EU-Behörden weisen Vorwürfe der Parteilichkeit bei Glyphosat-Bewertung zurück
Die beiden europäischen Agenturen, die dafür zuständig sind, zu das mit einer erneuten Zulassung von Glyphosat verbundene Risiko zu bewerten, haben ihren Ansatz hierfür gegenüber Kritik von EU-Abgeordneten verteidigt.
Die beiden europäischen Agenturen, die dafür zuständig sind, zu das mit einer erneuten Zulassung von Glyphosat verbundene Risiko zu bewerten, haben ihren Ansatz hierfür gegenüber Kritik von EU-Abgeordneten verteidigt.
Da die derzeitige EU-Zulassung für das weit verbreitete, aber umstrittene Herbizid im Dezember ausläuft, sind die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) und die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) damit beauftragt, die mit Glyphosat verbundenen potenziellen Risiken neu zu bewerten.
Der mehrstufige Bewertungsprozess soll nach einigen Verzögerungen Mitte 2023 abgeschlossen werden.
Der Ausschuss für Risikobeurteilung der ECHA hatte vor kurzem seine Stellungnahme zu den mit dem Stoff verbundenen Risiken abgegeben und dabei seine frühere Einschätzung bestätigt, dass Glyphosat auf der Grundlage der verfügbaren Beweise nicht als krebserregend eingestuft werden kann.
„Im Großen und Ganzen ist der Hauptteil der wissenschaftlichen Anhaltspunkte bemerkenswert unverändert geblieben“, erklärte der Vorsitzende des Ausschusses, Tim Bowmer, am Montag (11. Juli) während einer Anhörung mit Vertreter:innen der beiden Agenturen im Umweltausschuss des EU-Parlaments.
Laut Bowmer gebe es „kaum große Studien“, die auf ein Krebsrisiko hätten hinweisen können.
Einige der Abgeordneten bezweifelten jedoch, dass der Ausschuss alle relevanten Beweisstücke berücksichtigt habe und warfen ihm vor, sich zu sehr auf von der Industrie finanzierte Studien zu konzentrieren.
„Ich bin besorgt […], dass die Einstufungen nicht konsequent alle unvoreingenommenen Studien berücksichtigen“, sagte die sozialdemokratische Abgeordnete Jytte Guteland, während die linke Europaabgeordnete Anja Hazekamp so weit ging zu erklären, dass „wir alle wissen“, dass die ECHA-Bewertungen „nicht auf vollständigen und zuverlässigen Daten beruhen.“
Bowmer wies jedoch den Vorwurf zurück, der Ausschuss habe relevante Daten ignoriert. „Es tut mir leid – das ist nicht der Fall“, betonte er und fügte hinzu, das Gremium habe sich „alle verfügbaren Studien angesehen und sie nach den einschlägigen Kriterien bewertet.“
„Wir haben uns keineswegs die Rosinen herausgepickt“, betonte er.
EU-Ausschuss stuft Glyphosat als nicht krebserregend ein
Das Herbizid Glyphosat ist laut einem Expertenausschuss der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) nicht als krebserregend einzustufen.…
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„Nie dagewesener“ Arbeitsaufwand
Unterdessen bemängelten die Abgeordneten auch den verzögerten Zeitplan für die endgültige Risikobewertung.
Ursprünglich sollte diese noch vor Ende des Jahres und damit vor dem Auslaufen der aktuellen Glyphosat-Zulassung vorliegen. Die Behörden hatten sie jedoch kürzlich auf Juli 2023 verschoben, um die Flut an Rückmeldungen von Interessengruppen zu bewältigen.
Die Masse an Einsendungen an die Behörden hat zu einem „absolut beispiellosen Arbeitsaufwand im Vergleich zum üblichen Pensum“ geführt, sagte Manuela Tiramani, die Leiterin des EFSA-Referats für die Prüfung von Pestiziden.
Normalerweise, so erklärte sie, könnten etwa sechs oder sieben Mitarbeiter:innen die Arbeit im Zusammenhang mit der öffentlichen Konsultation für die Bewertung eines Stoffes in 45 bis 50 Tagen abschließen. Im Falle von Glyphosat hingegen hätten 29 Mitarbeiter:innen bereits 200 Tage und mehr damit verbracht, fügte sie hinzu.
Doch nicht alle Parlamentarier:innen ließen sich von dieser Erklärung überzeugen.
Die grüne Europaabgeordnete Hazekamp sagte, sie finde es „unglaublich beschämend, dass Sie jetzt kommen und sagen, Sie hätten diese Zeit verschwendet und könnten Ihre Schlussfolgerung nicht rechtzeitig vorlegen.“
Die konservative Europaabgeordnete Maria Spyriaki forderte ihrerseits die Agenturen auf, die Bewertung „so schnell wie möglich“ abzuschließen, um das Vertrauen der Bürger:innen in den Prozess nicht zu verlieren.
Glyphosat-Zulassung: Interessengruppen streiten über wissenschaftliche Grundlage
Derzeit erwägt die EU eine Erneuerung der Zulassung für das umstrittene Herbizid Glyphosat. Die Industrie…
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[Bearbeitet von Natasha Foote/Nathalie Weatherald]