EU-Austritt: Deutsche wollen keinen "Dexit"

Die EU-Mitgliedschaft wird von der überwältigenden Mehrheit der Deutschen befürwortet. Auch die meisten rechten Wähler befürworten den Verbleib in der EU, wie eine neue, am Donnerstag (9. November) veröffentlichte, Umfrage zeigt.

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Nur sieben Monate vor den Europawahlen im Juni 2024 genießt die EU-Mitgliedschaft weiterhin große Unterstützung in der deutschen Bevölkerung. Dies geht aus einer Umfrage der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung hervor. [Shutterstock/Mo Photography Berlin]

Die EU-Mitgliedschaft wird von der überwältigenden Mehrheit der Deutschen befürwortet. Auch die meisten rechten Wähler befürworten den Verbleib in der EU, wie eine neue, am Donnerstag (9. November) veröffentlichte, Umfrage zeigt.

Nur sieben Monate vor den Europawahlen im Juni 2024 genießt die EU-Mitgliedschaft weiterhin große Unterstützung in der deutschen Bevölkerung. Dies geht aus einer Umfrage der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung hervor.

In der Umfrage, die zwischen Juni und September durchgeführt wurde, sprachen sich 87 Prozent der Befragten für den Verbleib Deutschlands in der EU aus, während zehn Prozent dagegen waren.

Auch AfD-Wähler sind mehrheitlich dafür: 52 Prozent der Befragten (potentiellen) AfD-Wähler gaben an, dass sie Deutschlands EU-Mitgliedschaft unterstützen. Grüne Wähler zeigten den größten Zuspruch mit 97 Prozent auf.

Wähler, die der AfD nahe stehen, waren jedoch auch am stärksten gegen einen Verbleib Deutschlands in der EU: 42 Prozent von ihnen sind gegen eine Mitgliedschaft – im Vergleich zu weniger als zehn Prozent der Sympathisanten anderer Parteien.

Die Autoren der Studie betonen zwar, dass „die Deutschen traditionell als europafreundlich gelten.“ Die Ergebnisse unter den Wählern des rechten Spektrums verdeutlichen jedoch einen klaren Wandel in der Wahrnehmung der EU.

So waren Austrittsszenarien früher ein Lieblingsthema der Rechtspopulisten in der gesamten EU. Doch selbst die AfD traut sich nicht mehr, für einen EU-Austritt in Deutschland zu werben. Noch vor Kurzem machte sie einen Rückzieher, nachdem ihre frühere Forderung einer „kontrollierten Auflösung“ der EU Eingang in einen Entwurf des Wahlprogramms für die Europawahl 2024 gefunden hatte.

Ihr Spitzenkandidat, der als Hardliner geltende Maximilian Krah, bestritt, dass die Partei den Austritt Deutschlands wolle, während alle anderen drin bleiben. Stattdessen schlug er vor, die EU-Institutionen zu beschneiden, was die neue Richtung des deutschen Euroskeptizismus verdeutlicht.

Inmitten mehrerer globaler Krisen scheint die EU als wichtiger Akteur in Schlüsselfragen wahrgenommen zu werden, so die Befragten, von denen weniger als ein Fünftel der Meinung war, dass die europäische Integration zu weit gegangen sei.

Stattdessen stimmte eine überwältigende Mehrheit stark oder sehr stark zu, dass die Ressorts Wirtschaft, Klimawandel, Verteidigung und Migration in der Verantwortung der EU liegen sollten.

[Bearbeitet von Kjeld Neubert]