Eon-Chef Teyssen fordert EU-Energiepolitik aus einem Guss

Eon-Chef Johannes Teyssen drängt auf eine einheitliche europäische Energiepolitik. Zentrales Instrument müsse der Emissionshandel sein. Das System drohe allerdings zu scheitern. Der Konzernmanager hält eine Angleichung der europäischen Ökostromförderung langfristig für notwendig.

„Nur mit einem klaren Bekenntnis zu einer widerspruchsfreien und wirklich europaweit geltenden Energiepolitik können wir die Herausforderungen der nächsten Jahre meistern“, sagt Eon-Chef Johannes Teyssen. Foto: dpa.
"Nur mit einem klaren Bekenntnis zu einer widerspruchsfreien und wirklich europaweit geltenden Energiepolitik können wir die Herausforderungen der nächsten Jahre meistern", sagt Eon-Chef Johannes Teyssen. Foto: dpa.

Eon-Chef Johannes Teyssen drängt auf eine einheitliche europäische Energiepolitik. Zentrales Instrument müsse der Emissionshandel sein. Das System drohe allerdings zu scheitern. Der Konzernmanager hält eine Angleichung der europäischen Ökostromförderung langfristig für notwendig.

"Die Energiepolitik muss mit einer Feder geschrieben sein, nationalstaatliche Egoismen haben darin nichts mehr zu suchen", sagte der Manager in einem am Montag veröffentlichten Interview des "Handelsblatts". Die europäische Energie- und Klimapolitik müsse sich konsequenter auf ihr zentrales Instrument, den Emissionshandel, konzentrieren. Teyssen warnt vor nationalen Alleingängen.

Ohne Harmonisierung kein Desertec

Teyssen weist Befürchtungen zurück, eine EU-weit harmonisierte Förderung von Ökostrom (EURACTIV.de vom 14. Januar 2011) könnte das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) infrage stellen. "Diese Frage stellt sich heute noch nicht", so Theissen. Man müsse zu gegebener Zeit über alle nationalen Förderinstrumente – ob bei Kohle, Kernkraft oder Erneuerbaren – ergebnisoffen sprechen. "Wie will man sonst Desertec oder grenzüberschreitende Offshore-Projekte in das europäische Energieversorgungssystem integrieren, wenn jeder Nationalstaat seine eigenen Instrumente zur Förderung der erneuerbaren Energien hat?", fragt der Konzernchef.

Eon ist am Konsortium Desertec Industrial Initiative (DII) beteiligt, das erneuerbaren Strom aus Solar- und Windanlagen in Nordafrika und dem Nahen Osten nach Europa transportieren will.

Die deutsche Solarbranche fürchtet um die hohe Förderung durch das EEG, sollte es zu einer EU-Harmonisierung kommen. Dies würde Arbeitsplätze in Deutschland kosten. Theyssen hält dagegen, die deutsche Überförderung der Photovoltaik sei system- und wettbewerbsgefährdend. "Wenn man weiß, dass 60 Prozent der Solar-Panels aus China und weitere 20 Prozent aus anderen asiatischen Staaten kommen, ist klar, dass wir allenfalls die Lernkurve der Ingenieure aus diesen Staaten bezahlen."

Röttgen will für deutsche Ökostrom-Förderung kämpfen

EU-Energiekommissar Günther Oettinger will Anfang Februar vom EU-Energiegipfel ein Paket von Vorschlägen billigen lassen. Dabei geht es etwa um die Verringerung des Energieverbrauchs von Gebäuden und um den milliardenschweren Ausbau von Stromnetzen.

Überlegungen Oettingers, die Fördersysteme für Erneuerbare in der EU anzugleichen, stoßen in Berlin auf ein geteiltes Echo. Bundesumweltminister Norbert Röttgen sprach im Interview mit dem WDR von einer Kampfansage der EU-Kommission an die deutsche Energiepolitik.

