Egon Krenz und seine Grenzen (I)

Er war zwar nur sechs Wochen Staats- und Parteichef der DDR, aber es waren die turbulentesten. Den unblutigen Verlauf der Revolutionswochen 1989 hält er sich selbst zugute. Bei Feiern zu Mauerfall und Wiedervereinigung ist Egon Krenz unerwünscht. Seine Sicht im Korrespondentengespräch - ein Stück Zeitgeschichte.

Ungebeugt: Egon Krenz (72) im Gespräch mit Korrespondenten in Berlin (Foto: Ewald König)
Ungebeugt: Egon Krenz (72) im Gespräch mit Korrespondenten in Berlin (Foto: Ewald König)

Er war zwar nur sechs Wochen Staats- und Parteichef der DDR, aber es waren die turbulentesten. Den unblutigen Verlauf der Revolutionswochen 1989 hält er sich selbst zugute. Bei Feiern zu Mauerfall und Wiedervereinigung ist Egon Krenz unerwünscht. Seine Sicht im Korrespondentengespräch – ein Stück Zeitgeschichte.

Was damals zwischen Moskau und Ostberlin abgelaufen ist, wie die Sowjets erstmals den Viermächtestatus Berlins ins Spiel gebracht haben, wie er konsequent von Grenzöffnung und nicht von Mauerfall redet, wie er die humanistische Erziehung der Grenzsoldaten lobt, welchen Begriff von Freiheit er hat – Egon Krenz’ Resümee als Akteur eines Stücks deutscher Geschichte ist teils erhellend und glaubwürdig, was die außenpolitischen, teils abstrus, was die innenpolitischen Aspekte betrifft.

Aus der Linkspartei ist er ausgeschlossen. Seine Haft hat er abgebüßt. Bei den Jubiläumsfeiern zum Mauerfall tauchte sein Name nirgendwo auf. Auch bei 20 Jahre Wiedervereinigung im Oktober 2010 wird er fehlen.

Das Peking-Etikett

Ich erinnere mich noch bestens an die allgemeine Enttäuschung über seine Antrittsrede als Nachfolger Erich Honeckers. Er versprach zwar eine Wende, aber niemand traute sie ihm zu. Seine umstrittene Rolle bei den Kommunalwahlfälschungen 1989, seine Billigung der blutigen Niederschlagung auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking klebten an ihm. Als Honecker-Zögling war er nicht glaubwürdig genug.

Während in Ost und West das Rätselraten über seine Reform- und Dialogbereitschaft andauerte, stellte Krenz Lockerungen im Reiseverkehr und eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in Aussicht. Das tat er nicht nur im DDR-Fernsehen, sondern auch beim Besuch in einem Kombinat.

Offene Kritik im Kombinat

Zwei Stunden unterhielt er sich mit den Arbeitern des Werkzeugmaschinenkombinats „7. Oktober“ und mit Gewerkschaftsfunktionären. Das hat es zuvor nicht gegeben: Er bekam offene Kritik über die Zustände im Land zu hören, die sogar im DDR-Radio übertragen wurde: die völlig heruntergewirtschaftete Zulieferindustrie, Versorgungsprobleme, die Subventionspolitik, die Reisebeschränkungen und die Unfreiheit von Funk und Fernsehen.

Krenz versprach immer wieder, man werde gemeinsam nach Lösungen suchen. Zum Reise-Thema meinte er vage: Es sollten die besten Ideen gesammelt und diskutiert werden, dann könne man daraus ein Gesetz machen.

Zu wenig, zu spät, zu unglaubwürdig. Anfang Dezember 1989 trat das Politbüro samt Egon Krenz zurück, danach gab er auch als Staatsratsvorsitzender auf. Ministerpräsident wurde Hans Modrow.

Anleihe bei Abraham Lincoln

Krenz wohnt in Dierhagen (Mecklenburg-Vorpommern), direkt hinter dem Deich am weißen Sandstrand, dem ehemaligen Ostseebad der DDR-Nomenklatura. Die Auslandskorrespondenten in Berlin hatten ihn eingeladen, zwanzig Jahre zurückzublicken. Es war einer seiner seltenen Auftritte mit Journalisten.

