EHEC: 210 Millionen Euro für europäische Bauern

Die EU hat Hilfen in Höhe von 210 Millionen Euro für EHEC-geschädigte Bauern genehmigt. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolo? verteidigt das Brüsseler Krisenmanagement. Die EU habe schnell mit Hilfszahlungen reagiert - trotz regulatorischer Mängel.

Von der EHEC-Krise betroffene europäische Landwirte erhalten 210 Millionen Euro für ihre Umsatzeinbußen. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolo? erklärt: „Schon im Juli könnte damit begonnen werden, die Gelder auszuzahlen.“ Foto: EC
Von der EHEC-Krise betroffene europäische Landwirte erhalten 210 Millionen Euro für ihre Umsatzeinbußen. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolo? erklärt: "Schon im Juli könnte damit begonnen werden, die Gelder auszuzahlen." Foto: EC

Die EU hat Hilfen in Höhe von 210 Millionen Euro für EHEC-geschädigte Bauern genehmigt. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolo? verteidigt das Brüsseler Krisenmanagement. Die EU habe schnell mit Hilfszahlungen reagiert – trotz regulatorischer Mängel.

Die genaue Summe der EU-Hilfen solle bis zum 22. Juli feststehen, teilte die EU-Kommission nach der Zustimmung eines Expertengremiums am Dienstag mit. Ursprünglich waren Hilfen von 150 Millionen Euro vorgesehen, weil viele Bauern wegen der EHEC-Epidemie Einbußen verzeichneten.

EU-Agrarkommissar Dacian Ciolo? erklärte in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung: "Schon im Juli könnte damit begonnen werden, die Gelder auszuzahlen. Wir als EU-Kommission haben dafür die letzten noch verfügbaren Mittel aus dem diesjährigen Agrarhaushalt zusammengetragen."

Mehr als die 210 Millionen Euro seien für "diese Art von schneller Hilfe" Ciolo? zufolge nicht vorhanden. Die Produzenten, die seit dem 26. Mai Gurken, Tomaten, Salate, Paprika und Zucchini vom Markt nehmen mussten, werden EU-Unterstützung in Höhe von grob 50 Prozent der im Juni üblichen Preise erhalten, so Ciolo?. Diese fließe zusätzlich zu der Entschädigung, die schon von Erzeugergemeinschaften bereitgestellt worden ist, denen in Deutschland etwa 40 Prozent der Obst- und Gemüsebauern angehören.

Klarere Bestimmungen für die Zukunft

Am 22. Juli werde man überprüfen, wie groß der Bedarf an Entschädigungszahlungen noch ist. Ciolo? räumte gegenüber der Stuttgarter Zeitung ein, dass Brüssel für diese Art von Krise nicht gewappnet war: "Die gegenwärtigen EU-Regeln erlauben der Kommission, im Fall von Marktstörungen außergewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen. Das gilt aber nur für Rindfleisch und Milcherzeugnisse. Es ist sogar so, dass die einzige gesetzliche Option speziell für Obst und Gemüse Ende vergangenen Jahres ausgelaufen ist. Im Ergebnis mussten wir eine Notfallklausel bemühen, um die Hilfen so schnell beschließen zu können. In Zukunft brauchen wir meiner Meinung nach klarere Bestimmungen, die alle Agrarprodukte abdecken."

Besonders der Absatz von Gurken, Tomaten und Salat ging in den vergangenen Wochen stark zurück, nachdem die Gemüsesorten in Verdacht gestanden hatten, die gefährlichen Bakterien zu verbreiten. Schließlich wurden in Deutschland Sprossen als Infektionsquelle ermittelt.

Seit dem Ehec-Ausbruch und der besonders gefährlichen Komplikation HUS sind in Deutschland mindestens 36 Menschen an der Darminfektion und deren Folgen gestorben.

Zahl der Neuerkrankungen geht zurück

Die Zahl der Neuerkrankungen gehe seit einigen Tagen aber deutlich zurück, teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) am Montag in Berlin mit. Ob dies auf eine Änderung der Essgewohnheiten oder ein Versiegen der Infektionsquelle zurückgehe, lasse sich nicht sagen. Seit Anfang Mai wurden dem Institut über 3.200 Krankheitsfälle gemeldet.

Die Behörden warnen derzeit noch vor dem Verzehr jeder Art von gekauften oder selbst gezogenen rohen Sprossen. Eine Warnung vor Gurken, Tomaten und Salat war am Freitag aufgehoben worden. Als Überträger des gefährlichen Ehec-Keimes haben die Behörden Sprossen aus einem Betrieb in Niedersachsen ausgemacht. Unklar ist aber, ob die Keime von Mitarbeitern auf die Sprossen übertragen wurden oder ob bereits das Saatgut infiziert war.

dto mit EURACTIV/rtr

Links

Dokumente

EU-Kommission: EHEC: EU entschädigt Gemüsebauern (15. Juni 2011)

EU-Kommission: EHEC: Schnelle Hilfen für betroffene Landwirte (9. Juni 2011)

Dacian Ciolo?: Support to the vegetables sector after the E. Coli crisis (8. Juni 2011)

EU-Ratspräsidentschaft: Die EHEC-Epidemie muss gestoppt werden (7. Juni 2011)

Europäischer Rat: E. coli outbreak: extraordinary ministerial meeting (7. Juni 2011)

EU-Parlament: Entschließungsantrag (B7-000/2011) zu Antibiotikaresistenz (1. März 2011)

EU-Parlament: Diskussion über E.coli-Ausbruch in Deutschland und anderen Mitgliedsstaaten (7. Juni 2011)

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