E.ON-Chef fordert Prüfung von AKW-Kühlsystemen

Die europäische Atomwirtschaft muss nach Einschätzung von E.ON-Chef Johannes Teyssen Lehren aus der Katastrophe in Japan ziehen. Die Branche müsse sich über die Kühlsysteme und die Stromversorgung Gedanken machen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte im August mit Umweltminister Norbert Röttgen und E.ON Chef Johannes Teyssen (L) während ihrer „Energie-Reise“ das Atomkraftwerk Lingen. Foto: dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte im August mit Umweltminister Norbert Röttgen und E.ON Chef Johannes Teyssen (L) während ihrer "Energie-Reise" das Atomkraftwerk Lingen. Foto: dpa

Die europäische Atomwirtschaft muss nach Einschätzung von E.ON-Chef Johannes Teyssen Lehren aus der Katastrophe in Japan ziehen. Die Branche müsse sich über die Kühlsysteme und die Stromversorgung Gedanken machen.

Zwar gebe es in Europa weder Erdbeben dieser Größe noch Tsunamis, sagte Teyssen am Dienstag im ZDF-"Heute Journal". Die Branche müsse sich aber über die Kühlsysteme und die Stromversorgung Gedanken machen.

"Ob wir höhere und andere Standards brauchen, das muss jetzt untersucht werden", sagt der Spitzenmanager. Die Bürger könnten sich allerdings darauf verlassen, dass die Kernkraftwerke in Deutschland und Europa sicher seien, betonte er.

Der Konzernchef sprach von einer "Zäsur" durch den Atomunfall in Fukushima. Nun könne man "nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagte Teyssen und wählte damit eine Formulierung, die bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel benutzt hatte.

Führt Abschaltung zu höheren Strompreisen?

Als Konsequenz beschloss die schwarz-gelbe Bundesregierung einen Richtungswechsel in der Energie- und Umweltpolitik und kündigte die vorsorgliche Abschaltung der sieben ältesten Atomkraftwerke in Deutschland an (EURACTIV.de vom 15. März 2011).

Teyssen signalisierte, dass dies zu höheren Strompreisen führen dürfte. Das Ausmaß des Anstiegs lasse sich derzeit noch nicht abschätzen. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hatte betont, dass die Versorgungssicherheit mit Strom in Deutschland gesichert bleibe. Bis zum 15. Juni sollen alle Meiler in Deutschland erneut überprüft werden.

Teyssen rechnet mit größeren Risiken in der Stromversorgung. Kleinere Störungen könnten künftig weitreichendere Folgen haben, sagte er vor Journalisten in Brüssel.

Bei einem Treffen mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger hatten sich die EU-Energieminister mit Vertretern der AKW-Hersteller, der Energiekonzerne und Kontrollbehörden am Dienstag auf Sicherheitsprüfungen aller Atomkraftwerke geeinigt (EURACTIV.de vom 15. März 2011). Oettinger kündigte eine Neubewertung aller Risiken der Anlagen bei Naturkatastrophen wie Erdbeben, Hochwasser oder auch einem Terrorangriff an.

Überprüft werden unter anderem die Kühl- und Notstromsysteme. In der EU stehen 143 Atomkraftwerke. Die Kommission hat Russland, der Türkei und der Schweiz die Zusammenarbeit bei Sicherheitstests angeboten. Bis Juni 2011 sollen die Kriterien der Stresstests feststehen. In der zweiten Jahreshälfte sollen die Prüfungen absolviert sein.

EURACTIV/rtr/dto

Links

Dokumente

EU-Parlament: Stress tests for Europe’s nuclear power plants after nuclear scare in Japan (15. März 2011) 

EU-Kommission: The European Union’s response to the earthquake and nuclear power accident in Japan (13. März 2011)

EU-Kommission:
The European Commission is following closely the developments of the earthquake in Japan and has established contacts with Japanese sources, the International Atomic Energy Agency (IAEA), and the established emergency networks in Europe, like ECURIE (12. März 2011)

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