EU-China-Gipfel: Vage Fortschritte und "noch viel zu tun"
Die EU-Spitzen und die Führung Chinas haben sich darauf verständigt, die Verhandlungen zum Abschluss eines Investitionsabkommens zu beschleunigen. Sorgen bereitet der EU indes die Menschenrechtslage in China.
Die EU-Spitzen und die Führung Chinas haben sich bei einem virtuellen Gipfel am Montag darauf verständigt, die Verhandlungen zum Abschluss eines seit langem angestrebten Investitionsabkommens zu beschleunigen. Viele konkrete Fortschritte gab es allerdings nicht. Darüber hinaus äußerte die EU-Seite ihre Besorgnis bezüglich der Achtung der Menschenrechte in China sowie des chinesischen Umgangs mit Hongkong.
Das EU-Team – Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Ratspräsident Charles Michel und Bundeskanzlerin Angela Merkel als Vertreterin der deutschen Ratspräsidentschaft – machte Chinas Präsidenten Xi Jinping offenbar deutlich, dass die Union beim Thema Handel und Wirtschaft nicht länger „ausgenutzt“ werden wolle.
Es brauche gerechtere Beziehungen im Handel: „Europa muss ein Spieler sein, kein Spielfeld,“ so EU-Ratspräsident Michel nach dem Gipfel gegenüber der Presse.
„Wir wollen mehr Fairness. Wir wollen ein ausgewogeneres Verhältnis, was auch Gegenseitigkeit und gleiche Wettbewerbsbedingungen [level playing field] bedeutet,“ fügte der Belgier hinzu.
Das gestrige Treffen sei in dieser Hinsicht „ein weiterer Schritt vorwärts auf dem Weg zu einem ausgewogeneren Verhältnis mit China“.
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Es war das zweite hochrangige Treffen zwischen Teams der EU und China in diesem Sommer. Im Juni hatte es bei einem Videogipfel wenig Erfolg zu vermelden gegeben.
Während beide Gipfeltreffen aufgrund der Coronavirus-Pandemie lediglich virtuell stattfinden konnten, legte Bundeskanzlerin Merkel gestern nahe, ein groß angelegter EU27-China-Gipfel könnte gegebenenfalls im kommenden Jahr in Brüssel stattfinden – wenn die Gesundheitssituation dies zulässt.
Merkel sprach nach dem gestrigen Treffen von einem „guten, ehrlichen, offenen Austausch, der fortgesetzt werden sollte“.
Investitionsabkommen
Das Gespräch endete mit dem Versprechen, die Verhandlungen über ein Investitionsabkommen noch vor Ende des Jahres zu „beschleunigen“.
Merkel erklärte dazu: „Insgesamt muss die Zusammenarbeit mit China auf bestimmten Prinzipien beruhen, wie Reziprozität und einem fairen Wettbewerb.“
Man habe unterschiedliche Gesellschaftssysteme, sei aber dem Multilateralismus verpflichtet; und ein solcher Multilateralismus müsse “regelbasiert” sein, so die Kanzlerin.
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Im Gespräch mit der Presse nach dem Treffen sagte Kommissionspräsidentin von der Leyen, es sei ein positives Zeichen, dass China ein hochrangiges Team geschickt habe, um über den Investitionspakt zu verhandeln.
“Jetzt wurde in Bezug auf drei wichtige Fragen eine Einigung erzielt,” erklärte die Kommissionschefin: „Zunächst über die Disziplin in Bezug auf das Verhalten staatlicher Unternehmen; dann über erzwungenen Technologietransfer; und schließlich über die Transparenz von Subventionen.“
Dies sei zwar ein Fortschritt, insgesamt gebe es aber „noch viel zu tun“.
Diese gelte insbesondere für die Bereiche Marktzugang und nachhaltige Entwicklung. In diesen müsse China nun weitere Schritte unternehmen und die europäische Seite „davon überzeugen, dass es sich lohnt, ein Investitionsabkommen zu haben“.
Lebensmittelkennzeichnungen
Schon vor der Debatte war ein Abkommen über geschützte Angaben bei Lebensmittel- und Getränkeprodukten vereinbart worden. So sollen 100 geografische Angaben der EU in China sowie 100 chinesische geografische Angaben in der EU vor „Nachahmung und widerrechtlicher Aneignung“ geschützt werden.
In einer Mitteilung der EU-Kommission wurde präzisiert: „Die EU-Liste der in China zu schützenden geografischen Angaben umfasst so bekannte Erzeugnisse wie Cava, Champagner, Feta, Irish Whiskey, Münchener Bier, Ouzo, Polska Wódka, Porto, Prosciutto di Parma oder Queso Manchego.“
Das Abkommen wird voraussichtlich Anfang 2021 in Kraft treten.
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Menschenrechte
Immerhin könne man festhalten, dass der Menschenrechtsdialog fortgesetzt wird: Es gebe „Berührungspunkte“ für ein weiteres gemeinsames Vorgehen, sagte Merkel, schränkte jedoch ein: „Das heißt aber noch nicht, dass es Übereinstimmung in diesen Fragen gibt.“
An der Pressekonferenz nach dem Gipfel nahm Präsident Xi nicht teil. Ebenso gab es keine gemeinsame Abschlusserklärung. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua News Agency berichtete allerdings, dass Xi jegliche Einmischung in chinesische Angelegenheiten, insbesondere in Fragen der Menschenrechte, ablehne.
„Das chinesische Volk wird keine ‚Ausbilder‘ für Menschenrechte akzeptieren und sich gegen ‚doppelte Standards‘ stellen,“ wird Xi zitiert.
Er habe beim Gespräch lediglich klar gemacht: „China ist bereit, den Austausch mit der europäischen Seite auf der Grundlage des Prinzips des gegenseitigen Respekts zu verstärken, damit beide Seiten Fortschritte machen können.“
Im Vorfeld des Treffens hatten EU-Parlamentsabgeordnete einen gemeinsamen Brief an Merkel, Michel und von der Leyen geschickt, in dem sie „gezielte Sanktionen und das Einfrieren von Vermögenswerten chinesischer Beamte“ fordern, die für Politikmaßnahmen verantwortlich sind, „die die Menschenrechte verletzen“.
Sie hatten weiter geschrieben: „Der bevorstehende EU-China-Gipfel bietet die Gelegenheit, die Rhetorik der EU in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen in China mit konkreten Maßnahmen zu verbinden.“
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]
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