Estland wehrt massive russische Cyberattacke ab

Estland erklärte am Donnerstag, es habe "die umfangreichsten Cyberangriffe seit 2007" abgewehrt, kurz nachdem es sowjetische Denkmäler in einer Region mit einer ethnisch russischen Mehrheit entfernt hatte.

EURACTIV.com
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Ein estnischer Regierungsvertreter sagte am Donnerstag, die Auswirkungen des Angriffs hielten sich in Grenzen.

Estland erklärte am Donnerstag, es habe „die umfangreichsten Cyberangriffe seit 2007“ abgewehrt, kurz nachdem es sowjetische Denkmäler in einer Region mit einer ethnisch russischen Mehrheit entfernt hatte.

Zu dem Angriff bekannte sich die russische Hackergruppe Killnet, die am Mittwoch auf ihrem Telegram-Konto mitteilte, sie habe den Zugang zu mehr als 200 staatlichen und privaten Einrichtungen in Estland blockiert, darunter auch ein Online-Bürgeridentifikationssystem.

Ein estnischer Regierungsbeamter erklärte jedoch am Donnerstag, die Auswirkungen des Angriffs hielten sich in Grenzen.

„Gestern war Estland den umfangreichsten Cyberangriffen seit 2007 ausgesetzt“, twitterte Luukas Ilves, Staatssekretär für digitale Transformation im estnischen Ministerium für Wirtschaft und Kommunikation.

„Abgesehen von einigen kurzen und unbedeutenden Ausnahmen blieben die Webseiten den ganzen Tag über vollständig zugänglich. Der Angriff ist in Estland weitgehend unbemerkt geblieben“, fügte er hinzu.

Killnet, das bereits im Juni einen ähnlichen Angriff auf Litauen verübt hatte, erklärte, es hätte die Aktion in Reaktion auf die Auslagerung eines sowjetischen Tu-34-Panzers aus einer öffentlichen Ausstellung in der Stadt Narva in ein Museum durchgeführt.

Bei einem DDoS-Angriff versuchen Hacker, ein Netzwerk mit ungewöhnlich hohem Datenverkehr zu überlasten, um es dadurch lahm zu legen.

In Folge umfangreicher Angriffe auf öffentliche und private Websites, für die Estland Russland verantwortlich machte, das über die Entfernung einer Statue aus der Sowjetzeit verärgert war, leitete das Land 2007 Maßnahmen zur Verbesserung der Cybersicherheit ein.

Damals wurde das Rote-Armee-Denkmal von einem Platz in Tallinn entfernt, woraufhin es zwei Nächte lang zu Ausschreitungen seitens russischstämmiger Bürger:innen kam.

Am Dienstag ordnete nun die estnische Regierung die rasche Entfernung aller öffentlichen sowjetischen Denkmäler in der mehrheitlich russischsprachigen Stadt Narva an. Sie begründete dies mit den zunehmenden Spannungen und beschuldigte Russland, die Geschichte zur Spaltung der estnischen Gesellschaft zu instrumentalisieren.