Energiekrise: Belgischer Premier ruft zur Vorbereitung auf das Schlimmste auf
Die Belgier:innen sollten sich auf das Schlimmste gefasst machen, sagte Premierminister Alexander de Croo am Montag. Kraftstoffpreise und Stromrechnungen dürften laut de Croo wohl bald Rekordhöhen erreichen.
Die Belgier:innen sollten sich auf das Schlimmste gefasst machen, sagte Premierminister Alexander de Croo am Montag. Kraftstoffpreise und Stromrechnungen dürften laut de Croo wohl bald Rekordhöhen erreichen.
Die Preise für Diesel und Heizöl in Belgien werden voraussichtlich am Dienstag ein weiteres Rekordhoch erreichen, während der Preis für Diesel B7 pro Liter zwei Euro überschreiten und damit das Niveau vom Juli erreichen könnte, wie der Föderale Öffentliche Dienst des Landes am Montag mitteilte.
„Die nächsten fünf bis zehn Winter werden schwierig sein. Die Entwicklungen sind in ganz Europa sehr hart. Einige Sektoren haben mit diesen hohen Energiepreisen ernsthafte Schwierigkeiten“, sagte De Croo bei der Besichtigung eines Flüssigerdgas-Terminals in Seebrügge.
„Wir müssen das durchstehen. Wir müssen auf das Beste hoffen und uns auf das Schlimmste vorbereiten. Und wenn sich die Situation als besser als erwartet herausstellt, ist es trotzdem gut, vorbereitet zu sein“, fügte er hinzu.
Auch die belgischen Strompreise, die von den steigenden Preisen in Frankreich und Deutschland betroffen sind, erreichten am Sonntag auf dem Großhandelsmarkt mit 561,94 Euro pro Megawattstunde (MWh) einen neuen Rekord und übertrafen damit den Rekord vom 17. August (541 Euro pro MWh).
Die Preiserhöhungen werden sich am stärksten auf Haushalte und Unternehmen auswirken, deren durchschnittliche jährliche Strom- und Gasrechnungen im August 2.154,58 beziehungsweise 3.791,10 Euro erreichen könnten, schätzt Vreg, die flämische Regulierungsbehörde für den Strom- und Gasmarkt.
Im April 2021 betrug die durchschnittliche jährliche Stromrechnung 894,75 Euro und stieg im April dieses Jahres auf 1.581,85 Euro.
Bereits im Juli hatte De Croo, der zusammen mit Finanzminister Vincent Van Peteghem und Energieministerin Tinne Van der Straeten den Winter-Energieplan des Landes vorstellte, erklärt, dass die Versorgungssicherheit nur dann beeinträchtigt würde, wenn es anderswo in Europa zu Problemen käme.
„Die Frage für diesen Winter ist nicht, ob wir genug [Gas und Strom] haben werden“, sondern „ob wir ein Höchstmaß an Solidarität mit unseren Nachbarn zeigen können“, sagte Van der Straeten damals und fügte hinzu, dass die Versorgungssicherheit nicht gefährdet sei.
Der belgische Winterplan zielt darauf ab, die Speicheranlage in Loenhout komplett zu füllen und gleichzeitig das LNG-Terminal in Zeebrugge optimal zu nutzen, dessen Kapazität Belgien längerfristig ausbauen möchte.
Der Plan fordert die Energieversorgungsunternehmen außerdem auf, die Energieproduktion zu erhöhen und Wartungsarbeiten in den Wintermonaten zu vermeiden.
Energiesparen bei den Verbraucher:innen ist ebenfalls einer der Hauptpunkte des Plans, ebenso wie die verstärkte Zusammenarbeit mit Frankreich im Strombereich und die Erhöhung der Gaslieferungen von seinem größten Lieferanten, Norwegen.
Belgien ist nur in sehr geringem Maße von russischem Gas abhängig, das 2020 6,6 Prozent der Versorgung im Land ausmachte.