"Doch kein Freudentaumel bei der EZB"

Die Inflation im Euro-Raum hat sich im April wieder etwas auf die Zielmarke der EZB zubewegt. Das allerdings nur ein kurzer "Hakenschlag" der Konjunktur sein. 

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Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. [EPA-EFE/MAURITZ ANTIN]

Die Inflation im Euro-Raum hat sich im April wieder etwas auf die Zielmarke der EZB zubewegt. Das allerdings nur ein kurzer „Hakenschlag“ der Konjunktur sein.

Im April stieg die Teuerungsrate auf 1,7 Prozent, wie die Europäische Statistikbehörde (Eurostat) am Freitag in einer Schnellschätzung mitteilte. Experten hatten mit einem Tick weniger gerechnet, nach einer Inflationsrate von 1,4 Prozent im März. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt knapp zwei Prozent Teuerung als Idealwert für die Konjunktur an. Dieses Ziel wird aber schon seit längerem verfehlt. Für Auftrieb bei der Teuerung sorgten im April höhere Ölpreise, die auch an den Zapfsäulen der Tankstellen abzulesen waren. Zudem verlangten Reiseveranstalter vor Ostern höhere Preise.

Ökonom Sebastian Wanke von der staatlichen Förderbank KfW verweist darauf, dass dieser Effekt im Mai wieder wegfällt. Er geht davon aus, dass die Inflation bis zum Ende des Sommers wohl auf nur noch gut ein Prozent fallen wird. “Die EZB dürfte somit die Aprildaten als Hakenschlagen des Osterhasen ignorieren und bei ihrer vorsichtigen Haltung bleiben.” Es handele sich also nicht um eine nachhaltige Entwicklung, konstatierte auch Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein.

Die von der EZB besonders stark beachtete Teuerungsrate ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel schnellte im April zwar um 0,4 Prozentpunkte auf 1,2 Prozent nach oben. “Der Anstieg wird in der EZB aber sicherlich keinen Freudentaumel auslösen”, sagte Commerzbank-Experte Christoph Weil. Denn die höheren Lohnabschlüsse hätten selbst im Dienstleistungssektor bislang nicht zu einem nachhaltig höheren Preisauftrieb geführt.

Die EZB hält ihre Leitzinsen seit Frühjahr 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent. Im Reaktion auf die jüngste Konjunktureintrübung im Euro-Raum verschob sie im März die Zinswende nach hinten und will ihre geldpolitischen Schlüsselsätze nun mindestens bis zum Jahresende nicht antasten.