„Es mag ungewöhnlich sein, dass ein ehemaliger Politiker der DDR zu Beginn einen amerikanischen Präsidenten zitiert“, sagte er, bevor wir Fragen stellen konnten. „Einen kurzen, aber wichtigen Satz.“ Einen Satz, den Abraham Lincoln am 4. März 1865 nach dem amerikanischen Bürgerkrieg gesprochen hatte, ein paar Wochen vor seiner Erschießung:

„Mit Groll gegen Niemanden, mit Nächstenliebe gegen alle, mit Bestimmtheit im Recht lasst uns bestrebt sein, die Arbeit, die wir begonnen haben, zu beenden, die Wunden unseres Landes zu versorgen.“

Ein Bürgerkrieg, ein kalter

Die Situation mag eine andere gewesen sein, räumte er gleich selbst ein. „Aber auch Deutschland hatte 1989 einen Bürgerkrieg hinter sich, einen kalten zwar, aber einen Bürgerkrieg! Immer am Rande eines möglichen Atomkrieges zwischen den Großmächten.“

„Die ständige Last auf den Schultern der Deutschen, dass Deutsche gegen Deutsche Krieg führen könnten, wurde 1989/90 genommen. Damit wurde eine ganz gefährliche Situation beendet.“

Das Unglück der Deutschen sei nicht die DDR gewesen, „sondern dass Kräfte in Deutschland zweimal in einen Krieg geführt haben. Ohne die Machtergreifung durch den Verbrecher Hitler 1933 hätte es nicht 1945 gegeben, und ohne Spaltung Deutschlands hätte es keine Mauer durch Berlin gegeben. Ich habe leider den Eindruck, dass diese Zusammenhänge in letzter Zeit zu kurz kommen.“

Rückblick mit Freudschen Versprechern

Natürlich wollten wir seine Schilderung hören, wie es zu dieser Pressekonferenz mit Günter Schabowski am 9. November 1989 kommen konnte.

Krenz spricht laut und klar, bestimmt und kraftvoll. Aber gelegentlich markieren kleine Freudsche Versprecher die noch immer wunden Punkte. Etwa wenn er sich mit der Reiseverordnung verhaspelt, die „in Kauf, äh, in Kraft getreten ist“. Oder: „Die Mau der Bauer, äh, der Bau der Mauer…“

Um über die Schabowski-Pressekonferenz zu reden, wollte Krenz auch den Ablauf der Tage davor mitteilen. Da seine Darstellung durchaus relevant ist, möchte ich sie hier im Wortlaut dokumentieren.

Vier Stunden bei Gorbatschow

„Ich war am 1. November 1989 bei Gorbatschow in Moskau und hatte ein vierstündiges Gespräch mit ihm über die Situation in Deutschland und in der Welt. Er sagte, seine Politik sei darauf gerichtet, den Kalten Krieg zu beenden. Ich habe ihn gefragt: Michail Sergejewitsch, sag mir bitte, was wird dann aus der DDR? Die DDR als Ergebnis des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs und als Kind der Sowjetunion?

Da hat er mich angeschaut und gesagt: Also die deutsche Einheit, wenn du das meinst, die steht nicht auf der Tagesordnung. Er habe mit Bush senior,  mit Mitterrand, Thatcher und allen wichtigen Politikern dieser Welt gesprochen, und alle waren der Meinung: Keiner könne sich vorstellen, dass Nato und Warschauer Vertrag aufgelöst werden würden, die damals Grundlage der Stabilität waren. Deshalb stand sie nicht auf der Tagesordnung. Wie gesagt, das war am 1. November 1989.

KGB warnt vor Marsch ans Brandenburger Tor

Nach dem Gespräch hat mich der damalige Chef des KGB, Dmitrij Krjutschkow, zur Seite genommen und gesagt, es gebe Informationen, dass am 4. November bei der großen Kundgebung gewisse Kräfte die Absicht hätten, vom Alexanderplatz in Richtung Brandenburger Tor zu marschieren, um die Mauer zu stürmen. Ich wusste damals nicht, ob das exakt ist oder ein Gerücht oder ob man uns zu irgendwelchen Maßnahmen verursachen will.

