EU-Brandschutz-Verordnung für Zigaretten

Die EU-Kommission will das Gesundheitsrisiko von Zigaretten bekämpfen. Mittels "RIP"-Verfahren sollen die Zündneigung und somit das Brandrisiko von Zigaretten vermindert werden.

Die mühsame Revision der Richtlinie: Zigaretten qualmen, Köpfe rauchen. © birgitH / PIXELIO
Die mühsame Revision der Richtlinie: Zigaretten qualmen, Köpfe rauchen. © birgitH / PIXELIO

Die EU-Kommission will das Gesundheitsrisiko von Zigaretten bekämpfen. Mittels „RIP“-Verfahren sollen die Zündneigung und somit das Brandrisiko von Zigaretten vermindert werden.

Derzeit werden die meisten Brände mit Todesfolge in Europa von unbeaufsichtigt brennenden Zigaretten ausgelöst. Daher hat die EU-Kommission verfügt, dass alle in der EU verkauften Zigaretten einem RIP-Verfahren genügen müssen. RIP steht dabei für "Reduced Ignition Propensity" und bedeutet so viel wie "verminderte Zündneigung".

"Von RIP-Zigaretten geht ein geringeres Brandrisiko aus, denn sie verlöschen von selbst, wenn nicht an ihnen gezogen wird. Dieses Verfahren gibt es bereits in mehreren Ländern außerhalb Europas (USA, Kanada und Australien) und seit April 2010 auch im EU-Mitgliedsstaat Finnland", heißt es in der Pressemitteilung der Europäischen Kommission.

Am 17. November 2011 werden die Verweise auf die neuen Sicherheitsbestimmungen im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Ab dann ist dieses Verfahren für alle in der Europäischen Union verkauften Zigaretten vorgeschrieben. Für die Durchsetzung der neuen Brandschutzanforderungen sind die nationalen Behörden zuständig.

Keine sicheren Zigaretten

Dazu erklärte der für Gesundheit und Verbraucher zuständige EU-Kommissar John Dalli: "Eine wirklich sichere Zigarette gibt es nicht. Am sichersten ist es ohnehin, überhaupt nicht zu rauchen. Wer dennoch rauchen möchte, soll wissen, dass nach den neuen Sicherheitsbestimmungen die Tabakindustrie künftig nur mehr Zigaretten mit verminderter Zündneigung herstellen darf. Dies müsste Hunderte von Menschen vor dieser Brandgefahr schützen."

In den Jahren 2003 bis 2008 ereigneten sich in der EU jährlich über 30.000 Brände, die durch Zigaretten verursacht wurden. Dabei starben jährlich mehr als 1.000 Menschen und mehr als 4.000 wurden verletzt. In Finnland ging die Zahl der Opfer von Bränden, die durch Zigaretten ausgelöst wurden, nach Einführung des RIP-Verfahrens um 43 Prozent zurück. Die EU schätzt daher, dass dank des RIP-Verfahrens in der EU jedes Jahr etwa die 500 Menschenleben gerettet werden könnten.

RIP-Zigaretten

Neu an den künftig geltenden Bestimmungen ist die Forderung nach verminderter Zündneigung, so dass unbeaufsichtigt brennende Zigaretten keine Brände mehr verursachen. Die Hersteller von Zigarettenpapier lassen inzwischen an zwei Stellen der Zigarette zwei dickere Papierringe ein. Wenn der brennende Tabak einer Zigarette, an der nicht gezogen wird, auf einen dieser Ringe stößt, erlischt die Zigarette mangels ausreichender Sauerstoffzufuhr. RIP-Zigaretten haben somit eine verminderte Abbrenndauer, wodurch das Risiko sinkt, dass sie Möbel, Bettzeug oder andere entzündliche Materialien in Brand setzen, heißt es in der Erklärung der Kommission.

Rauchfreies Europa

Die EU-Kommission weist zudem darauf hin, dass in Europa der Tabakmissbrauch das wichtigste vermeidbare Gesundheitsrisiko darstellt, das EU-weit jährlich schätzungsweise mehr als 500.000 Todesopfer fordert. Die Kommission setzt sich weiterhin für ein "rauchfreies Europa" ein, u.a. im Rahmen der EU-Kampagne "Ex-Raucher sind nicht aufzuhalten".

Red

Links


Kommission:
EU verordnet Brandschutz für Zigaretten (14. November 2011)

Kommission: EU möchte durch Zigaretten verursachte Brände eindämmen und damit jährlich Hunderte von Menschenleben retten (14. November 2011)

Zum Thema auf EURACTIV.de

"Eklatante Defizite" bei Nichtraucherschutz (23. März 2011)