Elektroautos - Ein Ladegerät für alle

Elektroautos sollen sich überall in der EU mit demselben Ladegerät aufladen lassen. Die Kommission gibt entsprechende Normen in Auftrag. Ein Chaos unterschiedlicher Systeme soll von vorneherein vermieden werden.

Die E-Mobility-Revolution nimmt an Fahrt auf. „Elektroautos sind kein abstraktes Konzept mehr; sie werden in naher Zukunft auf unseren Straßen fahren“, sagt EU-Industriekommissar Antonio Tajani. Fotos: EC / Renault.
Die E-Mobility-Revolution nimmt an Fahrt auf. "Elektroautos sind kein abstraktes Konzept mehr; sie werden in naher Zukunft auf unseren Straßen fahren", sagt EU-Industriekommissar Antonio Tajani. Fotos: EC / Renault.

Elektroautos sollen sich überall in der EU mit demselben Ladegerät aufladen lassen. Die Kommission gibt entsprechende Normen in Auftrag. Ein Chaos unterschiedlicher Systeme soll von vorneherein vermieden werden.

Die E-Mobility-Revolution beginnt in wenigen Jahren, sind sich Experten sicher. Verschiedene Ladesysteme würden die Entwicklung insgesamt erheblich bremsen. Die EU-Kommission hat nun europäische Normungsorganisationen (CEN-CENELEC und ETSI) beauftragt, ein gemeinsames Ladesystem für Autos, Roller und Fahrräder mit Elektroantrieb zu etablieren.

"Durch die neuen Normen wird ein sicheres und einfaches Aufladen aller Arten von Elektrofahrzeugen und ihrer Batterien in allen EU-Mitgliedstaaten sichergestellt", heißt es in einer Pressemitteilung. Dank diesem Auftrag werde durch europaweit einheitliche Normung von Steckern und Anschlüssen eine echte, marken- und länderübergreifende europäische Lösung zur Verfügung stehen. Bis Mitte 2011 sollen die Normen feststehen.

Antonio Tajani, EU-Kommissar für Unternehmens- und Industriepolitik, erklärte: "Elektroautos sind kein abstraktes Konzept mehr; sie werden in naher Zukunft auf unseren Straßen fahren. Um ihnen den Weg zum wirtschaftlichen Erfolg zu ebnen, müssen wir eine Zersplitterung des europäischen Marktes durch inkompatible Systeme verhindern." Ein gemeinsamer Ansatz sei daher sowohl für die europäischen Verbraucher als auch für die Herstellerfirmen wichtig. "Durch ihn kann die EU in diesem Sektor eine weltweit führende Position einnehmen."

Neben der Einheitlichkeit und Sicherheit des Ladesystems sollen Normen auch das "intelligente" Laden erleichtern. Ziel ist hierbei, möglichst dann zu laden, wenn Strom günstig ist, also beispielsweise in der Nacht. Verfechter eines intelligenten Stromnetzes ("smart grid") setzen große Hoffnungen auf die Speicherkapazitäten von Elektroautos. Sie könnten ihre Energie flexibel aufnehmen und abgeben, damit die Stromversorgung stabil gesichert ist, auch wenn diese zum Beispiel vollständig auf erneuerbaren Energien basiert, deren Angebot Schwankungen unterworfen ist. Hierfür müssten Ladestationen "intellegent" kommunizieren können und zu koordinieren sein.

Die EU-Kommission hat im April für die Förderung der Markteinführung von elektrisch aufladbaren Fahrzeugen eine Strategie festgelegt. Sie will unter anderem Leitlinien für Anreize auf der Nachfrageseite vorschlagen.
  

Hintergrund

Europäische Normen werden von den europäischen Normungsorganisationen entwickelt; dabei arbeiten Industrie, Verbraucher, Behörden und andere von der Entwicklung technischer Vorschriften betroffene Gruppen freiwillig und konsensorientiert zusammen.

awr

Reaktion

Centrum für Europäische Politik (CEP) Freiburg:
 
"Für die Nutzbarkeit von Elektrofahrzeugen sind die von der Kommission vorgesehenen genormten Ladeschnittstellen zwischen Stromquelle und Ladegerät des Fahrzeugs von erheblicher Bedeutung. Die Normung verhindert teure Parallelentwicklungen und Beschränkungen in der gemeinsamen Nutzbarkeit (die sog. Interoperabilität) der Komponenten von Fahrzeugen und Infrastruktur.

Damit die Aufladung an verschiedenen Ladestationen korrekt abgerechnet werden kann, müssen die Fahrzeuge beim Ladevorgang mit dem Stromnetz kommunizieren und identifiziert werden können. Langfristig sollten Elektrofahrzeuge – wie von der Kommission angeregt – in ein "intelligentes Stromnetz" integriert werden. Dies ist nötig, um Spitzenlasten besser zu verteilen. Darüber hinaus können sich die Ladephasen an das schwankende Angebot von Strom aus erneuerbaren Energien anpassen. Dies senkt die Inanspruchnahme der vorzuhaltenden Reservekapazitäten, die auf fossile Energieträger zurückgreifen müssen."

Eine CEP-Analyse zum Thema finden Sie hier.

Links


EU-Kommission:
Auf dem Weg zu einem europaweit einheitlichen Ladegerät für Elektrofahrzeuge. Pressemitteilung (29. Juni 2010)

EU-Kommission: Saubere und energieeffiziente Fahrzeuge: Europäische Kommission stellt ihre Strategie vor. Pressemitteilung (29 April 2010)

EU-Kommission: Clean and energy-efficient vehicles – European strategy for the uptake of green vehicles. Übersicht über die EU-Maßnahmen. (28. April 2010)

EU-Kommission: Internetseite zur "European strategy on clean and energy efficient vehicles"

European Committee for Electrotechnical Standardization (CENELEC): Internetseite

Europäisches Komitee für Normung (CEN): Internetseite

European Telecommunications Standards Institute (ETSI): Internetseite