Am 2. November, als ich bei Jaruzelski in Warschau war, sagte mir dies auch die polnische Führung; und als ich von diesem Besuch zurückkam, bekam ich diese Information auch von unseren eigenen Sicherheitsorganen.

Daraufhin haben wir einen Befehl des Nationalen Verteidigungsrates vorbereitet – ich war damals auch Vorsitzender dieses Rates: Es muss verhindert werden, dass die Grenze gewaltsam zerstört wird. Das soll vorwiegend durch körperliche Gewalt geschehen. Aber die Anwendung der Schusswaffe ist selbst in dem Fall verboten, wenn Menschen in das Grenzgebiet eindringen und die Mauer gewaltsam beseitigen wollen.

Dieser Befehl vom 3. November ist außerordentlich wichtig, um zu verstehen, warum am 9. November eine Grenzöffnung völlig ohne Blutvergießen stattgefunden hat.

Keine Devisen für Sofortreisen

Wir haben dann einen Gesetzentwurf über Reisemöglichkeiten von DDR-Bürgern veröffentlicht. Ein halbes Jahr vorher wäre er sicherlich begrüßt worden. Aber in dieser emotionsgeladenen Atmosphäre des Herbstes 1989 wollten viele nicht mehr bis Weihnachten warten, sondern sofort reisen. Für uns war Sofortreisen aber ein Problem: Die DDR hatte keine konvertierbare Währung, musste aber jeden gefahrenen Kilometer mit der Bundesbahn in Devisen bezahlen, und außerdem konnten wir unsere Bürger nicht mit Devisen ausstatten.

Deshalb setzten wir auf Verhandlungen mit der Bundesregierung, die aber nicht bereit war, solang es keine stabilen Verhältnisse gab, auch nur einen Pfennig zu zahlen, um einen ‚gemeinsamen Reisetopf’ zu unterhalten, wie wir das nannten.

Am 4. November wurde dieser Gesetzesentwurf veröffentlicht, fand keine Zustimmung, dann haben wir im Politbüro beschlossen, dass man nicht den langen Weg der Gesetzgebung geht, sondern den schnelleren einer Reiseverordnung. Diese Reiseverordnung wurde am 9. November 1989 vom Ministerrat der DDR beschlossen.

Stimme, die bis zum Letzten im ZK dringt

Nachdem die Regierung diesen Beschluss gefasst hatte, hab ich ihn auf der Tagung des Zentralkomitees der SED verlesen. Manche sagen heute, weil sie sich nicht mehr so gut erinnern, es wär sehr unruhig gewesen und so. Aber jeder, der jetzt meine Stimme hört, kann ermessen, dass ich eine Stimme habe, die bis zum Letzten durchdringt. Ich habe also laut und deutlich vorgetragen. Niemand kann sagen, er hätte mich nicht verstehen können.

Diese Reiseverordnung wurde also angenommen. Und jetzt gibt es einen Punkt:

Am Ende der Reiseverordnung stand eine Pressemitteilung für die Medien, die sollte am 10. November früh ab vier Uhr veröffentlicht werden. Schabowski kannte sich ja mit so etwas genau aus. Das war die Praxis in der DDR.

Als er sich zur Pressekonferenz bei mir verabschiedete, um die internationale Presse zu informieren, fragte er mich: Hast du noch etwas für mich? Da hab ihm das Dokument gegeben und gesagt: Darüber kannst du reden.

Er hat das erst kurz vor Ende der Pressekonferenz getan, erst als ein italienischer Kollege von Ihnen danach gefragt hat. Da hat er nicht die Verodnung vorgetragen, sondern den letzten Satz, und er hat gesagt: ‚Ab sofort.’ Das haben die Medien in Ost und West vermeldet, und die Leute gingen in Richtung Staatsgrenze.

