Emissionshandel verstärkt Perspektiven für Gasmarkt [DE]

Angetrieben durch den Emissionshandel, wird Erdgas in den kommenden Jahrzehnten die „bevorzugte Energieoption” sein, glauben Experten. 

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Angetrieben durch den Emissionshandel, wird Erdgas in den kommenden Jahrzehnten die „bevorzugte Energieoption” sein, glauben Experten. 

Hohe Preise für CO2 Emissionen seien ein großer Abtrieb für gasbetriebene Energie, so Ian Cronshaw, Vorsitzender der Abteilung für Energiediversifizierung bei der Internationalen Energieagentur (IEA), vor Wirtschaftsvertretern am letzten Donnersteg in Brüssel (30. April 2009). 

Er argumentierte, dass die hohen Preise von ca. 25-26 pro Tonne, die Anfang letzten Jahres erlebt wurden, gasbetriebenen Unternehmen zum Beispiel in Großbritannien einen großen Wettbewerbsvorteil gaben. 

Die Preise für die CO2-Lizenzen sind seitdem stark gefallen, da die Finanzkrise die Nachfrage stark geschwächt hatte (EURACTIV vom 9. Februar 2009). Sprecher bei dem Seminar argumentierten jedoch, dass es wichtig sei sich nicht auf kurzfristige Signale zu verlassen, um die langfristige Zukunft des Gasmarktes vorherzusagen.

William C. Ramsay ein ehemaliger IEA-Direktor argumentierte, dass Kohle und Gas in den USA immer noch aktiv miteinander konkurrierten, während das EU-Emissionshandelgesetz den Markt zu Gunsten von Gas in Großbritannien bereits verzerrt habe.    

Letzte Woche sagte ein ehemaliger US-Regierungssprecher für Energiefragen, dass die USA auch einen Schub an gasbetriebener Stromversorgung erleben werde, wenn Präsident Obama es schaffe, ein Emissionsgesetz in den USA zu verabschieden, berichtete Platts. 

Wenn die Atomenergie nur gering ansteige, wäre Erdgas der große Gewinner in der Zeit zwischen 2010- bis 2030, so Guy Caruso, ein ehemaliger Chef bei der US-Energieinformationsbehörde. Seine persönliche Meinung sei, dass dies womöglich so enden werde, obwohl die Obama-Administration sehr vorsichtig über die Befürwortung jeglicher fossiler Energieträger sei, fügte er hinzu.

Caruso verwies darauf, dass Kohle nun ca. 50-Prozent der Stromerzeugung in den USA ausmache, der Anteil aber auf unter 40 Prozent sinken werde, wenn der Emissionsrechtehandel durchgesetzt würde

Flüssigerdgas wird große Rolle spielen

Gas sei über die letzten Jahrzehnte zur bevorzugten Art der Energiegewinnung in den OECD-Ländern geworden, sagte Cronshaw. Der vorherige regionale Markt sei nun ein globaler Markt geworden und trotz des derzeitigen Rückgangs der Nachfrage würden höhere Preise folgen.

Er sagte, dass die Gaspreise nun den Preis für Energie bestimmten.

Es wird erwartet, dass die Gasproduktion innerhalb der EU in den nächsten Jahren zurückgehen wird, was bedeutet, dass mehr Importe nötig sein werden. 

Europa hängt stark von russischem Gas ab, dass 44 Prozent aller Importe ausmacht. Die Probleme dieser Abhängigkeit wurden im letzten Januar deutlich, nachdem der Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland die Europäer dazu gezwungen hatte, über neue Transportwege nachzudenken. (EURACTIV vom 22. Januar 2009.) 

Wie von der Europäischen Kommission in ihrem zweiten strategischen Bericht im November 2008 vorgestellt, würde es Flüssiggas Europa erlauben, Gas aus Quellen zu importieren, die nicht durch Pipelines verbunden sind. Das meiste Flüssiggas der EU kommt aus Algerien oder Nigeria, während die Pipelines größtenteils durch Gebiete laufen, die unter russischem Einfluss stehen (Siehe EURACTIV LinksDossier  über „Pipeline-Politik“) . 

Der Prozess umfasst die Verflüssigung des Gases an seiner Quelle, von wo aus es dann in kompakterer Form verschifft wird, bevor es an seinem Ziel ankommt, wo es wieder in Gas umgewandelt wird.

Nach den Angaben von Tom Vanden Borre von der Abteilung für Energie und Transport der Kommission, sei Flüssiggas wichtig, um die Energiesicherheit Europas zu verbessern, da es mehr Länder gibt die Gas produzieren, als durch Pipelines geleitet werden könnte. 

Vanden Borre sagte gegenüber Teilnehmern eines Seminars in Brüssel, dass Europas sieben Flüssiggasterminals zurzeit eine jährliche Fassungskapazität von 102,4 Milliarden Kubikmeter hätten und dass eine weitere Kapazität von 60 Milliarden Kubikmetern sich derzeit im Bau befinde. Es gebe eine klare Tendenz, die Flüssiggaskapazitäten in Europa zu erhöhen, sagte er.