EU-Agentur: Tiere müssen kürzer und unter besseren Bedingungen transportiert werden
Tiere brauchen beim Transport mehr Platz, niedrigere Temperaturen und kürzere Strecken, damit ein angemessener Schutz gewährleistet ist. Das geht aus Gutachten hervor, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vorgelegt hat.
Tiere brauchen beim Transport mehr Platz, niedrigere Temperaturen und kürzere Strecken, damit ein angemessener Schutz gewährleistet ist. Das geht aus einer Reihe von Gutachten hervor, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Rahmen der laufenden Überarbeitung der EU-Tierschutzvorschriften vorgelegt hat.
Die fünf wissenschaftlichen Gutachten, die von der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben und am Mittwoch (7. September) veröffentlicht wurden, befassen sich mit dem Schutz von Tieren beim Transport, angefangen bei kleinen Wiederkäuern wie Schafen und Ziegen bis hin zu Großtieren wie Pferden und Rindern.
In den Stellungnahmen werden die verschiedenen Auswirkungen auf das Wohlergehen der Tiere in den verschiedenen Abschnitten des Transports aufgezeigt, einschließlich Stressbelastung, anhaltendem Hunger und Durst, Ruheproblemen und Bewegungseinschränkungen.
In den Stellungnahmen wird festgestellt, dass insgesamt mehr Platz, niedrigere Höchsttemperaturen und kürzere Transportzeiten erforderlich sind, um das Wohlergehen der Nutztiere während des Transports zu verbessern.
Außerdem ist laut den Gutachten das Konzept der ‚Transportfähigkeit‘ nicht ausreichend definiert. Die Verfasser:innen kommen deshalb zu dem Schluss, dass Leitlinien und Schwellenwerte auf der Grundlage tierbezogener Maßnahmen festgelegt werden sollten.
Außerdem wird darauf hingewiesen, dass bei Tieren, die in Containern transportiert werden – wie etwa bei Geflügel und Kaninchen – die Transportdauer als die gesamte Zeit betrachtet werden sollte, in der die Tiere in den Containern gehalten werden.
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Der Abteilungsleiter für Risikobewertung in der Produktion bei der EFSA, Guilhem de Seze, betonte in einer Erklärung, dass gute Tierschutzpraktiken „nicht nur unnötiges Leiden verringern, sondern auch dazu beitragen, dass die Tiere gesünder sind.“
„Dies ist ein Schlüsselelement für die Sicherheit der Lebensmittelkette, wenn man bedenkt, wie eng der Zusammenhang zwischen Tierschutz, Tiergesundheit und lebensmittelbedingten Krankheiten ist, ganz im Sinne des One-Health-Ansatzes, dem die EFSA verpflichtet ist“, sagte er.
Der sogenannte One-Health-Ansatz zielt darauf ab, einen kollaborativen, übergreifenden Ansatz zu schaffen, der die Zusammenhänge zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen und ihrer gemeinsamen Umwelt berücksichtigt, um optimale Ergebnisse in Sachen Gesundheit zu erzielen.
Für Olga Kikou von der Organisation Compassion in World Farming EU, haben die Ergebnisse der EFSA „nur bestätigt, was die Bürger:innen schon lange wissen – dass Tiere während des Transports leiden und dass die EU-Gesetzgebung nicht zweckmäßig ist.“
Allerdings hält sie die Empfehlungen der Behörde für „noch recht konservativ.“
„Die Politik muss unbedingt ehrgeiziger vorgehen als das bloße Minimum, über die [Mindestanforderungen] dass die Tiere nicht kollabieren und die von der Agentur skizzierten Empfehlungen hinaus“, betonte sie.
Die aktuell geltenden EU-Vorschriften zum Schutz von Tieren beim Transport traten 2005 in Kraft.
Die Erkenntnisse der EFSA werden in die laufende Überarbeitung der Tierschutzvorschriften durch die Europäische Kommission einfließen, die im Rahmen des Flaggschiffs der EU-Lebensmittelpolitik, der Farm-to-Fork-Strategie, vorgenommen wird,
Auf diese Weise will die EU-Exekutive die Gesetzgebung mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in Einklang bringen, ihren Anwendungsbereich erweitern, ihre Durchsetzung erleichtern und letztlich ein höheres Maß an Tierschutz gewährleisten.
Der Kommissionsvorschlag wird in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 erwartet.
In der Zwischenzeit bereitet die EU-Exekutive aufgrund einer Reihe von Vorfällen, bei denen Nutztiere auf See gestrandet sind, im Rahmen des bestehenden Rechtsrahmens auch tertiäre Rechtsvorschriften zur Verbesserung der amtlichen Kontrollen von Tiertransportern vor, die voraussichtlich Ende 2022 verabschiedet werden.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]