Erste EU-Wasserstoffausschreibung soll Markteinschätzung erleichtern
Die erste Auktion zur Förderung der Erzeugung von grünem Wasserstoff in Europa wird nach Angaben der Europäischen Kommission dazu beitragen, Angebot und Nachfrage auf dem entstehenden EU-Markt zu verstehen, wenn sie Ende des Jahres stattfindet.
Die erste Auktion zur Förderung der Erzeugung von grünem Wasserstoff wird nach Angaben der EU-Kommission dazu beitragen, Angebot und Nachfrage auf dem europäischen Markt zu verstehen. Denn so richtig gibt es den Wasserstoff-Markt noch nicht.
Die Europäische Kommission hat Pläne zur Einrichtung einer Wasserstoffbank im März 2023 vorgestellt, die die Kostenlücke zwischen sauberem Wasserstoff und der derzeitigen Wasserstoffproduktion auf der Grundlage kohlenstoffhaltiger fossiler Brennstoffe schließen soll.
„Dies ist das erste Mal, dass wir eine solche Auktion durchführen, und wir hoffen wirklich, dass sie auch Klarheit über den Markt und den Marktpreis schaffen wird“, sagte Alexandre Paquot von der Klimaabteilung der Europäischen Kommission am 25. Mai auf einer EURACTIV-Veranstaltung.
Erneuerbarer Wasserstoff, der durch Wasserelektrolyse hergestellt wird, gilt als möglicher kohlenstoffarmer Rohstoff für die Industrie, als Brennstoff für schwer zu elektrifizierende Industriesektoren und als Energiespeicherlösung.
Die EU strebt bis 2030 eine Produktion von 20 Millionen Tonnen erneuerbaren Wasserstoffs an, wovon die Hälfte aus heimischen Quellen stammen soll.
Die Produktion ist jedoch immer noch deutlich teurer als die von fossilem Wasserstoff, und es sind derzeit nur 40 Gigawatt Elektrolyseur-Kapazität in Planung, verglichen mit den 160 Gigawatt, die in der EU eigentlich benötigt werden.
„Wir brauchen Unterstützung, und deshalb haben wir diese Wasserstoffbank ins Leben gerufen“, sagte Paquot und fügte hinzu, dass dies mit weiterer Unterstützung der EU-Länder einhergehe, einschließlich staatlicher Beihilfen und Geldern aus dem EU-Wiederauffbaufonds COVID.
Brüssel stellt „Wasserstoffbank“ mit 800 Millionen Euro Anschubfinanzierung vor
Die EU-Kommission will die Wasserstoffwirtschaft stützen, indem sie die Produktion subventioniert und einen Teil der…
5 Minuten
Details müssen noch festgelegt werden
Die erste Auktion zielt darauf ab, die Mittel für den Ausbau der europäischen Industrie effizient zuzuweisen und die Kosten zu senken, indem die Erzeugung von erneuerbarem Wasserstoff mit einer festen Prämie pro erzeugtem Kilogramm für maximal 10 Jahre belohnt wird.
Die Wasserstoffindustrie hat die Regelung begrüßt, zumal sie sich auf die Betriebskosten konzentriert, die 70 Prozent der standardisierten Kosten der Wasserstoffproduktion ausmachen, und lobt die einfachen Bedingungen, die bisher festgelegt wurden.
Was genau subventioniert wird soll allerdings im Herbst bekannt gegeben werden.
Laut Paquot will die EU-Kommission eine transparente Auktion ohne feste Obergrenze, um zu sehen, „wo der Markt enden wird.“ Dieser wettbewerbsorientierte Ausschreibungsmechanismus werde dazu beitragen, die Kosteneffizienz zu steigern, betont der Beamte.
Die Wasserstoffindustrie möchte den Anwendungsbereich der Auktionen ausweiten, um Mengen aus allen Branchen anzuziehen, die grünen Wasserstoff zur Dekarbonisierung in Betracht ziehen.
