wir haben wirklich viel zu tun. Den Kredit werden wir nächstes Jahr bereits zurückzahlen können", sagte Poli gegenüber EURACTIV.

Für das Programm Erasmus für Jungunternehmer waren ursprünglich 3 Millionen Euro vorgesehen. Im zweiten Jahr werden dem Programm nun 5 Millionen Euro zur Verfügung stehen, wodurch deutlich mehr Unternehmen eine Chance auf Förderung erhalten.

Pünktlich zum ersten Jahrestag des Programms bestätigte Christian Weinberger, der bei der Europäischen Kommission die Abteilung für Unternehmertum leitet, die Ausdehnung des Programms auf fünf neue Länder: Dänemark, die Tschechische Republik, die Niederlande, Lettland und Slowenien. Damit steigt die Zahl der beteiligten Länder auf 24 an.