Röttgen erklärte, wenn entsprechende Pläne in Brüssel umgesetzt würden, dann wäre das deutsche Energiekonzept hinfällig. "Eine EU-weite Harmonisierung wäre das Aus für unser Energiekonzept. Das könnten wir in die Papiertonne werfen." Entsprechende Planungen lehne er strikt ab, und er glaube nicht, dass es dazu komme. Die Bundesregierung bezwecke mit ihrem Konzept den Umbau der Energieversorgung hin zu erneuerbaren Energien, um in Deutschland Technologien, Märkte, Arbeitsplätze und Wertschöpfung zu erzielen. "Wenn es so käme, dass mit dem Geld der Deutschen in Süditalien und Spanien Märkte entwickelt werden und wir dabei bleiben, unsere Energie zu importieren, dann würde die gesamte Transformation ökonomisch unsinnig und sie würde auch die Akzeptanz in Deutschland verlieren." Röttgen kündigte im WDR an, für diese Position in Brüssel notfalls zu kämpfen. Es müsse beim nationalen und "außerordentlich erfolgreichen" Fördersystem bleiben.

Die Worte Röttgens stehen im Kontrast zu Äußerungen von Regierungssprecher Steffen Seibert nach einem Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Chefs der großen Energiekonzerne und Oettinger in der vergangenen Woche: "Es herrschte Einigkeit darüber, dass die von EU-Kommissar Oettinger vorgelegten Vorschläge im Wesentlichen eine gute Grundlage für eine ehrgeizige, nachhaltige Energiepolitik sind", erklärte Seibert zu dem Gespräch, zu dem Röttgen nicht eingeladen war.

Die Grünen haben eine Kampagne gegen EU-Pläne gestartet, die Förderung von erneuerbaren Energien zu harmonisieren (EURACTIV.de vom 20. Dezember 2010).

Eon-Chef: Emissionshandel droht zu scheitern

Theyssen fordert, sich im Klimaschutz auf den Emissionshandel zu konzentrieren. "Der Emissionshandel ist optimal geeignet, Kohlendioxideinsparungen dort vorzunehmen, wo es am effizientesten ist", so der Eon-Chef. Das System werde aber weder von der EU-Kommission noch von den Staaten geschützt. Nationale Quoten für erneuerbare Energien, nationale Fördersysteme, Ausnahmen, Sonderausstattungen einzelner Staaten mit Zertifikaten oder Kohlesubventionen griffen massiv in das System ein und beraubten es seiner Wirkung. "Wenn das so weiter geht, werden wir eines Tages feststellen müssen, dass das System gescheitert ist."

EURACTIV/rtr/awr

Links


Presse

Handelsblatt: "Wir erweitern das internationalen Spielfeld" (17. Januar 2011)

WDR5: Platz der Republik. Interview des Monats: Norbert Röttgen (13. Januar 2011)

Dokumente

EU-Parlament: Entschließung des Europäischen Parlaments vom 25. November 2010 zu dem Thema "Weg zu einer neuen Energiestrategie für Europa 2011-2020" (25. November 2010)

EU-Kommission: Energieinfrastrukturprioritäten bis 2020 und danach – ein Konzept für ein integriertes europäisches Energienetz (17. November 2010)

EU-Kommission: Energie 2020. Eine Strategie für wettbewerbsfähige, nachhaltige und sichere Energie (10. November 2010)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

Röttgen stellt sich gegen Oettinger (14. Januar 2011)

EU-Energiepolitik: Oettinger als trojanisches Pferd? (20. Dezember 2010)

Die Vision vom Super Grid (8. März 2010)

Fahrplan zur Energiestrategie (20. Dezember 2010)

Energieeffizienz: EU-Parlament fordert verbindliches Ziel (16. Dezember 2010)

Energiegroßhandel: Neue EU-Regeln gegen Marktmissbrauch (8. Dezember 2010)

Oettinger will mehr regionale Kooperation (7. Dezember 2010)

Oettinger will europäische Energiepolitik erzwingen (6. Dezember 2010)

Einheitliche Förderung für Europas Erneuerbare? (26. November 2010)

Oettinger legt Energie-Infrastrukturpaket vor (17. November 2010)

EU-Kommission legt Energiestrategie 2020 vor (10. November 2010)

Europas Erneuerbare: "Standortoptimierung wäre verfrüht" (22. September 2010)

Christian Hey: "Die Brücke steht schon" (5. Mai 2010)

Wie europäisch ist das Energiekonzept 2050? (6. September 2010)