„Wenn die Wasserstoffbank sagt: ‚Nein, die nächste Runde ist nur für Stahlhersteller‘, was ist dann, wenn die Stahlhersteller nicht bereit sind? Was ist, wenn ihr Produkt noch nicht so weit ist, dass sie mitbieten können? Oder was ist, wenn sie zunächst nur eine kleine Investition tätigen und dann die Produktion hochfahren wollen?“, fragte Daniel Fraile, Chief Policy Officer beim Industrieverband Hydrogen Europe.
„Der Wettbewerb soll das wettbewerbsfähigste Produkt hervorbringen, das die niedrigste Prämie bietet, so dass mehr und mehr Volumen gefördert werden kann“, argumentierte er.
Andere fordern die EU auf, dafür zu sorgen, dass ihr Geld nicht verschwendet wird, da öffentliche Gelder zur Förderung des Einsatzes von erneuerbaren Energien und energiesparenden Technologien benötigt werden.
„Wenn wir nur einen bestimmten Geldbetrag ausgeben können, […] dann müssen wir wirklich klar und effizient darüber sein, wie wir dieses Geld ausgeben“, sagte Rheanna Johnston, eine politische Referentin für die Energiewende in der EU bei dem Klima-Thinktank E3G.
Sie fügte hinzu, dass Wasserstoff in den nächsten zehn Jahren relativ teuer und knapp bleiben werde, so dass die EU mit seiner Verwendung klug umgehen müsse.
Die Europäische Kommission ist sich der Tatsache bewusst, dass Wasserstoff knapp ist. Deshalb muss er auf Industrien ausgerichtet werden, die ihn am meisten benötigen und nicht ohne weiteres elektrifiziert werden können.
„Wenn wir die langfristige Dekarbonisierung unserer Wirtschaft betrachten, sehen wir deutlich, dass einige Sektoren mehr Wasserstoff benötigen werden als andere“, sagte Paquot.
Hydrogen Europe schlug vor, sektorale Auktionen durchzuführen, um einen fairen Wettbewerb zwischen den Anbietern zu fördern, und betonte, dass die Bank nicht exklusiv für bestimmte Sektoren sein sollte.
Nicht genug Geld?
Die erste Auktion wird mit 800 Millionen Euro aus dem EU-Innovationsfonds finanziert, der durch den Kohlenstoffmarkt der EU gespeist wird.
Es wird jedoch allgemein anerkannt, dass dies nicht ausreichen wird, um das erforderliche Wachstum bei der Erzeugung von grünem Wasserstoff voranzutreiben. Laut Patryk Demski von Tauron, einem polnischen Elektrizitätsunternehmen, deckt diese Summe kaum ein Projekt ab.
Auch die griechische Europaabgeordnete Maria Spyraki (EVP) sagte, die EU müsse mit den US-Subventionen gleichziehen, um wettbewerbsfähig zu sein.
„Meiner Meinung nach müssen wir sie mindestens so hoch ansetzen wie die US-Prämie. Wir müssen eine klare Botschaft an den Weltmarkt senden, dass Europa der richtige Ort für Investitionen in sauberen Wasserstoff ist“, sagte sie.
Die Kommission ist sich bewusst, dass die 800 Millionen Euro nicht ausreichen, und betont, dass die Summe nur für die Pilotphase gedacht ist. Paquot warnte aber auch davor, einen Subventionswettlauf mit den USA zu beginnen.
„Wenn wir es mit dem Inflation Reduction Act vergleichen und mit dem, was sie an Steuererleichterungen anbieten, ist das eine Menge Geld, und ich bin mir nicht sicher, ob wir in einen solchen Wettbewerb eintreten wollen“, sagte er.
„Wir wollen den Märkten die Möglichkeit geben, die kostengünstigste Art der Wasserstofferzeugung zu finden, und mit der Auktion werden wir die besten Projekte unterstützen“, fügte er hinzu.
[Bearbeitet von Frédéric Simon/Alice Taylor]