"Der gefährlichste Punkt des Abends"

Wir aber, die nicht an der Pressekonferenz teilgenommen hatten, führten unsere ZK-Tagung weiter und haben also von dem, was Schabowski sagte, gar nichts erfahren. Erst als die ZK-Tagung vorbei war, da hat mich Staatssicherheitsminister Mielke angerufen und informiert, dass viele Menschen in Richtung Grenze gingen.

Das war der gefährlichste Punkt dieses Abends, denn die Grenzsoldaten hatten noch keinen Befehl zur Öffnung. Der Befehl hätte ja am 10. November ab vier Uhr vorgelegen.

Jetzt hatte ich eine ganz enge Entscheidung zu treffen. Entweder wir lassen den Dingen freien Lauf, oder wir setzen die ganze Macht der DDR ein, um die Grenze zu schützen. Letzteres hätte die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung bedeutet. Auch nur ein Tropfen Blut in diesen Tagen wäre eine Katastrophe in Deutschland gewesen.

Beschlossen, den Dingen freien Lauf zu lassen

Wir haben uns dann entschlossen, den Dingen freien Lauf zu lassen. Ich bin heute noch den Schutz- und Sicherheitsorganen der DDR dankbar, dass sie die Tragödie verhindert haben.

Ich halte es aber für eine Tragödie, dass die diejenigen, die damals ein Blutvergießen verhindert haben, in der Bundesrepublik Deutschland heute ausgegrenzt sind!

Nachts gegen halb eins ist die Meldung gekommen, dass alles friedlich verlaufen war. In der Früh kam ein Anruf vom sowjetischen Botschafter, der mir mitteilte, dass man in Moskau beunruhigt sei, was sich über die Nacht von 9. auf 10. November in Berlin abgespielt habe. 

Überraschung aus Moskau: Viermächtestatus

Da sagte ich: ‚Aber die Reiseverordnung war doch mit euch abgestimmmt.’ Da brachte er einen Gedanken rein, den sonst die sowjetische Seite nie gebracht hatte: ‚Abgestimmt war, dass Ihr die Grenzübergänge öffnen könnt zwischen der BRD und der DDR, aber nicht die zwischen Berlin West und Berlin Ost. In Berlin gibt es noch den Viermächtestatus.’

Das hatte die sowjetische Staatsführung uns gegenüber noch nie betont! Denn wenn es vorher irgendwelche Proteste wegen irgendwelcher Paraden in der DDR gab, dann wurde den Westmächten immer gesagt: ‚Wendet euch an die DDR, Berlin ist die Hauptstadt der DDR.’ Und plötzlich kam die Verantwortung der vier Mächte ins Spiel!

Darauf hab ich dem Botschafter gesagt, das mag ja alles sein, aber hätte ich eine Alternative gewählt, hätte das Gewalt und Blutvergießen bedeutet. Und da hat der sowjetische Botschafter in hoher staatsmännischer Verantwortung gesagt: ‚Ja, das seh ich auch so. Aber bitte schicken sie Michail Gorbatschow ein Staatstelegramm, in dem Sie die ganzen Umstände der Grenzöffnung schildern.’

Nach ungefähr zwei Stunden kriegte ich einen zweiten Anruf des sowjetischen Botschafters mit der Mitteilung, dass die sowjetische Führung und Michail Sergejewitsch Gorbatschow persönlich uns zu diesem Schritt gratulieren, die Grenzübergänge geöffnet zu haben.

Sowjetische Warnung an Helmut Kohl

Das war eine wichtige Mitteilung. Gleichzeitig gab es eine Mitteilung, die der sowjetische Botschafter in Bonn an Helmut Kohl übergeben sollte – eine Warnung an Kohl, nicht zuzulassen, dass die Grenzöffnung zur Destabilisierung DDR benützt wird.

