Ehec: EU-Sondertreffen zu Entschädigungen für Bauern

Die Quelle der lebensgefährlichen Ehec-Darminfektionen ist weiter unbekannt. Die Bundesregierung hält aber die Warnung vor rohen Tomaten, Gurken, Blattsalaten und Salatsprossen aufrecht. Deutschland wurde heute erneut für seine Fehlwarnung zu spanischen Gurken in der Runde der EU-Gesundheitsminister kritisiert. Morgen beraten die EU-Agrarminister über Entschädigungen für europäische Bauern.

Sprossen als EHEC-Träger: Bis das klar war, hatten viele Spekulationen über andere Gemüsesorten die Verbraucher verunsichert (Foto: dpa)
Sprossen als EHEC-Träger: Bis das klar war, hatten viele Spekulationen über andere Gemüsesorten die Verbraucher verunsichert (Foto: dpa)

Die Quelle der lebensgefährlichen Ehec-Darminfektionen ist weiter unbekannt. Die Bundesregierung hält aber die Warnung vor rohen Tomaten, Gurken, Blattsalaten und Salatsprossen aufrecht. Deutschland wurde heute erneut für seine Fehlwarnung zu spanischen Gurken in der Runde der EU-Gesundheitsminister kritisiert. Morgen beraten die EU-Agrarminister über Entschädigungen für europäische Bauern.

Nach ersten Labortests hat sich der Verdacht, Sprossen aus einem Saatgutbetrieb in Niedersachsen könnten die Quelle der Infektionen sein, am Montag nicht erhärtet. "Bisher konnte der fragliche Ausbruchsstamm noch nicht nachgewiesen werden", teilte das Landwirtschaftsministerium in Hannover nach der Auswertung von 23 der 40 Proben aus dem Betrieb mit. Es seien "intensive analytische Anstrengungen" erforderlich, um den vermuteten Erreger zweifelsfrei nachweisen zu können. Ein kurzfristiger Abschluss der Untersuchungen sei nicht zu erwart

Ehec-Neuerkrankungen

Die Zahl der Ehec-Neuerkrankungen ging indes leicht zurück. Dies schürte bei Behörden die Hoffnung, dass sich die Situation entspannen könnte. In Hamburg wurden 849 Ehec-Erkrankungen oder Verdachtsfälle registriert. Innerhalb von 48 Stunden seien damit 79 Patienten hinzugekommen. 151 Patienten litten unter der Komplikation, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) – sechs mehr als Samstag.

Auch Niedersachsen verzeichnete einen langsameren Anstieg. Das Robert-Koch-Institut berichtete von einem geringeren Zuwachs der Neuinfektionen. Den Angaben zufolge sind bislang 1601 Fälle übermittelt – darunter 630 Fälle mit HUS. 21 Todesfälle werden mit dem Erreger in Verbindung gebracht.

Die Bundesregierung empfahl, auf die als Salat-Beilage beliebten Sprossen zu verzichten. Gleichzeitig blieb die Warnung vor rohen Tomaten, Gurken und Blattsalaten bestehen.

Kritik an Deutschlands Gurken-Warnung

Nach Medienberichten musste sich Deutschland beim heutigen Treffen der EU-Gesundheitsminister in Luxemburg erneut gegen heftige Kritik, vor allem aus Spanien, wehren. Spaniens Gesundheitsministerin Leire Pajin hatte das deutsche Vorgehen als "unbegründet" bezeichnet und erneut Entschädigungen gefordert für den großen und bleibenden Schaden, der Spanien und den spanischen Bauern enstanden sei.

Sondertreffen zu E.Coli

Nach Angaben der EU-Kommission brach in mehreren europäischen Ländern der Verzehr von Salat und Gemüse ein. Die EU-Agrarminister wollen am Dienstag über Entschädigungen für die Bauern beraten. Die ungarische Ratspräsdentschaft hatte dazu heute ein Sondertreffen der EU-Agrarminister zu "Marktlage und Lebensmittelsicherheit nach dem E.Coli-Ausbruch" einberufen.

Am Mittwoch wollen die deutschen Verbraucherschutz- und Gesundheitsminister von Bund und Ländern beraten.

Kritik in Deutschland

In Deutschland kritisierte die Opposition das Krisenmanagement der Bundesregierung. "Ich frage mich, was der Gesundheitsminister und die Verbraucherministerin eigentlich machen", sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast der "Berliner Zeitung". Deutschland brauche einen nationalen Kontrollplan mit einer Checkliste möglicher Übertragungswege vom Bauern über die Verarbeitung bis zum Restaurant. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber forderte eine bundesweite Warnplattform. Die Linken-Abgeordnete Karin Binder kritisierte, bei der Zuständigkeit verweise eine Behörde auf die andere. Es herrsche "übelste Kleinstaaterei".

EURACTIV/rtr/mka

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