Druck auf hochverschuldetes Griechenland

Eine Rating-Agentur hat den Daumen über Spanien gesenkt. Griechenland steht wegen seiner desaströsen Haushaltslage seit längerem Unter Druck. Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes, verstärkt die Finanz-Turbulenzen. Den Schaden zahlen alle Länder der Euro-Zone.

Anders Borg, derzeit Vorsitzender des EU-Finanzministerrates, übt harsche Kritik an Griechenland. Das Land hat sich mit geschönten Zahlen den Euro erschlichen und fällt auch in der derzeitigen Krise negativ auf. Foto: Gunnar Seijbold/Regeringskansliet
Anders Borg, derzeit Vorsitzender des EU-Finanzministerrates, übt harsche Kritik an Griechenland. Das Land hat sich mit geschönten Zahlen den Euro erschlichen und fällt auch in der derzeitigen Krise negativ auf. Foto: Gunnar Seijbold/Regeringskansliet

Eine Rating-Agentur hat den Daumen über Spanien gesenkt. Griechenland steht wegen seiner desaströsen Haushaltslage seit längerem Unter Druck. Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes, verstärkt die Finanz-Turbulenzen. Den Schaden zahlen alle Länder der Euro-Zone.

Als Reaktion auf die Schuldenkrise in Griechenland fordert die Europäische Union einen eisernen Sparkurs. "Die Regierung in Athen muss endlich anfangen, eine seriöse Finanzpolitik zu betreiben", mahnte der Vorsitzende des EU-Finanzministerrats, Anders Borg, am Mittwoch. Das Land, das seit Jahren tiefrote Zahlen nach Brüssel meldet, solle einen mehrjährigen Sanierungsplan vorlegen und kurzfristig drastisch sparen. Eine Pleite drohe aber nicht. EU-Währungskommissar Joaquin Almunia will den Defizitsünder verstärkt in den Blick nehmen: "Eine schwierige Lage in einem Mitgliedstaat ist für die gesamte Euro-Zone ein Grund zur Sorge."

Kritische Herabstufung

Griechenland hatte jüngst wegen seines hohen Defizits sowie immenser Verschuldung sein Rating der Agentur Fitch aus der obersten Klasse der sicheren Schuldner verloren. Damit ist erstmals in der elfjährigen Geschichte der Europäischen Währungsunion ein Mitgliedsland nicht mehr in der höchsten Ratingkategorie. Die Regierung in Athen erklärte, sie stehe unter einem "europäischen Schutzschirm", wolle die Krise jedoch aus eigener Kraft meistern. Die Bundesregierung vertraut auf diese Zusage: "Ich habe keinen Grund daran zu zweifeln, dass das grundsätzlich auch möglich sein soll", sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

Negativer Ausblick für Spanien

Die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) hat nach Griechenland am Montag nun auch Spanien als langfristigen staatlichen Schuldner auf die Note "AA+" von "AAA" zurückgestuft. S&P begründete die Entscheidung damit, dass die gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzmarktbedingungen strukturelle Schwächen in der spanischen Wirtschaft offenbart hätten, die mit der höheren Note nicht vereinbar seien. Erst in der vergangenen Woche hatte S&P die Bonitätsbewertung von Griechenland gesenkt.

Experten befürchten nun, dass bald weitere Länder der Euro-Zone heruntergestuft werden könnten. Auch einen Zerfall des Währungsblocks hielten sie für möglich. Als Wackelkandidaten gelten nach entsprechenden Warnungen der Agentur Portugal und Irland.

Euro-Länder meiden IWF-Kredit

Nach Ansicht der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft ist Griechenland auch noch kein Fall für den Internationalen Währungsfonds (IWF), der strauchelnden EU-Staaten wie Ungarn und Lettland mit milliardenschweren Notkrediten über die Krise hinweggeholfen hatte. IWF-Programme seien erst dann erforderlich, wenn das betroffene Land seine Staatsanleihen nicht mehr an den Märkten platzieren könne, sagte der schwedische Finanzminister Borg dem "Handelsblatt": "Dieser Fall ist in Griechenland nicht eingetreten." Europa solle und könne seine Probleme erst einmal selber lösen.

Dies sieht auch die Bundesbank so: "Wir brauchen den IWF nicht", sagte Präsident Axel Weber vor Journalisten. Die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes reichten aus, um Griechenland einen geordneten Weg aus der Schuldenfalle zu ermöglichen. Der Pakt sieht eine Defizitobergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor. Griechenland gilt jedoch als chronischer Defizitsünder und schreckte jüngst die Märkte mit der Mitteilung auf, dass das Defizit dieses Jahr mit 12,7 Prozent mehr als doppelt so hoch ausfallen wird wie veranschlagt. Nächstes Jahr soll es auf 9,1 Prozent zurückgehen.

Griechenland hat Euro erschlichen

"Das Land hat sich den Zugang zur Euro-Zone durch falsche Zahlen quasi erschlichen und mit unsolider Finanzpolitik in eine schwierige Lage manövriert. Sie ist eindeutig hausgemacht und nicht Folge der globalen Wirtschaftskrise", sagte Ökonom Christoph Weil von der Commerzbank.

Der deutsche Regierungsberater Clemens Fuest warnt daher vor Stützungsaktionen. Finanzielle Hilfen etwa in Form einer gemeinsamen Euro-Staatsanleihe dürfe es nicht geben, sagte Fuest, der den wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums leitet, im Gespräch mit Reuters. "Denn die Folgen wären katastrophal: Die deutschen Steuerzahler würden haftbar gemacht für Haushalte, auf die sie keinerlei Einfluss haben."

EURACTIV mit rtr

Dokumente / Links /Downloads

Kommission: Statement by Commissioner Commissioner Almunia on Greece (8. Dezember 2009)
Rat: Pressemitteilung des Ecofin-Rates 16838/09 (2. Dezember, englisch)
Kommission: Defizitverfahren und Exitstrategie (Pressemitteilung, 11. November 2009)