Manche Journalisten sind drauf gekommen, dass gewisse Einheiten der NVA (Nationalen Volksarmee) am 10. November in eine höhere Stufe der Gefechtsbereitschaft versetzt worden sind. Das ist korrekt. Aber warum? Die Grenztruppen waren am 9. und 10. November dermaßen belastet, wir hatten in der kurzen Zeit 50 Grenzübergänge geöffnet, nicht nur in Berlin, sondern von Norden bis Süden, mit einem Aufwand von 800 Millionen Mark. Da brauchten unsere Grenztruppen Unterstützung pioniermäßiger Art. Da sie das aber doch allein gemacht haben, wurde diese erhöhte Bereitschaft aufgehoben. Es ist unfair zu sagen, wegen der erhöhten Stufe der Bereitschaft sei beabsichtigt gewesen, die Grenze wieder zu schließen. Das ist nicht wahr.

Die Grenzer und ihre humanistische Erziehung

Ich stelle mal die Frage: Welches Militärkommando würde nicht in einer Situation, wo ein Staat in Gefahr ist, auch seine Truppen in Gefechtsbereitschaft stellen? Das ist das Normalste der Welt. Es hätte ja auch sein können, dass irgendetwas an der Grenze von westlicher Seite passiert.

Das Kuriose: In der Nacht der Grenzöffung hatte Gorbatschow gar nichts davon gewusst. Nur dass es am 10. erfolgen sollte, das war abgesprochen. Dass die Grenzer so und nicht anders gehandelt haben, das ist ein Ergebnis ihrer humanistischen Erziehung in der DDR. Das möcht ich auch als ein Erbe der DDR behalten.

Niemand hat Gewalt angewendet. Deshalb sind Formulierungen wie ‚Mauerfall’ nachträgliche ideologische Begriffe. Als Kohl am 11. November anrief, hat er sich für die Öffnung der Grenze bedankt und nicht für den Fall der Mauer. Das war erst der späteren Zeit vorbehalten.

Also der 9. November 1989 ist zwar ein wichtiges Datum der deutschen Geschichte, aber nur durch Zufall ein geschichtliches Datum geworden. Der eigentliche Grenzöffnungstag sollte der 10. November werden. Es war klar: Wenn wir nicht Reisefreiheit garantieren, dann wird auch unser Ziel, die DDR als souveränen Staat zu erhalten, nicht zu realisieren sein.“

Erbost über Gorbatschows Ehrenbürgerschaft

Hierher passt ein kleiner Einschub, was Peter Brinkmann Egon Krenz, den er als DDR-Korrespondent für die Bild-Zeitung gut kannte, entlockte. Als Michail Gorbatschow 1992 zum Ehrenbürger Berlins ernannt wurde, “war Krenz darüber stinksauer und polterte los, als ich bei ihm zu Hause aufkreuzte: ‘In der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 versuchte ich, Gorbatschow zu erreichen. Doch ich kam nur bis zur Telefonzentrale des Kreml – Michail Sergejewitsch war nirgendwo aufzutreiben. Erst 48 Stunden später kam ein Signal von ihm – die DDR bleibt, es wird und darf keine Grenzänderung geben. Mit dem Wort ‘Grenzänderung’ umschrieb Moskau das Verlangen nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten."

Krenz sei über Gorbatschow richtig erbost gewesen: "Nun lässt er sich als Ehrenbürger feiern, aber er war es doch, der sich bis zuletzt gegen die Einheit stemmte. Ich war es, der die Mauer öffnen ließ, nicht er.”

(Die Fortsetzung des Korrespondentengesprächs mit Egon Krenz folgt morgen. Darin schildert er, wie die Differenzen zwischen Michail Gorbatschow und Erich Honecker entstanden seien, wie bankrott die DDR seiner Ansicht nach wirklich gewesen sei und wie die Geschichte das Urteil über ihn und sein Land korrigieren werde.)

Wird fortgesetzt.

Ewald König, Chefredakteur von EURACTIV.de, war zu Zeiten der Wende Deutschland-Korrespondent der österreichischen Zeitung DIE PRESSE. Für die Leser von EURACTIV schildert er in einer Serie, was er vor zwanzig Jahren erlebt hat.

Copyright: Ewald König. Abdruck nur nach Genehmigung durch den Autor. Termine für Lesungen und Diskussionen nach Vereinbarung. Kontakt: Ewald König • Postfach 080 535 • 10005 Berlin • Mail: koenig@korrespondenten.com oder chefredaktion@euractiv.de

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