Einblicke in Macrons Algerien-Besuch
Der französische Präsident Emmanuel Macron wird am Donnerstag zu einem dreitägigen "Besuch des guten Willens" in das nordafrikanische Land reisen.
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Algerien und Frankreich haben sich im vergangenen Jahr wegen umstrittener Äußerungen im Élysée-Palast, Spannungen im Zusammenhang mit Visaerleichterungen und ungelösten Streitigkeiten über die gemeinsame Kriegsgeschichte verschlechtert.
Der französische Präsident Emmanuel Macron wird am Donnerstag zu einem dreitägigen „Besuch des guten Willens“ in das nordafrikanische Land reisen.
Die Reise erfolgt vor dem Hintergrund der Bemühungen einiger europäischer Verbündeter von Paris, russische fossile Brennstoffe angesichts des sich abzeichnenden kalten Winters durch algerische Brennstoffe zu ersetzen, um ihren Energiebedarf zu decken.
Macron und der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune bestätigten, dass der Besuch darauf abzielt, „die bilateralen Beziehungen zu vertiefen, die französisch-algerische Zusammenarbeit bei regionalen Konflikten zu stärken und die historische Versöhnung voranzutreiben.“
Die Reise solle als „erster Schritt zur Versöhnung“ dienen, sagte eine dem Thema nahestehende Quelle gegenüber EURACTIV und bezeichnete die Veranstaltung als „Besuch des guten Willens“.
Die diplomatischen Spannungen eskalierten Ende letzten Jahres mit Macrons Kommentaren bei einem Abendessen mit Nachkommen von Veteranen des algerischen Unabhängigkeitskrieges.
„Gab es vor der französischen Kolonisierung eine algerische Nation? Das ist die Frage“, soll der französische Präsident gesagt haben.
Im Oktober 2021 kündigte Macron außerdem eine 50-prozentige Reduzierung der Visa für Algerier an. Nach Ansicht der französischen Behörden war Algerien nicht kooperativ bei der Rücknahme illegaler Migranten, die über das Mittelmeer nach Frankreich gekommen waren.
Der Streit eskalierte, als Algier seinen Botschafter aus Paris abberief und französischen Militärflugzeugen den Luftraum verbot.
Ursprünglich wollte Macron Anfang Juli zu den diesjährigen Unabhängigkeitsfeiern nach Algerien reisen, musste dann aber einen Rückzieher machen, um mögliche Zusammenstöße zu vermeiden.
Infolge der Entscheidung Europas, die Energiebeziehungen zu Moskau wegen des russischen Krieges in der Ukraine zu kappen, suchen europäische Länder unterdessen händeringend nach neuen Energiequellen.
Im Juli handelte der ehemalige italienische Ministerpräsident Mario Draghi eine Erhöhung der algerischen Gaslieferungen um vier Milliarden Kubikmeter an Italien aus, da Europa seine Abhängigkeit von russischem Gas verringern will.
EURACTIV weiß jedoch, dass es keine offizielle Ankündigung zum Thema Energie geben wird, obwohl Catherine MacGregor, CEO des Energieversorgers Engie, anwesend sein soll.
Nichtsdestotrotz steht die Stärkung der Wirtschafts- und Energiebeziehungen ganz oben auf der Tagesordnung, da Frankreich nach China (16,8 Prozent) der zweitwichtigste Handelspartner Algeriens ist und 10,6 Prozent aller algerischen Importe liefert.
Nach Angaben des Observatoriums für wirtschaftliche Komplexität ist Frankreich mit 1,15 Milliarden Dollar im Jahr 2020 auch der wichtigste Kunde Algeriens für Rohöl.
Es wird erwartet, dass Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sowie eine Gruppe französischer Unternehmer, darunter der Telekommunikationsmogul Xavier Niel, an der Reise teilnehmen werden.
Diplomatische und sicherheitspolitische Bemühungen
Es wird erwartet, dass der französische Innenminister Gérald Darmanin mit seinen algerischen Amtskollegen ein Abkommen aushandelt, um die derzeitigen diplomatischen Spannungen zu lösen.
Macron und Tebboune werden wahrscheinlich über ein Militärabkommen zwischen Russland und Algerien und die Risiken der russischen Militärpräsenz im Mittelmeer sprechen.
Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Ländern gehen viel tiefer und betreffen die gemeinsame Interpretation des algerischen Unabhängigkeitskrieges zwischen 1954 und 1962 und insbesondere die bis vor kurzem fehlende offizielle Anerkennung der „Harkis“.
Dabei handelt es sich um algerische Staatsangehörige, die während des Krieges als Hilfstruppen der französischen Streitkräfte dienten.
Schließlich sollten die Verhandlungen über die Anerkennung und Rehabilitierung der Opfer der französischen Atomtests in der algerischen Sahara zwischen 1960 und 1965 wieder aufgenommen werden.