Estland beschuldigt russischen Geheimdienst zum ersten Mal öffentlich für Cyberangriffe

Estland hat enthüllt, dass Moskau hinter einer Reihe von Cyberangriffen auf mehrere estnische Ministerien im Jahr 2020 steckte. Damit entschied sich die Regierung zum ersten Mal, ein anderes Land öffentlich für einen Cyberangriff verantwortlich zu machen.

Euractiv.com
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Vor vier Jahren wurden die IT-Dienste der estnischen Ministerien, darunter auch das Außenministerium, von Cyberangriffen heimgesucht. Nun hat Tallinn die Mitglieder der Einheit 29155 des russischen Militärgeheimdienstes (GRU) als Täter identifiziert. [EPA-EFE/VYACHESLAV PROKOFYEV/SPUTNIK/KREMLIN POOL MANDATORY CREDIT]

Estland hat enthüllt, dass Moskau hinter einer Reihe von Cyberangriffen auf mehrere estnische Ministerien im Jahr 2020 steckte. Damit entschied sich die Regierung zum ersten Mal, ein anderes Land öffentlich für einen Cyberangriff verantwortlich zu machen.

Vor vier Jahren waren die IT-Dienste der estnischen Ministerien, darunter auch das Außenministerium, von Cyberangriffen heimgesucht worden. Nun hat Tallinn die Mitglieder der Einheit 29155 des russischen Militärgeheimdienstes (GRU) als Täter identifiziert, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag (5. September) in einer Presseerklärung mitteilte.

Dies sei das erste Mal, dass der baltische Staat einen Cyberangriff, der auf ihn abziele, einem Täter zuschreibe, hieß es in der Erklärung weiter.

„Die Staatsanwaltschaft hat die Verhaftung von drei GRU-Offizieren beantragt und sie werden auf der Grundlage des vom Bezirksgericht Harju ausgestellten Haftbefehls international gesucht“, hieß es in einer Presseerklärung des Außenministeriums.

Die Zuschreibung ist ein sehr heikler Teil jeder Untersuchung von Cyberangriffen. Es ist naturgemäß schwierig, sie mit einer Person in Verbindung zu bringen und festzustellen, ob die Person, die hinter dem Angriff steckt, im Namen eines Staates gehandelt hat. Ebenso komplex ist es, die Täter vor Gericht zu bringen.

Die Zuschreibung zu russischen Diensten sei das Ergebnis einer nationalen und internationalen Untersuchung, an der zehn Staaten beteiligt gewesen seien, erklärte der estnische Außenminister Margus Tsahkna in einer Stellungnahme.

Die Untersuchung „hat gezeigt, dass es das Ziel Russlands war, nationale Computersysteme zu beschädigen, sensible Informationen zu erlangen und unserem Sicherheitsgefühl einen Schlag zu versetzen.“

Die Ermittler seien zu dem Schluss gekommen, dass die Angriffe „bösartig und vorsätzlich“ gewesen seien, hieß es in der Stellungnahme.

„Die Zuordnung von Angriffen im Cyberspace ist keine leichte Aufgabe, aber heute können wir eindeutig zeigen, dass wir dazu in der Lage sind und wir werden auch in Zukunft die Urheber von Angriffen gegen uns identifizieren“, fügte Tanel Sepp, Generaldirektor der Abteilung Cyberdiplomatie des Außenministeriums, hinzu.

Parallel dazu veröffentlichte das US-Justizministerium eine Anklageschrift, in der der Vorwurf erhoben wird, dass Hacker des russischen Militärgeheimdienstes versucht hätten, sich Zugang zu ukrainischen Regierungssystemen zu verschaffen. Damit sollten Informationen über den Krieg in der Ukraine beschafft werden.

[Bearbeitet von Owen Morgan/Nick Alipour]