Düngemittel mit niedrigerem Cadmiumgehalt setzen sich in EU durch

Das kürzlich in Kraft getretene EU-weite Vermarktungsverbot für Phosphatdünger, die mehr als 60 Milligramm des Schwermetalls Cadmium pro Kilogramm enthalten, bildet neben dem Ukrainekrieg eine weitere Herausforderung für den europäischen Düngemittelsektor und trägt zum Wandel in der Branche bei.

EFE Agro
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Im November letzten Jahres hat die Europäische Kommission im Rahmen des Europäischen Green Deals eine neue Bodenstrategie vorgestellt, um Bodendegradation, Biodiversitätsverlust und Desertifikation bis 2050 umzukehren. [<a href="https://www.shutterstock.com/de/image-photo/farmer-giving-granulated-fertilizer-young-tomato-1087283084" target="_blank" rel="noopener">Shutterstock / encierro</a>]

Das kürzlich in Kraft getretene EU-weite Vermarktungsverbot für Phosphatdünger, die mehr als 60 Milligramm des Schwermetalls Cadmium pro Kilogramm enthalten, bildet neben dem Ukrainekrieg eine weitere Herausforderung für den europäischen Düngemittelsektor und trägt zum Wandel in der Branche bei.

Kadmium lagert sich in Böden und Lebewesen an und kann Spuren in Lebensmitteln hinterlassen. Dies hat die EU dazu veranlasst, im Juli letzten Jahres in Kraft getretene Grenzwerte für den Cadmiumgehalt in Phosphatdünger einzuführen.

Ein Sprecher des spanischen Handelsverbands für Düngemittel (Acefer) erklärten gegenüber EURACTIVs Partnermedium EFE Agro, man sähe derzeit keine Probleme mit den neuen Vorschriften, da „die Grenzwerte eingehalten werden.“

Er betonte, dass Unternehmen und Verbände angesichts der Komplexität der Verordnung derzeit an einer großen Umstrukturierung des Sektors arbeiteten, während die Auswirkungen auf den Markt noch nicht vollständig absehbar seien.

Solche Düngemittel, die einen höheren Cadmiumgehalt aufweisen können, stammen meist aus Marokko und Algerien, die zusammen mit Ägypten und Israel den meisten Phosphatdünger nach Spanien exportieren.

Der Weltmarkt für Düngemittel ist zuletzt durch Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine erschüttert worden. Dies ist zum einen auf ausfallende Lieferungen aus Russland, einem der größten Exporteure, und zum anderen auf Produktionsschwierigkeiten innerhalb der EU aufgrund des hohen Gasbedarfs in der Düngemittelherstellung zurückzuführen.

Acefer versicherte, dass Spanien nicht sonderlich abhängig von Russland sei, aber die Entwicklungen auf dem Weltmarkt könnten indirekt zu spüren sein.

Ein Sprecher des Nationalen Verbands der Düngemittelhersteller (Anffe) wies darauf hin, dass kadmiumarmes Phosphatgestein aus Russland „die wichtigste mögliche Bezugsquelle für europäische Produzenten“ sei, da Gestein aus nordafrikanischen Ländern im Allgemeinen einen höheren Gehalt aufweise.

Durch die Begrenzung des Cadmiumgehalts in Düngemitteln werde ein beträchtlicher Teil der derzeitigen Importe, die Alternativen zum russischen Dünger bilden, von Phosphatgestein ausgeschlossen. Dies könnte zu einer Verknappung der Versorgung mit einem kritischen Rohstoff in der EU führen, mit potenziell schwerwiegenden Folgen für die Ernährungssicherheit, so der Verband.

Laut Anffe bringt die neue Regelung höhere Kosten mit sich, was die Rentabilität einiger Düngemittelanlagen gefährden könnte.

Der Arbeitgeberverband erklärte, dass das Verfahren zur Verringerung des Cadmiumgehalts in Düngemitteln, die sogenannte Dekadmierung, noch nicht praktikabel sei, während alternative Produkte wie Dung, Kompost oder Klärschlamm „viel höhere Ausbringungsraten aufweisen und in einigen Fällen erhebliche Mengen an Cadmium und anderen Schadstoffen enthalten können.“

Anffe betonte derweil, der Cadmiumgehalt in den Böden liege in Spanien weit unter den als gefährlich eingestuften Grenzwerten. Zudem sei es aufgrund der Eigenschaften der Böden, von denen die meisten einen basischen pH-Wert aufweisen, mit einem geringen Gehalt an organischen Stoffen und klimatischen Bedingungen mit geringeren Niederschlägen schwierig für die Kulturpflanzen, Cadmium zu absorbieren.

Kontaminationsgefahr

Der Koordinator der Forschungsgruppe Resisplanta an der Autonomen Universität Madrid, Luis Hernández, erklärte, es gebe nur wenige epidemiologische Daten, anhand derer sich reale Risikosituationen erkennen ließen, obgleich routinemäßige Analysen von lokal gewonnenen und importierten Produkten durchgeführt werden.

„Wenn Düngemittel ausgebracht werden, die bestimmte Mengen an Cadmium enthalten, reichert sich Cadmium wie jedes andere Metall an. Je nach Bodenbeschaffenheit kann Cadmium von Kulturpflanzen aufgenommen werden“, so der Forscher.

Hernández betonte, dass Cadmium, sobald es sich in Lebewesen ansammle, physiologische Veränderungen auslöse, die zu Toxinbelastung führten und den Stoffwechsel so stark veränderten, dass dies zum Absterben von Mikroorganismen und Pflanzen führen und die Bodenfruchtbarkeit beeinträchtigen könne.

„Eine kontinuierliche Anwendung von Cadmiumdünger kann nach einigen Jahren zu besorgniserregenden Werten führen, die sich wiederum in der trophischen Kette anreichern können“, sagt der Professor.

Trotzdem sagt er, dass Düngemittel einer der wichtigsten Nährstoffe für das Pflanzenwachstum seien und es „unvorstellbar wäre, dass sie nicht verwendet würden.“

Lage in der EU

Im November letzten Jahres hatte die Europäische Kommission im Rahmen des Europäischen Green Deals eine neue Bodenstrategie vorgestellt, um Bodendegradation, Biodiversitätsverlust und Desertifikation bis 2050 umzukehren.

Nach Schätzungen der Kommission sind 60 bis 70 Prozent der Böden in der EU in einem gesundheitsschädlichen Zustand. Die Kommission will deshalb unter anderem die Vorschriften für den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln reformieren, um die Belastung zu verringern.

Das Forschungszentrum Opera in Mailand, Italien, hat eine Studie veröffentlicht, in der die Verwendung von Phosphatdüngern mit geringem Cadmiumgehalt sowie eine gute Kennzeichnung und Risikoaufklärung gefordert wird.

Die Gemeinsame Forschungsstelle (GFS) untersuchte die Schwermetallkonzentration an 22.000 Standorten in der EU und kam zu dem Schluss, dass 6,24 Prozent der Agrarflächen (etwa 137.000 Quadratkilometer) bewertet oder wiederhergestellt werden müssten, obwohl die meisten Flächen als für die Nahrungsmittelproduktion geeignet eingestuft werden könnten.