E-Auto-Industrie: Schwedens Northvolt kündigt Entlassungen an
Der schwedische Batteriehersteller Northvolt gab am Montag (23. September) bekannt, dass er fast ein Viertel seiner Belegschaft entlassen wird. Die Lage der Elektrofahrzeugindustrie gibt den europäischen Hauptstädten zunehmend Anlass zur Sorge.
Der schwedische Batteriehersteller Northvolt gab am Montag (23. September) bekannt, dass er fast ein Viertel seiner Belegschaft entlassen wird. Die Lage der Elektrofahrzeugindustrie gibt den europäischen Hauptstädten zunehmend Anlass zur Sorge.
Die Entlassungen betreffen fast ein Viertel der Belegschaft des Unternehmens in Schweden. Etwa 1.000 Arbeitsplätze sollen in der kleinen Stadt Skellefteå im Norden des Landes abgebaut werden. Zusätzlich fallen 400 Stellen in Västerås und 200 in Stockholm weg.
„Es ist sehr schwierig, aber notwendig. Es ist klar, dass man persönlich traurig darüber sein kann, solche Entscheidungen treffen zu müssen. Nicht zuletzt für die betroffenen Menschen und Familien“, schrieb Peter Carlsson, Geschäftsführer von Northvolt, in einer Pressemitteilung.
Northvolt, der erste Batteriehersteller der EU, der europäische Autohersteller beliefert, hatte große Probleme, die Batterieproduktion rentabel zu gestalten und neues Kapital zu beschaffen.
Die schwedische Wirtschaftsministerin Ebba Busch sagte gegenüber Dagens Industri: „Dies bedeutet eine schwierige Situation und große Sorge für diejenigen, die Gefahr laufen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Die Regierung verfolgt die Entwicklungen aufmerksam und steht in Kontakt mit den betroffenen Parteien.“
Zu den von der Kündigung Betroffenen gehören auch Arbeitnehmer, die keine EU-Bürger sind, aber mit einer Arbeitserlaubnis dort gearbeitet haben. Sie laufen nun Gefahr, das Land verlassen zu müssen, wenn sie entlassen werden.
„Die Regierung muss Lösungen finden, damit diejenigen mit Arbeitserlaubnis bleiben können und nicht gezwungen sind, das Land zu verlassen. Wir müssen Kompetenzen und Arbeitskräfte sichern, damit die Wirtschaft und Schweden beim grünen Wandel nicht an Schwung verlieren“, sagte Lorents Burman, sozialdemokratischer Vorsitzender des Stadtrats von Skellefteå, während einer Pressekonferenz.
Nachfrage nach Elektrofahrzeugen sinkt
Die Krise, unter der Northvolt leidet, und ihre sozialen Folgen sind Teil eines besonders schwierigen wirtschaftlichen Umfelds für die Elektrofahrzeugindustrie, die einen Rückgang der Verkaufszahlen verzeichnet.
„Obwohl die allgemeine Dynamik der Elektrifizierung nach wie vor stark ist, müssen wir sicherstellen, dass wir die richtigen Maßnahmen zur richtigen Zeit ergreifen, um auf den Gegenwind auf dem Automobilmarkt und das allgemeine Industrieklima zu reagieren“, schrieb der Geschäftsführer von Northvolt in seiner Pressemitteilung.
Laut dem Europäischen Verband der Automobilhersteller (ACEA) sank die Zahl der im August in der EU verkauften Elektroautos um 18 Prozent des Vorjahres und auf 643.000.
Der Druck der Emissionsvorschriften
Zusätzlich zur schleppenden Nachfrage müssen sich die europäischen Autohersteller mit immer strengeren europäischen Standards auseinandersetzen, nämlich den EU-Emissionsgrenzwerten.
Diese schreiben den Autoherstellern vor, die durchschnittlichen CO2-Emissionen von Neuwagen bis 2025 um 15 Prozent, bis 2030 um 55 Prozent und bis 2035 um 100 Prozent zu senken – jeweils im Vergleich zum Niveau von 2021. Dies soll insbesondere durch die verstärkte Produktion von Elektroautos erreicht werden, die als „emissionsfrei“ gelten.
Nach EU-Recht müssen Autohersteller diese strengeren Ziele bis 2025 erreichen, andernfalls drohen ihnen hohe Bußgelder von 95 Euro für jedes zusätzliche Gramm CO2, das jedes Auto im Durchschnitt produziert.
„Die derzeitigen Vorschriften tragen dem tiefgreifenden Wandel des geopolitischen und wirtschaftlichen Klimas in den letzten [wenigen] Jahren nicht Rechnung“, warnte der Vorstand des European Automobile Manufacturers‘ Association (ACEA) in einer Erklärung. Der Verband fügte hinzu, dass „die dem Gesetz innewohnende Unfähigkeit, sich an reale Entwicklungen anzupassen, die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors weiter untergräbt“.
Letzte Woche wies die Europäische Kommission sogar die Forderungen von Teilen der Industrie nach einer Änderung des Ziels für 2025 zurück. Sie argumentierte, der Sektor „habe genügend Zeit gehabt, sich vorzubereiten“.
Da die Verkaufszahlen von Elektroautos jedoch hinter den Erwartungen zurückblieben, forderte der Automobilherstellerverband am Donnerstag eine schnellere Überarbeitung der EU-Vorschriften für Autoemissionen, die für 2026 vorgesehen ist. Dieser Aufruf wurde auch von Rom und Berlin unterstützt, die ihre Autoindustrie schützen wollen.
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Der chinesische Faktor
Neben der sinkenden Nachfrage und den Diskussionen über europäische Vorschriften ist der europäische Elektrofahrzeugsektor auch ein Streitpunkt mit China. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, hatte China des unlauteren Wettbewerbs beschuldigt. Sie ging in ihrer Rede zur Lage der Union im vergangenen Jahr auf dieses Thema ein.
Da chinesische Hersteller kürzlich ihre Elektromodelle in Europa auf den Markt gebracht haben, will die Kommission bei Bedarf neue Zölle auf chinesische E-Autos einführen.
Angesichts des drohenden Handelskrieges haben Peking und die EU jedoch vereinbart, die Möglichkeit der Festlegung eines Mindestpreises für chinesische Autohersteller, die Elektrofahrzeuge verkaufen, erneut zu prüfen, um endgültige Zölle von bis zu 35,3 Prozent zu vermeiden.
Am vergangenen Donnerstag (19. September) fand ein Treffen zwischen dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao und dem EU-Handelskommissar Valdis Dombrovskis statt. In einer darauffolgenden veröffentlichten Erklärung, teilte die Kommission mit, dass Brüssel und Peking die sogenannten Preisverpflichtungen „erneut prüfen“ würden.
Dabei handelt es sich um Vereinbarungen, bei denen sich eine Handelspartei verpflichtet, Mindestverkaufspreise für ihre Produkte festzulegen, um Zölle abzuwehren.
** Die Angaben zum Vorjahresverkauf von E-Autos in der EU wurden nachträglich korrigiert
*Jonathan Packroff und Thomas Moller-Nielsen haben zu diesem Bericht beigetragen
[Bearbeitet von Alice Taylor-Braçe]