EU-Bericht: Uran wird knapp

Die Debatte um die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke könnte sich erübrigen. Uran wird knapp und immer teurer, berichtet die Euratom Supply Agency (ESA).

Brennstoffe für Kernkraftwerke in Biblis (Hessen)  Foto: dpa.
Brennstoffe für Kernkraftwerke in Biblis (Hessen) Foto: dpa.

Die Debatte um die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke könnte sich erübrigen. Uran wird knapp und immer teurer, berichtet die Euratom Supply Agency (ESA).

Der Atombrennstoff Uran wird sich dem Jahresbericht der Euratom Supply Agency (ESA) zufolge in den kommenden Jahren rasant verknappen und verteuern. Spätestens ab 2020 werde das Uran aus den erschlossenen Minen nicht mehr ausreichen, um den heutigen Verbrauch von knapp 70 Kilotonnen zu decken, berichtet die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf die ESA-Daten. 

Bereits seit 1990 übersteige der Uran-Bedarf die weltweite Produktion und müsse aus Lagerbeständen und abgerüsteten Atomwaffen aufgefüllt werden. Käme es zu dem von der OECD-Nuklearbehörde NEA angestrebten Ausbau der weltweiten AKW-Leistung von heute 375 auf mindestens 550 Gigawatt, wäre laut "Berliner Zeitung" bereits 2025 nicht mehr genug Uran am Markt.

NEA geht allerdings davon aus, dass die Uran-Reserven noch sehr lange ausreichen. Sollte der Verbrauch auf dem Niveau von 2008 bleiben, würden die identifizierten Ressourcen den Bedarf mehr als 100 Jahre lang decken können, heißt es in einem Bericht vom Juli.

Deutschland betreibt derzeit 17 Reaktoren, die 26,1 Prozent der Gesamtstromproduktion ausmachen. Im EU-Vergleich sind in Frankreich mit Abstand die meisten Reaktoren am Netz, nämlich 58. Die Uran-Hauptlieferanten der EU sind Australien, Russland, Kanada, Niger und Kasachstan.

Die Förderung in Niger durch den französischen Staatskonzern Areva steht massiv in der Kritik. "Arbeiter sterben, Wasser und Staub sind verseucht", schreibt der Spiegel.

"Derzeit stehen mehrere Länder Afrikas unter einem massiven Ansturm internationaler Uranexplorations- und abbaufirmen", schreibt das Projekt uranium-network.org der NGO Menschenrechte 3000. "In der Folge wird Uran unter Umständen abgebaut, wie sie in den westlichen industrialisierten Ländern nicht genehmigungsfähig wären – auf Kosten der Menschen vor Ort, deren Gesundheit, mit extrem negativen Folgen für die Umwelt und eine nachhaltige Entwicklung in den Ländern".

15 von 27 EU-Mitgliedsstaaten produzieren heute Atomenergie. Italien und Polen planen derzeit den Einstieg. Einige europäische Länder kündigen neue Atommeiler an.

Lutz Mez, Umweltexperte an der FU Berlin, bestreitet allerdings ein weltweites Comeback der Atomenergie. Vielmehr versuche die internationale Atomlobby seit Jahren eine Renaissance herbeizureden, so Mez in einem Standpunkt auf EURACTIV.de Anfang März.

awr

Mehr zum Thema

EURACTIV.de: Barroso sieht Atomkraft im Aufwind (29. April 2010)

EURACTIV.de: Atom-Comeback in Europa? (28. April 2010)

EURACTIV.de: Mez: Atom-Renaissance – Viel Rauch um Nichts? (10. März 2010)

Spiegel.de: Uranförderung in Niger – Der gelbe Fluch (2. April 2010)

Links


Euratom Supply Agency (ESA):
Annual reprot 2009 (August 2010)

OECD Nuclear Energy Agency (NEA): Internetseite

OECD Nuclear Energy Agency (NEA): Latest data shows long-term security of uranium supply (20. Juli 2010

uranium-network.org: Internetseite