Ein Einblick in Russlands Kriegspropaganda-"Trollfabrik"

Ein von Großbritannien finanzierter Bericht stellt die neuen Taktiken einer "Trollfabrik" in St. Petersburg dar, die an der Desinformationskampagne des Kremls zur Rechtfertigung des Ukrainekrieges beteiligt ist.

EURACTIV France
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Die "kranken Drahtzieher" der Operationen, die auf der verschlüsselten Messaging-App Telegram als "Cyber Front Z" bekannt sind, sitzen vermutlich in einer ehemaligen Fabrik in St. Petersburg. [Primakov/Shutterstock]

Ein von Großbritannien finanzierter Bericht stellt die neuen Taktiken einer „Trollfabrik“ in St. Petersburg dar, die an der Desinformationskampagne des Kremls zur Rechtfertigung des Ukrainekrieges beteiligt ist.

Kreml-freundliche „Trolle“ verbreiten derzeit von Russland aus „Lügen in den sozialen Medien“ und nehmen Regimekritiker:innen „ins Visier“, erklärte die britische Regierung am Sonntag (1. Mai), nachdem die Ergebnisse einer von ihr in Auftrag gegebenen Studie veröffentlicht wurden.

„Wir können nicht zulassen, dass der Kreml und seine zwielichtigen Troll-Farmen mit ihren Lügen über Putins völkerrechtswidrigen Krieg in unsere Online-Räume eindringen“, sagte Liz Truss, die britische Außenministerin, und fügte hinzu, London habe seine internationalen Partner „alarmiert“.

Die „kranken Drahtzieher“ der Operationen, die auf der verschlüsselten Messaging-App Telegram als „Cyber Front Z“ bekannt sind, sitzen vermutlich in einer ehemaligen Fabrik in St. Petersburg. Sie verfügen scheinbar über ein eigenes Team von Mitarbeiter:innen, die wiederum ein breiteres Netzwerk von Unterstützer:innen anwerben und mobilisieren sollen.

Nach Angaben des russischen Medienunternehmens Fontanka bietet die Gruppe 45.000 Rubel pro Monat (fast 600 Euro) für das Posten von täglich 200 Kommentaren.

Das Hauptziel bestehe darin, Wladimir Putin zu loben und die internationale Öffentlichkeit über die russischen Absichten in der Ukraine zu täuschen. Spuren dieser Operationen wurden auf acht Plattformen gefunden, darunter Telegram, Twitter, Facebook und TikTok.

Die britische Regierung teilte ihre Ergebnisse und forderte die Plattformen dazu auf, alle irreführenden Inhalte zu entfernen.

Neue Taktiken

Die britischen Forscher haben neue Techniken zur Durchführung dieser Desinformationskampagne aufgezeigt.

Trolle werden ermutigt, ihre Aktivitäten auf das Posten von Kommentaren zu konzentrieren, anstatt Originalinhalte zu schreiben. Dadurch wird ihre pro-russische Propaganda verstärkt wiedergegeben.

Diese Strategie würde ein Eingreifen seitens der Plattformen erschweren.

Die Verwendung eines VPN, eines „privaten“ Kanals zwischen dem Gerät und einem Server, der eine sichere Verbindung und die Verschleierung der eigenen Online-Aktivitäten ermöglicht, wird den Kreml-Befürwortern empfohlen.

„Die neuen Beweise werden uns dabei helfen, russische Desinformation effektiver zu identifizieren und zu entfernen. Sie folgen auf unsere entschlossenen Maßnahmen zur Sperrung der vom Kreml kontrollierten Sendern RT und Sputnik“, so die britische Kulturministerin Nadine Dorries.

Bearbeitet von Luca Bertuzzi/Alice Taylor]