EU besorgt über Googles Datenschutzrichtlinien auf YouTube [DE]

Die Europäische Kommission untersucht derzeit, wie Google mit den Daten umgeht, die es von den Zuschauern des offiziellen EU- Kanals auf dessen Tochterseite YouTube, EU Tube, erhält.

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Die Europäische Kommission untersucht derzeit, wie Google mit den Daten umgeht, die es von den Zuschauern des offiziellen EU- Kanals auf dessen Tochterseite YouTube, EU Tube, erhält.

„Wir stehen in Kontakt mit Google, um zu erfahren, was sie mit den Informationen tun, die sie von den Benutzern erhalten, die auf EU-Inhalte bei YouTube zugreifen“, sagte Joseph Hennon, der Kommissionssprecher für Informationspolitik, EURACTIV und machte deutlich, dass dieses Problem nicht nur beim EU Tube Kanal, sondern auch bei YouTube-Videos bestehe, die auf Webseiten der EU-Institutionen eingebettet sind. 

In Brüssel schließt man drastische Maßnahmen nicht aus. „Das Ergebnis unserer Gespräche könnte eine neue Vereinbarung mit Google sein, oder das Erscheinen einer gut wahrnehmbaren Datenschutzerklärung  in allen EU-Videos“, sagte Hennon. Auf die Frage, ob die Kommission YouTube verlassen solle, antwortete der Sprecher: „Das ist theoretisch möglich. Wir ziehen auf jeden Fall andere Kanäle in Betracht, wie zum Beispiel DailyMotion“, die französische Alternative zu YouTube die allerdings weitaus weniger bekannt ist als die Google-Tochter.

Die EU-Kommission hat bis jetzt die Präsenz in anderen weit verbreiteten Internetdiensten, wie Second Life oder MySpace, ausgeschlossen. Nichtsdestotrotz haben drei EU-Kommissare Seiten bei Facebook (Meglena KunevaMargot Wallström, und Louis Michel) und es wird über „eine offizielle Vertretung bei Twitter“ nachgedacht, so Hennon.

Das Hauptproblem mit YouTube liegt darin, dass Google und die EU Web-Cookies unterschiedlich handhaben. Als Web-Cookies bezeichnet man die Daten, die auf dem Computer des Benutzers gespeichert werden, wenn er auf eine Internetseite, oder einen Internetdienst zugreift.

Die offizielle Webseite der EU benutzt so genannte Sitzungs-Cookies, die die Handlungen des Benutzers nur so lange speichern, wie er mit der Webseite verbunden ist. „Sobald der Benutzer „Europa“ verlässt, werden die Cookies gelöscht“, erklärt Hennon.

Google und somit auch YouTube verfolgen eine völlig andere Politik. Das US-Unternehmen speichert die Cookies seiner Benutzer auf Monate hinaus und benutzt sie, um das Surfverhalten seiner Nutzer zu analysieren, um ihre potentiellen Interessen als Kunden herauszufinden. Diese Information werden dann an Werbeanbieter verkauft, die auf die Zielperson zugeschnittene Werbung einblenden können. Dieser Prozess wird in der YouTube Datenschutzerklärung erläutert.

Offiziellen Angaben zu Folge wurden die Videos des EU Tube Kanals seit seiner Aktivierung vor 18 Monaten, 14 Millionen Mal aufgerufen. Googles Datenbanken enthalten also das Surfverhalten aller YouTube Benutzer und die Firma erstellt persönliche Profile für diejenigen die ein YouTube-Benutzerkonto haben, beziehungsweise anonyme Profile für die anderen.

Die EU-Webseite wird pro Tag von durchschnittlich 500.000 Benutzern besucht, die ebenfalls von Google erfasst werden, sobald sie ein YouTube-Video aufrufen, das in das offizielle EU-Portal eingebettet ist.

Diese Problematik hatte auch in den Vereinigten Staaten Sorgen ausgelöst und die neue Obama-Regierung hat kürzlich die Nutzung von eingebetteten YouTube-Videos auf der offiziellen Webseite des weißen Hauses eingestellt. Das dies aus Gründen des Datenschutzes geschehen ist, wird aber abgestritten.

Peter Fleischer, Googles Datenschutzbeauftragter, erklärte EURACTIV, „YouTube hat starke und robuste Datenschutzrichtlinien, die unsere Nutzer schützen. Wir sind sicher, dass die Kommission mit ihnen zufrieden sein wird.“